Digitale Dividende

"Weiße Flecken" schließen: Die Digitale Dividende

Das Frequenz­spektrum der so genannten Digitalen Divi­dende soll die Breit­band-An­bindung auf dem Land er­leichtern. Mit LTE im 800-MHz-Band könnten auch dünn be­sie­delte Regionen via Mobil­funk mit schnellen Internet-Zugängen versorgt werden.
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"Mehr Breitband auf dem Land" - mit derartigen Schlag­zeilen wurde durch die Medien über die Frequenz­versteigerung bei der Bundes­netz­agentur (BNetzA) berichtet, die am 20. Mai 2010 endete. Dabei ging es unter anderem um Fre­quen­zen aus der so genannten Digi­talen Divi­dende.

Unter der Digi­talen Divi­dende versteht man das Frei­werden von Fre­quen­zen elektro­mag­netischer Wel­len, die früher zur ana­logen terres­trischen Aus­strah­lung von Fernseh­signalen oder vom Mili­tär genutzt wurden. Diese Fre­quen­zen stehen seit einiger Zeit für andere Nutzungen zur Ver­fügung, unter anderem durch die Einführung von DVB-T. Dieser "Frequenz­gewinn" betrifft ins­gesamt 72 MHz, nämlich das UHF-Frequenz­band zwischen 790 und 862 MHz. Er wird nun zur Breit­band­versorgung via Mobil­funk genutzt. Vor allem Regionen, in denen bisher kein flächen­deckender Breit­band-Ausbau mit DSL statt­gefunden hat, sollen davon profi­tieren.

Tiefe Frequenzen ermöglichen große Abdeckung

ReichweitenvergleichReichweitenvergleich bei 700 MHz und 2,1 GHz Dadurch, dass die Frequenzen der Digi­talen Divi­dende sehr tief liegen, besitzen sie eine deutlich höhere Aus­breitung als etwa die in Europa für UMTS genutzten Fre­quen­zen um 1,9 und 2,1 GHz. Somit kann ein wesent­lich größerer Ra­dius mit einer Sende­einheit ab­gedeckt werden, weswegen das Frequenz­band gut zur Ver­sorgung dünn besiedelter Regionen geeignet ist.

Daher hatte die Bundes­netz­agentur ent­sprechend der im Jahr 2009 verab­schiedeten Breit­band-Strategie der Bundes­regierung bei den Vergabe­richt­linien für die Digi­tale Divi­dende eine klare Ausbau­ver­pflichtung für die Frequenz­nutzer festgelegt. Danach musste der Ausbau in einem Stufen­plan erfolgen: Oberste Prio­rität sollten dabei Breit­band-lose länd­liche Gemein­den mit weniger als 5 000 Ein­wohnern haben. Die zu ver­sorgenden Städte und Gemeinden wurden dabei von den Bundes­ländern festgelegt. Einige Breitband-lose Bewohner auf dem Land hatten daher das Nachsehen: So sah zum Beispiel die Landes­regierung von NRW wenig Bedarf für den Aus­bau und reichte eine äußerst kurze Liste von Gemeinden ein.

Erst nachdem in den von den Bundes­ländern genannten Städten und Gemeinden 70 Prozent der Haushalte einen Zugang zum Breitband-Internet besaßen, durfte der Anbieter auch dichter besiedelte Regionen er­schließen. Bis 2016 sollten die Mobil­funk­anbieter mehr als 90 Prozent der Haus­halte in den festgelegten Orten versorgen. Der damalige Präsident der Bundes­netz­agentur, Matthias Kurth, sagte im Jahr 2009 zum Vergabe­verfahren für die neuen Frequenzen: "Wir vertrauen hier nicht auf Ver­sprechungen, sondern setzen klare Ziele." Im November 2012 gab die Bundes­netz­agentur bereits bekannt, dass aus ihrer Sicht die Auflagen des Frequenz­vergabe­verfahrens bereits erfüllt seien.

Keine feste Bandbreite garantiert

FernsehstörungAus der ANGA-Studie:
Fernsehstörung durch LTE-Einstrahlung
Nachteil der Digi­talen Divi­dende ist unter anderem, dass sie auf­grund der tiefen Fre­quenzen bei gleicher Über­tragungs­technik eine etwas geringere Band­breiten-Kapa­zität besitzt und daher nicht ganz so hohe Daten­raten ermöglicht. Zudem können die Anbieter keine fixe Band­breite garantieren. Denn beim Funk-Internet hängt die Band­breite pro User von der Kapa­zität der jeweiligen Zelle ab: Ver­ursachen viele Surfer gleichzeitig viel Traffic, sinkt die Band­breite, die jeder Einzelne zur Ver­fügung hat.

Mit den Fre­quenzen der Digitalen Dividende können unter­schied­liche Techno­logien genutzt werden. So ist sowohl der Einsatz mit UMTS/HSPA als auch dessen Nach­folge­standard LTE möglich. Der Nutzer wird von der verwendeten Technik wenig merken. Aller­dings benötigt er ein passendes Modem zur Nutzung der neuen LTE-Funk­technologie.

TV-Störungen befürchtet

Doch bei all den posi­tiven Aspekten für früher Breit­band-lose Gebiete: Es gab und gibt zahl­reiche Streitpunkte rund um die Nutzung der Digitalen Dividende. So weist der Verband der Kabel­netz­betreiber ANGA schon geradezu gebetsmühlenartig auf mögliche Störungen des Kabel­fern­sehens hin, wenn Ein­strahlungen durch UMTS oder LTE erfolgten.

E-Plus, o2, Telekom und Vodafone mit Auktionsergebnis zufrieden

Bei der am 20. Mai 2010 beendeten Auktion brachten die Frequenz-Lizenzen einen Erlös von insgesamt 3,577 Mil­liarden Euro. o2, Telekom und Vodafone waren in der Auktion mit jeweils zwei Frequenz­blöcken mit 2 mal 5 MHz Band­breite im Bereich der 800-MHz-Fre­quenzen erfolg­reich. E-Plus ging bei der Ver­steigerung in diesem Bereich leer aus, sicherte sich jedoch wie die anderen Netz­betreiber zusätzliche Frequenz­blöcke im GSM- und UMTS-Bereich, die im Rahmen der Auktion ebenfalls ve­rsteigert wurden. Laut E-Plus sei dies jedoch so geplant gewesen: Das Düssel­dorfer Mobil­funk­unter­nehmen will lieber in den HSPA-Ausbau seines UMTS-Netzes investieren und LTE in anderen Frequenz­bereichen wie 1800 MHz aus­bauen. Alle vier Mobil­funk­unter­nehmen zeigten sich mit dem Aus­gang der Frequenz­auktion zufrieden. Im Sommer 2011 kamen die ersten LTE-Tarife auf den Markt.

Digitale Dividende wird Breitband-Versorgung verbessern

Trotz etwaiger technischer oder juristischer Rest-Risiken hat die Digitale Dividende den Techno­logie-Mix für Breitband-Internet um einen weiteren Zugangsweg per Mobil­funk-Techno­logie bereichert. Durch die Aus­bau­ver­pflichtungen der Bundes­netz­agentur konnten einige länd­liche Räume als aller­erste von einer tech­nischen Inno­vation profitieren. Doch das gilt leider nicht überall: Dort wo die Landes­regierungen keinen Bedarf angemeldet hatten - wie etwa in Nord­rhein-West­falen - wurde die Chance ver­säumt, die "Weißen Flecken" flächen­deckend zu beseitigen.

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