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Festnetz Internet Mobilfunk Handy & Co. mobicroco Meldung Meinung Service 26.05.2012 

"Weiße Flecken" schließen: Das bringt die Digitale Dividende

Ländliche Gebiete profitieren als erste


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"Mehr Breitband auf dem Land" - mit derartigen Schlagzeilen wurde durch die Medien über die Frequenzversteigerung bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) berichtet, die am 20. Mai 2010 endete. Dabei ging es unter anderem um Frequenzen aus der so genannten Digitalen Dividende.

Unter der Digitalen Dividende versteht man den Gewinn von Frequenzen elektromagnetischer Wellen, die bislang zur analogen terrestrischen Ausstrahlung von Fernsehsignalen oder vom Militär genutzt wurden. Diese Frequenzen stehen nun für andere Nutzungen zur Verfügung, unter anderem durch die Einführung von DVB-T. Dieser Frequenzgewinn betrifft insgesamt 72 MHz, nämlich das UHF-Frequenzband zwischen 790 und 862 MHz. Dieses soll nun zur Breitbandversorgung genutzt werden, vor allem von Regionen, in denen bisher kein flächendeckender Breitband-Ausbau, etwa mit DSL, stattgefunden hat.

Tiefe Frequenzen ermöglichen große Abdeckung

Reichweitenvergleich
Reichweitenvergleich bei 700 MHz und 2,1 GHz
Dadurch, dass die Frequenzen der Digitalen Dividende sehr tief liegen, besitzen sie eine deutlich höhere Ausbreitung als etwa die derzeitig für UMTS genutzten Frequenzen um 2,1 GHz. Somit kann ein wesentlich größerer Radius mit einer Sendeeinheit abgedeckt werden, weswegen das Frequenzband besonders gut zur Versorgung ländlicher Regionen geeignet ist.

Daher hat die Bundesnetzagentur entsprechend der Breitband-Strategie der Bundesregierung bei den Vergaberichtlinien für die Digitale Dividende eine klare Ausbauverpflichtung für die Frequenznutzer festgelegt. Danach erfolgt der Ausbau in einem Stufenplan, oberste Priorität haben dabei breitbandlose ländliche Gemeinden mit weniger als 5 000 Einwohnern. Die zu versorgenden Städte und Gemeinden wurden dabei von den Bundesländern festgelegt. Breitband-lose Bewohner aus NRW haben hier das Nachsehen: Ihre Landesregierung sah wenig Bedarf für den Ausbau und reichte eine äußerst kurze Liste von Gemeinden ein.

Erst wenn in den von den Bundesländern genannten Städten und Gemeinden 70 Prozent der Haushalte versorgt sind, kann der Anbieter auch dichter besiedelte Regionen erschließen. Bis 2016 sollen die Mobilfunkanbieter dann 90 Prozent der Haushalte versorgen. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, sagte dazu: "Wir vertrauen hier nicht auf Versprechungen, sondern setzen klare Ziele."

Keine feste Bandbreite garantiert

Fernsehstörung
Aus der ANGA-Studie:
Fernsehstörung durch LTE-Einstrahlung
Nachteil der Digitalen Dividende ist unter anderem, dass sie aufgrund der tiefen Frequenzen bei gleicher Übertragungstechnik eine etwas geringere Bandbreiten-Kapazität besitzt und daher nicht ganz so hohe Datenraten ermöglicht. Zudem können die Anbieter keine fixe Bandbreite garantieren. Denn beim Funk-Internet hängt die Bandbreite pro User von der Kapazität der jeweiligen Zelle ab: Verursachen viele Surfer gleichzeitig viel Traffic, sinkt die Bandbreite, die jeder Einzelne zur Verfügung hat.

Mit den Frequenzen der Digitalen Dividende können unterschiedliche Technologien genutzt werden. Derzeit testen die deutschen Mobilfunkanbieter in Pilotprojekten UMTS sowie dessen Nachfolgestandard LTE. Der Nutzer wird hingegen von der verwendeten Technik wenig merken. Allerdings benötigt er ein passendes Modem zur Nutzung der neuen Funktechnologie.

TV-Störungen befürchtet

Doch bei all den positiven Aussichten für bislang breitbandlose Gebiete: Es gibt zahlreiche Streitpunkte rund um die Nutzung der Digitalen Dividende. So weist der Verband der Kabelnetzbetreiber ANGA schon seit längerem geradezu gebetsmühlenartig auf mögliche Störungen des Kabelfernsehens hin, wenn Einstrahlungen durch UMTS oder LTE erfolgten.

E-Plus, o2, Telekom und Vodafone mit Auktion zufrieden

Bei der am 20. Mai 2010 beendeten Auktion brachten die LTE-Lizenzen einen Erlös von insgesamt 3,577 Milliarden Euro. o2, Telekom und Vodafone waren in der Auktion mit jeweils zwei Frequenzblöcken mit 2 mal 5 MHz Bandbreite im Bereich der 800-MHz-Frequenzen erfolgreich. E-Plus ging bei der Versteigerung in diesem Bereich leer aus, sicherte sich jedoch wie die anderen Netzbetreiber zusätzliche Frequenzblöcke im GSM- und UMTS-Bereich, die im Rahmen der Auktion ebenfalls versteigert wurden. Laut E-Plus sei dies jedoch so geplant gewesen: Das Düsseldorfer Mobilfunkunternehmen will lieber in den HSPA-Ausbau seines UMTS-Netzes investieren. Alle vier Mobilfunkunternehmen zeigten sich mit dem Ausgang der Frequenzauktion zufrieden. Im Sommer 2011 kamen die ersten LTE-Tarife auf den Markt.

Digitale Dividende wird Breitband-Versorgung verbessern

Trotz etwaiger technischer oder juristischer Rest-Risiken wird die Digitale Dividende den Technologie-Mix für Breitband-Internet um einen weiteren Zugangsweg per Mobilfunk-Technologie bereichern. Wenn die Mobilfunknetzbetreiber den Ausbauverpflichtungen der Bundesnetzagentur nachkommen, werden diesmal die ländlichen Räume als allererste von einer technischen Innovation profitieren. Doch das gilt leider nicht überall: In Nordrhein-Westfalen etwa hat die Landesregierung die Chance versäumt, die "Weißen Flecken" flächendeckend zu beseitigen.

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Quelle: teltarif.de: AGOF internet facts 2012-01, Erwachsene ab 14 Jahre