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Festnetz Internet Mobilfunk Handy & Co. mobicroco Meldung Meinung Service 18.06.2013 

 

"Weiße Flecken" schließen: Die Digitale Dividende

Breitband-Internet auch in ländlichen Gebieten

"Mehr Breitband auf dem Land" - mit derartigen Schlagzeilen wurde durch die Medien über die Frequenzversteigerung bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) berichtet, die am 20. Mai 2010 endete. Dabei ging es unter anderem um Frequenzen aus der so genannten Digitalen Dividende.

Unter der Digitalen Dividende versteht man das Freiwerden von Frequenzen elektromagnetischer Wellen, die früher zur analogen terrestrischen Ausstrahlung von Fernsehsignalen oder vom Militär genutzt wurden. Diese Frequenzen stehen seit einiger Zeit für andere Nutzungen zur Verfügung, unter anderem durch die Einführung von DVB-T. Dieser "Frequenzgewinn" betrifft insgesamt 72 MHz, nämlich das UHF-Frequenzband zwischen 790 und 862 MHz. Er wird nun zur Breitbandversorgung via Mobilfunk genutzt. Vor allem Regionen, in denen bisher kein flächendeckender Breitband-Ausbau mit DSL stattgefunden hat, sollen davon profitieren.

Tiefe Frequenzen ermöglichen große Abdeckung

Reichweitenvergleich
Reichweitenvergleich bei 700 MHz und 2,1 GHz
Dadurch, dass die Frequenzen der Digitalen Dividende sehr tief liegen, besitzen sie eine deutlich höhere Ausbreitung als etwa die in Europa für UMTS genutzten Frequenzen um 1,9 und 2,1 GHz. Somit kann ein wesentlich größerer Radius mit einer Sendeeinheit abgedeckt werden, weswegen das Frequenzband gut zur Versorgung dünn besiedelter Regionen geeignet ist.

Daher hat die Bundesnetzagentur entsprechend der im Jahr 2009 verabschiedeten Breitband-Strategie der Bundesregierung bei den Vergaberichtlinien für die Digitale Dividende eine klare Ausbauverpflichtung für die Frequenznutzer festgelegt. Danach muss der Ausbau in einem Stufenplan erfolgen: Oberste Priorität sollten dabei breitbandlose ländliche Gemeinden mit weniger als 5 000 Einwohnern haben. Die zu versorgenden Städte und Gemeinden wurden dabei von den Bundesländern festgelegt. Manche Breitband-lose Bewohner auf dem Land haben daher das Nachsehen: So sah zum Beispiel die Landesregierung von NRW wenig Bedarf für den Ausbau und reichte eine äußerst kurze Liste von Gemeinden ein.

Erst wenn in den von den Bundesländern genannten Städten und Gemeinden 70 Prozent der Haushalte versorgt sind, darf der Anbieter auch dichter besiedelte Regionen erschließen. Bis 2016 sollen die Mobilfunkanbieter mehr als 90 Prozent der Haushalte in den festgelegten Orten versorgen. Der damalige Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, sagte im Jahr 2009 zum Vergabeverfahren für die neuen Frequenzen: "Wir vertrauen hier nicht auf Versprechungen, sondern setzen klare Ziele." Im November 2012 gab die Bundesnetzagentur bekannt, dass aus ihrer Sicht die Auflagen des Frequenzenvergabeverfahrens erfüllt seien.

Keine feste Bandbreite garantiert

Fernsehstörung
Aus der ANGA-Studie:
Fernsehstörung durch LTE-Einstrahlung
Nachteil der Digitalen Dividende ist unter anderem, dass sie aufgrund der tiefen Frequenzen bei gleicher Übertragungstechnik eine etwas geringere Bandbreiten-Kapazität besitzt und daher nicht ganz so hohe Datenraten ermöglicht. Zudem können die Anbieter keine fixe Bandbreite garantieren. Denn beim Funk-Internet hängt die Bandbreite pro User von der Kapazität der jeweiligen Zelle ab: Verursachen viele Surfer gleichzeitig viel Traffic, sinkt die Bandbreite, die jeder Einzelne zur Verfügung hat.

Mit den Frequenzen der Digitalen Dividende können unterschiedliche Technologien genutzt werden. So ist sowohl der Einsatz mit UMTS/HSPA als auch dessen Nachfolgestandard LTE möglich. Der Nutzer wird von der verwendeten Technik wenig merken. Allerdings benötigt er ein passendes Modem zur Nutzung der neuen LTE-Funktechnologie.

TV-Störungen befürchtet

Doch bei all den positiven Aspekten für bislang breitbandlose Gebiete: Es gibt zahlreiche Streitpunkte rund um die Nutzung der Digitalen Dividende. So weist der Verband der Kabelnetzbetreiber ANGA schon seit längerem geradezu gebetsmühlenartig auf mögliche Störungen des Kabelfernsehens hin, wenn Einstrahlungen durch UMTS oder LTE erfolgten.

E-Plus, o2, Telekom und Vodafone mit Auktionsergebnis zufrieden

Bei der am 20. Mai 2010 beendeten Auktion brachten die Frequenz-Lizenzen einen Erlös von insgesamt 3,577 Milliarden Euro. o2, Telekom und Vodafone waren in der Auktion mit jeweils zwei Frequenzblöcken mit 2 mal 5 MHz Bandbreite im Bereich der 800-MHz-Frequenzen erfolgreich. E-Plus ging bei der Versteigerung in diesem Bereich leer aus, sicherte sich jedoch wie die anderen Netzbetreiber zusätzliche Frequenzblöcke im GSM- und UMTS-Bereich, die im Rahmen der Auktion ebenfalls versteigert wurden. Laut E-Plus sei dies jedoch so geplant gewesen: Das Düsseldorfer Mobilfunkunternehmen will lieber in den HSPA-Ausbau seines UMTS-Netzes investieren und LTE in anderen Frequenzbereichen wie 1800 MHz ausbauen. Alle vier Mobilfunkunternehmen zeigten sich mit dem Ausgang der Frequenzauktion zufrieden. Im Sommer 2011 kamen die ersten LTE-Tarife auf den Markt.

Digitale Dividende wird Breitband-Versorgung verbessern

Trotz etwaiger technischer oder juristischer Rest-Risiken wird die Digitale Dividende den Technologie-Mix für Breitband-Internet um einen weiteren Zugangsweg per Mobilfunk-Technologie bereichern. Durch die Ausbauverpflichtungen der Bundesnetzagentur profitieren diesmal die ländlichen Räume als allererste von einer technischen Innovation. Doch das gilt leider nicht überall: Dort wo die Landesregierungen keinen Bedarf angemeldet haben - wie etwa in Nordrhein-Westfalen - wurde die Chance versäumt, die "Weißen Flecken" flächendeckend zu beseitigen.

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Quelle: teltarif.de: AGOF internet facts 2013-03 Erwachsene ab 14 Jahre