GPS-Alternativen

Die GPS-Alternativen Galileo, GLONASS und Beidou

Bisher war satellitengestützte Navigation geradezu synonym mit dem amerikanischen System GPS. Doch die EU, Russland und China sind dabei, eigene Satelliten­systeme zu etablieren.
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Satellitengestützte Navigation, das ist bisher weithin synonym mit dem Namen GPS, dem US-amerika­nischen satelliten­gestützten System für Positions­bestimmung und Navigation. Doch verschiedene Konkurrenten - aus der EU, Russland und China - wollen sich zu GPS in Stellung bringen. Nach einigen Rückschlägen geht es nun in großen Schritten voran, allerdings nicht für die EU. Wir zeigen Ihnen, welche alternativen Satelliten­systeme es gibt.

Auch China baut eigenes Satellitensystem aus

China arbeitet am Aufbau eines eigenen Satelliten­systems für Navigation, Ortung und Zeitmessung namens Beidou. Es baut auf dem bereits bestehenden System Compass auf und soll China vom US-amerikanischen GPS unabhängig machen. Im Gegensatz zu GPS, GLONASS und Galileo werden für Beidou auch geostationäre Satelliten eingesetzt. Beidou ist zunächst für die zivile Nutzung nur im asiatisch-pazifischen Raum freigeschaltet und soll ab 2020 weltweit verfügbar sein. Bis zum Jahr 2012 haben die Asiaten bereits 15 der mehr als 30 geplanten Satelliten in den Orbit gebracht.

Galileo: EU-Projekt kommt nur langsam voran

Umlaufbahnen der Galileo-Satelliten Das europäische Satelliten­system Galileo war nie unumstritten. Während die Befürworter Galileo als ein für die europäische Wirtschaft und Forschung notwendiges Projekt verteidigten, das das amerikanische GPS ergänzen und verbessern könne, kritisierten die Gegner, Galileo sei ein reines "Prestigeprojekt" der europäischen Politik, das Milliarden­summen verschlinge und zudem überflüssig sei, da mit GPS ja ein funktionierendes und kostenloses System verfügbar sei.

Das Jahr 2007 markierte die schwerste Krise für Galileo. Nach langjährigen Kompetenz-Rangeleien waren Verhandlungen zwischen der EU und der Industrie gescheitert und das Aus des ambitionierten Projektes stand kurz bevor. Die EU beschloss daraufhin, Galileo mit Steuer-Milliarden zu retten und den Aufbau des Systems unter öffentlicher Regie voranzutreiben.

Es steht außer Frage, dass die Kompetenz- und Finanzierungs­streitig­keiten das Vorankommen von Galileo nicht eben beschleunigt haben. Das Projekt hinkt deutlich hinter seinem ursprünglichen Zeitplan hinterher. Der bereits mehrmals verschobene Start­termin ist derzeit für das Jahr 2015 angesetzt. Ab dann soll ein eingeschränkter Betrieb möglich sein. Der Regelbetrieb ist jedoch nicht vor 2020 geplant.

Von den 30 geplanten Galileo-Satelliten wurden bisher nur ein kleiner Teil ins All gebracht. Die beiden Test­satelliten Giove-A und Giove-B sind im Jahr 2005, bzw. im Frühjahr 2008 gestartet. Giove-B war bereits nach kurzer Zeit - im September 2008 - aufgrund hoher Weltraumstrahlung für zwei Wochen ausgefallen. Im Oktober 2011 brachte die Europäische Weltraumagentur (ESA) die ersten beiden Satelliten für den Regelbetrieb in die Umlaufbahn. Auf den Start von zwei weiteren Satelliten im Jahr 2012 folgte die nächste Phase, die sogenannte In-Orbit-Vali­dation. Bis 2017 will die ESA insgesamt 26 Satelliten ins All gebracht haben.

Weltweite Abdeckung bereits mit GLONASS

Galileo-Satellit Giove-A Russland hatte Ende 2006 bekannt gegeben, sein bisher für militärische Zwecke reserviertes Satelliten­system GLONASS künftig auch für die zivile Nutzung freizugeben. Dazu sollte in einem ersten Schritt die Zahl der Uragan-Satelliten von 12 auf 18 aufgestockt werden, um zunächst eine voll­ständige Abdeckung von Russ­land zu erreichen. In einem zweiten Schritt sollte die Zahl der Satelliten auf mindestens 24 erhöht werden, womit eine weltweite Abdeckung erreicht werden kann.

Doch auch Russland konnte seine eigenen Vorgaben zunächst nicht einhalten: Ursprüng­lich war die weltweite Abdeckung schon für das Jahr 2009 angekündigt. Anfang des Jahres 2008 erklärte das russische Verteidigungs­ministerium, dass beim Ausbau von GLONASS mit erheblichen Verzögerungen gerechnet werden müsse und mit der welt­weiten Abdeckung frühestens in einigen Jahren zu rechnen sei.

Im Dezember 2011 gelang es Russland dann endlich, eine aus­reichende Anzahl von funktions­fähigen Satelliten in den Orbit zu bringen, so dass GLONASS nun prinzipiell weltweit nutzbar ist. Das iPhone 4S und das Motorola Droid RAZR gehörten zu den ersten Smartphones, die einen GLONASS-fähigen Chip mitbrachten. Aktuelle Smartphones mit GLONASS-Empfang finden Sie auch mit unserer Handy-Datenbank-Suche.

Smartphones mit GLONASS-Unterstützung

Starke Konkurrenz für GPS in den kommenden Jahren

Mit Galileo, GLONASS und Beidou werden in den nächsten Jahren somit bis zu drei Konkurrenz­systeme für das amerikanische GPS verfügbar sein. Bei Galileo und Beidou werden voraussicht­lich noch einige Jahre vergehen, bis sie einsatz­bereit sind. GLONASS ist bereits funktions­fähig und es kommen immer mehr Geräte auf den Markt, welche die russische Alternative unter­stützen. Es bleibt also spannend, wie lange das amerikanische GPS seine Stellung als das weltweit vorherrschende Satelliten­system für Positions­bestimmung und Navigation halten kann.

Hintergrund: Technik und Geschichte von GPS und seinen Konkurrenten