Was ist eigentlich mit...

Netbooks: Stetiger Abschwung nach rasantem Aufstieg

Die kleinen Mobil-Rechner stehen vor dem Ende
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Spätestens seit der Präsentation der ersten Eee PCs von Asus im Jahr 2007 und dem Verkaufsstart in Deutschland Anfang 2008 waren sie der Star der Computer-Szene: die Netbooks. Die kleinen und leichten Computer machten den PC erst so richtig mobil. Mit zwischen 7 und 10 Zoll großen Bildschirmen, höchstens 1,5 Kilogramm Gewicht und Akku-Laufzeiten von vier bis sechs Stunden zeigten sie Desktop-Rechnern und großen, schweren Notebooks, wo der Mobilitäts-Hammer hing. Die von Chip-Hersteller Intel ins Leben gerufene Gattung, in der Regel von einem Intel-Atom-Prozessor angetrieben, eroberte schnell einen enormen Anteil am Computer-Markt, was auch an den geringen Preisen lag. Für 200 bis 300 Euro einen vollwertigen und portablen und dabei auch noch Schrauber-freundlichen Rechner kaufen zu können, war neu und sehr verlockend. Nahezu alle Hersteller sprangen auf den Netbook-Zug auf.

Was ist eigentlich mit...Netbooks?Was ist eigentlich mit...Netbooks? Unter den Netbooks der großen Hersteller sind zahlreiche Modelle, die mittlerweile als Klassiker gelten. So etwa der Asus Eee PC 4G oder der Eee PC 1000H, der Aspire One D250 von Acer, Samsungs Dauerbrenner NC10 und der sehr robuste Dell Mini 10. Zeitweise hatten die Netbooks einen Marktanteil von fast 30 Prozent im PC-Geschäft erobern können, auch bei der Entwicklung der Prozessoren tat sich einiges. Doch dann stellte Apple im Jahr 2010 das iPad vor, und der Effekt auf die Netbooks trat zwar mit etwas Verzögerung ein, war jedoch ähnlich verheerend wie der Meteoriten­einschlag für die Dinosaurier.

Die Tablets zeigten sich, angefangen mit dem ersten iPad und dann schnell gefolgt von zahlreichen Android-Modellen, den Netbooks in vielen Dingen überlegen. Sie sind dünner, kleiner sowie leichter und damit mobiler, die Akkus halten deutlich länger, integrierte UMTS-Module sind weiter verbreitet. Zudem hatten und haben Tablets noch immer den Reiz des Neuen und gelten allgemein als schicker im Vergleich zu den bekannten Netbooks. Da verziehen die Käufer sogar die deutlich höheren Preise, die für ein Tablet zum Start verlangt wurden, mittlerweile sind die Unterschiede nicht mehr ganz so groß.

Netbooks haben auch heute noch Vorzüge

Dabei haben Netbooks durchaus noch immer ihre Qualitäten, die sie für so manchen Einsatzzweck besser geeignet machen als ein Tablet. Da wäre etwa das Betriebssystem, denn auf den x86-basierten Netbooks läuft im Regelfall echtes Windows, was deutlich mehr Möglichkeiten zum produktiven Arbeiten bietet als Android oder iOS. Auch eine echte Tastatur ist für Viel-Schreiber enorm wichtig, das reine Touchscreen-Tippen findet die Mehrzahl der Nutzer für lange Texte weniger geeignet. Auch die Austattung bei den Schnittstellen - im Regelfall zwei oder drei USB-Ports, ein Bildschirm­ausgang. Speicherkartenleser und mehr spricht für das Netbook und macht es universeller einsetzbar. Als mobile Schreibmaschine ist ein Netbook nach wie vor sehr gut geeignet.

Am Ende jedoch reicht für viele Dinge die Leistung der verwendeten Prozessor nur gerade so oder eben nicht ausreicht. Ein Video in Full-HD gucken? Wird eher zur Dia-Show. Große Präsentationen mit Multimedia-Inhalten erstellen? Hmm, schwierig. Spiele abseits von Solitär und ähnlichen Dingen? Lieber nicht. Prompte Startzeiten bei Programmen? Naja, ein bisschen dauern kann das schon. Auch die später aufgekommenen Netbooks mit Mehrkern-Prozessoren konnten diese Probleme nicht wirklich lösen, die Geräte hinken in Sachen Leistung einfach hinterher und erlauben nicht viel mehr als die Grundfunktionen eines Computers. Selbst wenn ein Tablet eigentlich oft schlechter ausgestattet ist, läuft es im Regelfall dank der mobilen Betriebssysteme gefühlt deutlich schneller.

Im traditionellen Laptop-Segment bekamen Netbooks zusätzliche Konkurrenz durch die Ultrabooks. Die Geräte dieser Kategorie, die ebenfalls von Intel ins Leben gerufen wurde, haben dank der Core-Prozessoren eine höhere Leistung und zudem flachere Gehäuse, größere Bildschirme und eine stylische Optik. Allerdings sind Ultrabooks um ein Vielfaches teurer als Netbooks, die Preise beginnen erst im Bereich von über 600 Euro, gut ausgestattete Modelle kosten leicht 1 200 Euro und mehr. Zwar verkaufen sich die Ultrabooks noch immer nicht so gut, wie sich die Hersteller das erhofft hatten, graben aber trotzdem an dem ohnehin stark gesunkenen Marktanteil der Netbooks und schlagen so weitere Nägel in den Sarg der billigen, aber leistungsschwachen und nicht mehr angesagten Rechner.

Entwicklungs- und Schwellenländer wollen noch Netbooks

"It's better to burn out, than to fade away", sang schon Neil Young in "Hey Hey, My My". Für Netbooks gilt dieses Prinzip allerdings nicht so ganz, denn noch immer gibt es Märkte, auf denen sich die günstigen mobilen Rechner einigermaßen ordentlich verkaufen. Vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern geht es derzeit meist noch immer darum, Computer und Internet­zugänge flächendeckend unter die Leute zu bringen. Hier kommt es nicht auf hohe Leistung an, sondern auf Zuverlässigkeit, unkomplizierte Bedienung und lange Akku-Laufzeit wegen nicht überall rund um die Uhr vorhandener Stromversorgung. Der wichtigste Aspekt ist jedoch der, der den Netbooks auch in Europa, den USA und Asien zum Erfolg verholfen hatte: Der günstige Preis.

Das finale Aus für die Netbooks scheint allerdings fast schon besiegelt zu sein: Wie die Digitimes aus Taiwan meldet, sollen Acer und Asus zum Jahresende 2012 die Produktion von Netbooks eingestellt haben. Damit hätten die mit Abstand größten Produzenten die wohl letzten Nägel in den Netbook-Sarg gehauen. Offizielle Stellungnahmen hierzu gibt es jedoch noch nicht.

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