Gecko

Mozilla arbeitet am 50-Euro-Smartphone

Boot-2-Gecko kommt zunächst nur in Entwicklungsländern
Aus Barcelona berichtet
AAA

HTM5-basiertes SmartphoneHTML5-basiertes Smartphone Die US-Stiftung Mozilla, der Erfinder des speziell in Deutschland beliebten Internet-Browsers Firefox will es nochmals wissen. Die Amerikaner planen nicht mehr und nicht weniger als den Angriff auf Google, Apple und Microsoft zusammen und sind dabei bei den Netzbetreibern in Barcelona gern gesehen, die sich schon lange mehr Wettbewerb bei den mobilen Betriebssystemen wünschen.

Mozilla arbeitet - wie bereits berichtet - an einem HTML5-basierten und damit web-basierten Betriebssystem für Smartphones. Diese sollen sowohl, schick, gut ausgestattet als auch günstig sein. Dies mutet ein bißchen wie die "Quadratur des Kreises" an, ist aber nach ersten Eindrücken, die teltarif.de von einem ersten Referenzgerät in Barcelona auf dem Mobile World Congress sammeln konnte, durchaus möglich.

Web-basiertes Smartphone-OS spart Leistung und Kosten

Mozilla nutzt für Boot-to-Gecko (B2C) Linux als Kernel und ein Nutzer-Interface mit Webtechnik, dargestellt von Mozillas Rendering-Engine Gecko, die ähnlich auch im Firefox-Browser zum Einsatz kommt. Weil sämtliche Anwendungen über das Internet laufen, wird Speicherkapazität und Leistung eingespart. Mozilla kooperiert für Boot-to-Gecko mit der Deutschen Telekom und der spanischen Telefónica, die in Deutschland als o2 aktiv ist.

Die Spanier zeigten zusammen mit Mozilla ein erstes Demo-Smartphone, das eine beeindruckende Performance mit nur sehr schmaler Hardwareausstattung bot. Beim Demogerät handelte es sich um ein Smartphone mit 3,2-Zoll-Display mit einem 600 MHz schnellen Qualcomm-Single-Core-Prozessor und 256 MB Arbeitsspeicher, die genaue Größe des Nutzspeichers blieb unbekannt, es können aber microSD-Speicherkarten individuell verwendet werden. Ebenso waren ein Bewegungs- und Annäherungssensor an Bord, WLAN-Modul und UMTS-Modem zur Datenübertragung sowie ein GPS-Chip zur Lokalisierung. Nebst einer 3-Megapixel-Kamera nannte der Leiter der Produktentwicklung bei Telefónica Digital, Carlos Domingo, einen der wesentlichen Vorteile im Gespräch mit teltarif.de in Barcelona: Das ausgestellte Demo-Smartphone kostet nur 60 US-Dollar, umgerechnet also nicht einmal 45 Euro!

Im ersten Eindruck beeindruckende Performance

Mozilla bringt Smartphone für 50 EuroMozilla bringt Smartphone für 50 Euro Führt man sich die überschaubare Hardware vor Augen, so war es beeindruckend, wie gut und flüssig das Demogerät in Barcelona funktionierte. Alle Eingaben, Scrollen, Wischen und so weiter erfolgte ohne Ruckeln oder Zögern, der Start von Programmen wie dem Spiel PenguinPop gelang auf dem Demogerät schneller als auf dem aktuellen iPhone-Modell 4S. Auch der Aufruf und das Navigieren innerhalb einer Internetseite erfolgte flüssig.

Carlos Domingo sprach über die weiteren Pläne von Telefónica mit dem Mozilla-Smartphone. Die Spanier erhoffen sich von dem Smartphone vor allem große Chancen in Latein- und Südamerika, wo die Kunden aus Kostengründen noch häufig mit Einfach-Handys telefonieren. Er will das Mozilla-Handy dort bis Jahresende 2012 einführen und einen kostengünstigen Einstieg in die Smartphone-Klasse bieten. Ziel ist es Domingo zufolge, direkt die sogenannten "Feature-Phones zu überspringen", die nur einen Teil der Smartphone-Funktionen bieten. Pläne, das Mozilla-Smartphone auch in anderen Märkten der ersten Welt einzuführen, hat Telefónica seiner Aussage nach nicht.

Geplant: Offener App-Store, unterstützt vom Netzbetreiber vor Ort

Die große Stärke von Boot-to-Gecko ist die Basis auf dem offenen Web-Standard HTML5. So können viele HTML5-basierte Web-Apps ohne oder nur mit wenigen Änderungen auch auf dem Smartphone laufen. Zur einfachen Installation von Programmen auf dem Smartphone plant Mozilla einen Appstore, anders als bei iOS von Apple oder Windows Phone von Microsoft ist dieser aber offen für eine breite Entwickler-Community. Carlos Domingo erklärte heute gegenüber teltarif.de eine weitere Spezialität des geplanten Appstores. Um die Akzeptanz des Appstores beim Kunden vor Ort zu verbessern und speziell die Hürde bei der Bezahlung klein zu halten, sprechen Mozilla und Telefónica derzeit über Identifikation und Bezahlungslösungen über die Mobilfunkrechnung. Aufwendige Registrierungen bzw. die Hinterlegung einer (nicht immer vorhandenen) Bankverbindung oder von Kreditkarteninformationen entfallen also.

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