Musikstreaming

Gratis-Plattform Tidido bietet über 30 Millionen Songs

Mit 30 Millionen Songs mischt Tidido als neue Gratis-Musikstreaming-Plattform den Markt auf. Über die Hintermänner des neuen Angebotes ist jedoch wenig bekannt, und es stellt sich zudem die Frage nach der Legalität.
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Tidido: Ernst-zunehmender Mitbewerber im Streaming-Markt?Tidido: Ernst-zunehmender Mitbewerber im Streaming-Markt? Eher durch Mundpropaganda in sozialen Netzwerken und Musikforen statt durch aktive Werbung macht derzeit eine neue Musikstreaming-Plattform im Internet auf sich aufmerksam. Tidido heißt der neue Konkurrent von etablierten Anbietern wie Deezer oder Spotify. Laut eigenen Angaben kann der Nutzer 30 Millionen Songs streamen – völlig kostenlos und ohne Anmeldung. Das einzige, was der User tun muss, ist nach seinem Lieblingsinterpreten und Song zu suchen, diesen anzuklicken, und schon läuft die Musik. Wer sich einfach nur berieseln lassen will, für den bietet Tidido 21 Channels aus unterschiedlichen Genres wie Pop, Indie, Metal oder Filmmusik. Die Plattform funktioniert browserbasiert auf allen möglichen Endgeräten - PCs, Notebooks, Smartphones oder Tablets.

Vieles erinnert an Deezer

Wer sich bei Tidido registriert, kann noch mehr: Nach Deezer-Vorbild beispielsweise eigene Playlists mit Lieblingskünstlern und –Songs anlegen, und Freundschaften mit "Followern" eingehen. Es gibt Verzeichnisse zu den Kategorien "Lieblingslieder", "Eigene Wiedergabenlisten", "Meine Alben", "Meine Künstler" und "Mein Verlauf".

Bei unserer Musikrecherche stießen wir auf einen fast schon sensationellen Musikkatalog. Selbst Songs von Newcomern und Szeneinsidern wie der Band Brolly fanden wir auf Anhieb. Von bekannten Bands wie Coldplay oder Linkin Park gibt es neben allen Alben auch B-Seiten sowie unzählige Live-Gigs. Und auch die Beatles sind vertreten, ebenso Adeles neues Album oder Musik vom US-Country-Star Garth Brooks. Also Künstler, die ihre Musik normalerweise gar nicht im Netz streamen wollen. Doch genau dadurch kommen Zweifel an der Legalität der neuen Musik­plattform auf.

Zweifel an Legalität

Eigentlich ist Tidido ein Eldorado für Musikfans. Über die Hintermänner des Dienstes ist jedoch kaum etwas bekannt. Gehostet ist die Website in Luxemburg, angeblich kommen die Betreiber aus Russland - und würden auch Tantiemen an die Plattenfirmen zahlen. Zumindest in einschlägigen Musikforen ist davon zu lesen. Es gibt jedoch kein Impressum. Eine Anfrage beim Bundesverband Musikindustrie e. V. nach Betreibern und der Legalität der Plattform blieb bislang unbeantwortet.

Egal, ob legal oder illegal: IT-Anwalt Christian Solmecke vertritt laut früheren Angaben die Auffassung, dass sich Nutzer, die nur passiv empfangen, nicht strafbar machen. Dazu zählt auch das Streamen von Musik. Anders verhält es sich, falls die Nutzer Musikdateien von der Plattform herunterladen, was über Umwege wie Download-Programme (etwa NetVideoHunter) durchaus möglich ist. In diesem Fall könnte sich der Musikfan strafbar machen, sollte Tidido in Deutschland tatsächlich als illegale Musikplattform eingestuft werden.

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