Geschwindigkeit

Massentest: Computerbild ermittelt das schnellste Mobilfunknetz

Es gibt viele Arten, an einen Netztest heranzugehen. Die Computerbild hat sich für Crowdsourcing entschieden und auf Basis von 78 000 Nutzern das schnellste Mobilfunknetz ermittelt. Lesen Sie mehr zu den Ergebnissen und den Problemen der Messmethode.
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Ein Speedtest im o2-NetzEin Speedtest im o2-Netz Speedtests kennt nahezu jeder, der sich etwas für die Geschwindigkeit seines Festnetz- oder Mobilfunkanschlusses interessiert. Einen solchen Speedtest hat die Computerbild nun als Basis für einen Netztest genommen, den die Zeitschrift, die zum Axel-Springer-Verlag gehört, in ihrer morgen erscheinenden Ausgabe veröffentlicht. Die Bild-Zeitung hat heute bereits die wichtigsten Ergebnisse veröffentlicht. Doch diese sollten aus Sicht von teltarif.de nicht unreflektiert gesehen werden. Warum - dazu am Ende dieses Artikels.

Zunächst zur Zusammenfassung der Ergebnisse: Als Testsieger geht die Telekom mit einer Gesamtnote von 2,34 aus dem Test hervor, gefolgt von Vodafone mit 2,53. Die beiden Telefónica-Netze wurden getrennt ausgewiesen. Hier erreichte o2 eine Note von 2,83 und E-Plus 2,84 - die beiden Netze sind demnach also nahezu gleichauf.

Telekom: In der Spitze fast 86 MBit/s

Laut Bild, ist die Telekom zwar "weit entfernt" davon, flächendeckendes LTE anzubieten, dafür biete sie durchschnittlich eine Geschwindigkeit von 35,3 MBit/s. Bei UMTS kommen die Kunden auf 11,8 MBit/s. Schnellste Stadt im Test war Mönchengladbach mit 85,9 MBit/s, die langsamste Dresden mit 19,4 MBit/s.

Vodafone kann nach Computerbild-Angaben mit dem zweitgrößten LTE-Netz in Deutschland aufwarten, das aber nur in Großstädten an das der Telekom herankäme. Im Schnitt kämen die Nutzer auf 24,4 MBit/s, im UMTS-Netz kommt Vodafone auf 10,1 MBit/s im Schnitt. Die langsamste Stadt im Test ist mit Bonn kurioserweise die der Telekom-Zentrale gewesen, die schnellste die eigene Heimatstadt Düsseldorf (14,5 bzw. 30,8 MBit/s).

Im o2-Netz kamen die Nutzer auf durchschnittlich19,6 MBit/s bringt es das LTE-Netz in diesem Test. Auf dem Land allerdings sei der LTE-Empfang "miserabel" und auch in kleinen Städten sehr schlecht, wie Computerbild den Spaniern bescheinigt. UMTS sei in Städten gut, auf dem Land zeigten sich große Lücken, heißt es. UMTS erreichte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8,8 MBit/s. Dabei wurde das National Roaming mit E-Plus offenbar berücksichtigt, was auch die nahezu identischen Noten erklären würde.

E-Plus mit bester UMTS-Abdeckung

In der App wird deutlich, wo die Nutzer gemessen habenIn der App wird deutlich, wo die Nutzer gemessen haben Die Stadt mit dem höchsten Datendurchsatz im Test war bei E-Plus und o2 übrigens Dresden, jedoch mit unterschiedlichen Werten. Das lässt sich beispielsweise durch zwei getrennte LTE-Netze der beiden Anbieter erklären. Insgesamt sei LTE bei E-Plus jedoch "miserabel". Tatsächlich ist das Netz nur an einigen wenigen Punkten signifikant ausgebaut, etwa in Hamburg, Bremen, Bremerhaven, entlang der Rhein-Schiene zwischen Bonn und Wesel, in Frankfurt/Main und Mainz, Nürnberg und München. Hinzu kommen noch einzelne Städte wie Chemnitz, Leipzig, Dresden oder Hannover und Paderborn, aber wenige zusammenhängende Stücke.

Eine starke Auszeichnung gibt es immerhin für das UMTS-Netz des Anbieters: "Kein Anbieter hat ein so gut ausgebautes UMTS-Netz wie E-Plus." Die Abdeckung liege 12 Prozentpunkte über der der Telekom. Allerdings wird es dabei wohl auch bleiben. Als allgemeiner Konsens im Markt gilt, dass UMTS-Netze nicht mehr weiter in die Fläche gebaut werden und stattdessen LTE kommt. Die Durchschnittswerte bei E-Plus: 20,8 MBit/s bei LTE und 10,6 MBit/s bei UMTS.

Kritik an der Messmethode

Nach Darstellung der Bild wurde der Test von Nutzern mit einer App durchgeführt. Wir haben uns die App ebenfalls angeschaut. Dabei fiel uns auf, dass der Nutzer zumindest auf der Android-Oberfläche seinen Speedtest durchführen kann, ohne Angaben zu seinem Tarif zu machen. Das bedeutet, dass Computerbild gar nicht wissen kann, ob der Tarif berechtigt ist, LTE zu nutzen. Auch kann nicht ausgewertet werden, ob der Tarif einer Datendrossel auf beispielsweise 7,2 oder 14,4 MBit/s unterliegt. Solche Messungen könnten also nach unserer Einschätzung die Messung verfälscht haben.

Angaben wie Empfangsstärke oder das verwendete Netz hingegen lassen sich bei einer solchen App problemlos auslesen. Es ist jedoch nicht möglich, genau festzustellen, ob sich der Nutzer auf der Straße oder in einem Haus befindet - die Bild schreibt jedoch, die meisten Nutzer hätten sich außerhalb befunden. Sicherlich kann mit Hilfe von GPS der Standort definiert werden, doch ist GPS oft auch in Wohnungen empfangbar - zum Beispiel in der Nähe von Fenstern. Aus unserer Sicht können die Ergebnisse daher so nur als Orientierung und generelle Einschätzung der Netzqualität dienen, auf die Detailwerte sollte der Nutzer jedoch nicht zu viel Wert legen. Update 15 Uhr: Wie uns die Computerbild als Reaktion auf diesen Artikel mitteilte, wurden Nutzer mit LTE-fähiger Ausstattung (also Tarif und Hardware) separat von UMTS ausgewertet. Sobald ein Nutzer im Testzeitraum einmal LTE genutzt hat, wurde er in den Topf der Nutzer gepackt, die LTE nutzen können.

Anhand der Netzkarten der Netzbetreiber hat teltarif.de übrigens vor wenigen Wochen einen Netzabdeckungstest durchgeführt. Dieser hat gezeigt, dass o2 und E-Plus vor allem durch das National Roaming bei UMTS Reichweite gewonnen haben.

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