Neutrale Netze

Netzneutralität: Google zahlt - der Kunde soll wählen können

Google zahlt für Datenverkehr, EU-Kommissarin will Wahlfreiheit
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Neutrale Netze sind ein Thema der Politik.Neutrale Netze sind ein Thema der Politik. Netzbetreiber werden durch den stetig steigenden Datenverkehr vor die Herausforderung gestellt, genügend Bandbreite für die Kunden bereitzustellen. Die dafür nötigen Investitions­kosten sind immens und so ist es kein Wunder, dass die Anbieter nach neuen Wegen suchen, ihre Aufwendungen zu refinanzieren. Eine Möglichkeit ist, die Verursacher des Daten­verkehrs zur Kasse zu bitten. Beispiel Youtube: Das Videoportal sorgt für gigantischen Datenverkehr und bei Google für Einnahmen, auf die auch die Netzbetreiber ihre Augen gerichtet haben.

Google soll angeblich für Datenverkehr zahlen

Der französische Netzbetreiber Orange (France Telecom) hat laut einer Agentur-Meldung erreicht [Link auf http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5ipkAQJJNgj69HxLbKppH80WjUQJg entfernt, da Seite nicht mehr erreichbar], dass Google für den verursachten Datenverkehr bezahlt. Stephane Richard, CEO von Orange, soll gegenüber dem französischen Fernsehsender BFM Business TV weiter gesagt haben, man sei zu einem Gleichgewicht der Kräfte gelangt: Die Einigung sei unter anderem wegen der starken Marktposition von Orange in Afrika erzielt worden. Hat der Suchmaschinen-Gigant also vor der Marktmacht eines einzelnen Netzbetreibers kapituliert? Eine entsprechende teltarif.de-Anfrage ließ der Suchmaschinenriese unbeantwortet - auch anderen Magazinen antwortet der Konzern nicht. Im Jahr 2010 jedenfalls hatte der amerikanische Konzern Berichte über Zahlungen an einen Netzbetreiber noch dementiert.

Details des Google-Orange-Deals unklar

Unklar sind die Details des angeblichen Google-Orange-Deals: Einzig, dass es sich nicht um Hunderte-Millionen-Dollar-Summen handelt, ist zur Zeit bekannt. Gegenüber The Register bestätigt Orange: "Sie zahlen für den Traffic, den sie senden." Aber die genaue Ausgestaltung der Bedingungen bleibt unklar: Zahlt Google für die direkte Anbindung seiner eigenen Infrastruktur an das Netz von Orange? Zahlt Google für eine bevorzugte Behandlung seiner Datenpakete? Oder zahlt Google abhängig vom Datenvolumen? Das Interesse von Google, diese Informationen in der Öffentlichkeit zu diskutieren, dürfte gering sein: Auch andere Netzbetreiber werden sich mit entsprechenden Forderungen zunächst an Google wenden, später sicherlich auch an die anderen großen Datenlieferanten der Welt. Stephane Richard sagt übrigens, Google sei für 50 Prozent des gesamten Traffics im Orange-Netz verantwortlich.

Ewan Spence von Forbes vermutet, der Markt in Afrika sei für Google extrem wichtig, da dort der Durchbruch von Smartphones unmittelbar bevor stehe. Der Suchmaschinenkonzern möchte dabei seine Android-Plattform auf Einsteiger-Smartphones etablieren. Spence sieht dabei die Netzbetreiber in einer mächtigen Position, da günstige Telefone häufig über die Provider vertrieben werden.

Netzneutralität gegen Wirtschaftlichkeit

Das Thema Netzneutralität sorgt stets für kontroverse Debatten. Das Thema ist auch in der Politik präsent. Die zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes hatte noch 2011 angekündigt, sich für ein freies und neutrales Internet einsetzen zu wollen. Die Zeiten haben sich jedoch gewandelt. ZDNet zitiert aus einem Gastbeitrag der Kommissarin in der französischen Zeitung Libération. Hier macht sich Kroes für Wahlfreiheit der Kunden stark. Ihr Sprecher ergänzt später, dass Kroes damit meine, jeder Kunde müsse die Wahl haben, ob er einen Anschluss mit voller Geschwindigkeit bekomme oder einen, der in bestimmten Bereichen eingeschränkt sei. Wer also nur Surfen und Skype nutzen möchte, solle nicht für den Video-Download anderer Kunden bezahlen müssen.

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