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| Festnetz | Internet | Mobilfunk | Handy & Co. | Meldung | Meinung | Service | 28.05.2012 |
Netzwerk-Freundschaften: Quantität statt Qualität?07.06.2010
12:54 Der Weg zum "Freund" verläuft anders als im realen Leben
Online Freunde werden, das ist einfach.
In sozialen Netzwerken reichen zwei Klicks: einer für die Anfrage,
der zweite zur Bestätigung - schon ist die Sache offiziell, zumindest
im Internet. Nicht jeder "Friend" ist zwar auch ein Freund im engeren
Sinne. Aber daraus können trotzdem echte Freundschaften entstehen.
"Freundschaft ist immer eine zweiseitige, langfristige Beziehung",
sagt Horst Heidbrink, Freundschaftsforscher an der Fern-Uni Hagen.
Bloßes "Adden" im Netzwerk mache daher noch keine Freundschaft aus.
In vielen Fällen sei die Freundesliste eher ein elektronisches
Adressbuch, das sich durch den Nutzer selbst aktualisiert.
Web-Freundschaften sind selten tiefgründig
"Statt Vertiefung erlebt der Freundschaftsbegriff heute eine
dramatische Verflachung", glaubt Heiko Ernst, Chefredakteur der
Zeitschrift "Psychologie heute" (Ausgabe 5/2010). Die "Währung" der
Freundschaftsnetze im Internet seien kleinste Informationspartikel,
die stetig hin- und her gesendet werden. Intimität lasse sich aber
Darauf hat auch bereits der britische Psychologe Robin Dunbar hingewiesen. Er belegte anhand einer Studie, dass kein Mensch mehr als 150 Bekannte auf einmal "verarbeiten" kann. Beinahe so viele hat aber der durchschnittliche Facebook-Nutzer. Die Qualität von Freundschaften werde online allzu schnell durch Quantität ersetzt, folgert daraus auch der US-Kulturkritiker William Deresiewicz im Essay "Faux Friendship". Gerade in Netzwerken oder Communitys sei die Kommunikation selten tiefgründig und bestehe meist nur aus kleinen schnellen Botschaften über triviale Dinge. Und trotzdem: Grundsätzlich bietet das Internet einen Mehrwert für Freundschaften, findet Sascha Lobo, Blogger und Web-2.0-Experte aus Berlin. Von Vorteil sei zum Beispiel der nur scheinbar so triviale Umstand, dass Freunde unabhängig vom Aufenthaltsort intensiven Kontakt wahren können. So verliert man den Kumpel nicht aus den Augen, wenn er den Job im Ausland annimmt und kann im Videochat sogar seine Wohnung besichtigen. Wichtig ist laut Horst Heidbrink auch die Möglichkeit zum zwanglosen Kontakt: Treffen müssen nicht verabredet werden, und der Kontakt ist quasi permanent möglich. Netzwerke machen das Kennenlernen leichter
"Auch das gegenseitige Kennenlernen wird erleichtert", ist Lobos
Erfahrung. In Netzwerken lassen sich andere Menschen aufgrund ihrer
Profile - zumindest fürs Erste - besser einschätzen als beim Gespräch
in der Disco oder im Stadion. "Zudem fällt der Darstellungsdruck
gegenüber einem persönlichen Treffen weg". So müsse man sich nicht
anstrengen, durch Kleidung oder Verhalten in bestimmter Weise zu
wirken, um Zuspruch zu finden.
Äußerlichkeiten seien bei Internet-Freundschaften nicht besonders wichtig, vielmehr zählen Einstellungen und Meinungen. "Und die kann im Profil ja jeder einsehen", sagt Lobo. Auch durch Statusmeldungen oder Tweets festige sich das Bild vom Gegenüber. "Ähnlichkeiten und gemeinsame Interessen werden so schneller oder überhaupt erst erkannt", sagt Horst Heidbrink. Wer als Freund zu einem passt oder passen könnte, lässt sich gezielter einschätzen. Manchmal führe das Internet sogar Menschen zusammen, die sich auf anderem Weg wohl nie kennengelernt hätten. So kann der Austausch via Web über die letzte Australien-Reise zur Basis für eine Freundschaft werden. Selbst wenn die nächste Reise dann nicht zusammen bestritten wird, können digital intensive Freundschaftsbeziehungen entstehen, ist Sascha Lobo überzeugt. Gemeinsame Interessen und der permanente Austausch sind Heidbrink zufolge dafür ausreichend. Web-Freunde lassen sich in drei Kategorien einordnenDoch es ist wichtig, Freundschaften im Web richtig einzuordnen, erläutert Lobo. Neben realen Freunden, zu denen offline eine tiefe Beziehung besteht und mit denen man unter Umständen zusätzlich digital vernetzt ist, hat der Web-2.0-Experte drei Abstufungen von Netz-Beziehungen ausgemacht. Da sind zum einen die Online-Freunde. Zu ihnen hat der Nutzer permanent Kontakt, er muss sie aber nicht unbedingt persönlich kennen. "Das sind richtige Freunde - nur, dass man mit ihnen über das Internet kommuniziert." Als zweite Gruppe nennt Lobo die "Friends". Das können Mitglieder einer Community sein, in der man aktiv ist und mit denen man sich durch gleiche Ansichten verbunden fühlt. Sie seien mit Bekannten im "echten Leben" zu vergleichen. "Ihnen würde man aber nicht unbedingt beim Umzug helfen." Und drittens gebe es die reinen Kontakte: "Das sind sehr lose, indirekte Beziehungen, die ganz zufälligen Charakter haben können." Feste Regeln für Online-Freundschaften gebe es nicht. Zu bedenken sei aber, dass die eigenen Meinungen und Verhaltensweisen im Netz stets für alle Freunde, Friends und Kontakte transparent sind. Wer zu viel über sich preisgibt, sein Profil täglich aktualisiert oder am laufenden Band Statusmeldungen postet, nervt andere schnell. Auf keinen Fall sollte Vertrauliches öffentlich gemacht werden, warnt Heidbrink. "Sonst ist es mit der Freundschaft schnell vorbei." Das Vertrauen lässt sich dann nicht mit nur zwei Klicks zurückgewinnen. Weitere Artikel zum Thema soziale Netzwerke
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