Tücke im Detail

Mobilfunk fatal: Warum eine Portierung abgelehnt werden kann

Rufnummernmitnahme: Von o2 zu Fonic möglich, zu Tchibo aber nicht
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Im Mai ist die Novelle des Telekom­munikations­gesetzes (TKG) in Kraft getreten. Eine der wichtigsten Änderungen: Kunden können ihre Handynummer innerhalb eines Werktages zu einem neuen Anbieter portieren - auch dann, wenn sie bei ihrem bisherigen Mobilfunker einen Vertrag mit fester Laufzeit abgeschlossen haben. Im Rahmen eines Übergangsverfahrens dürfen die Mobilfunk-Unternehmen bis voraussichtlich Dezember aber auch länger für die Portierung benötigen.

Trotz neuem Gesetz: Die Portierung kann auch abgelehnt werden

RufnummernportierungEine Rufnummernportierung muss vom Anbieter nicht in jedem Fall vorgenommen werden Unabhängig von der längeren Portierungs­dauer stoßen Kunden auf dem deutschen Mobilfunkmarkt aber verstärkt auf ein ganz anderes Problem, wenn sie ihre Nummer von einem zum anderen Anbieter mitnehmen wollen: Das bisherige Unternehmen lehnt die Portierung einfach ab - und das auch noch zu Recht. So geschehen einem teltarif-Leser, der seine Rufnummer von BASE zu Aldi Talk mitnehmen wollte.

"Da Medion Mobile kein eigenständiger Service-Provider nach dem Gesetz ist, sondern eine Marke aus der E-Plus-Gruppe, kann einer vorzeitigen Portierung nicht entsprochen werden. Ferner greift in diesem Fall auch die TK Novelle nicht" [sic!], erhielt unser Leser als Antwort.

Unterschiedliche Marken bedeuten nicht unterschiedliche Vertragspartner

Das Problem: In Paragraph 46 des TKG ("Anbieterwechsel und Umzug") findet sich stets die Formulierung "Anbieter". Doch wie definiert sich "Anbieter"? Sind BASE und Aldi Talk keine unterschiedlichen Anbieter?

Nach Definition der Bundesnetzagentur (BNetzA) sind sie es nicht. Denn, so schreibt die Behörde auf Anfrage unserer Redaktion: "Nach dem Telekom­munikations­gesetz besteht ein Rechtsanspruch auf Rufnummern­mitnahme bei einem Wechsel des Anbieters (Paragraph 46 TKG). Entscheidend ist dabei, dass sich der Vertragspartner ändert. Sind alter und neuer Vertragspartner identisch, liegt kein Anbieterwechsel vor."

Widersinnig: Portierung von o2 zu Fonic möglich, von o2 zu Tchibo Mobil nicht

Und tatsächlich: Vertragspartner bei BASE und Aldi Talk ist jeweils derselbe - nämlich die E-Plus Service GmbH & Co. KG. Dasselbe Problem gibts es beispielsweise auch bei einer Portierung von Vodafone zu FYVE oder von o2 zu Tchibo Mobil. Während der Kunde diese unterschiedlichen Marken auch als unterschiedliche Anbieter wahrnimmt, sind sie es nach BNetzA-Definition durch den gleichen Vertragspartner (jeweils Vodafone D2 GmbH beziehungsweise Telefónica Germany GmbH & Co. OHG) nicht. Vielmehr werden solche Vorgänge lediglich als "Produktwechsel" bezeichnet.

Bei einem Wechsel von o2 zu Fonic oder von der Telekom zu congstar handelt es sich hingegen um einen echten Anbieterwechsel, da hier der neue Vertragspartner unterschiedlich ist (Fonic GmbH beziehungsweise congstar GmbH). Der Verbraucher indes hat für diese Feinheiten im Detail wohl nur wenig Verständnis.

So gehen die Mobilfunk-Netzbetreiber mit der Problematik um

Doch was sagen die Anbieter selbst dazu? Wir haben die vier großen Mobilfunk-Netzbetreiber gefragt, ob sie eine Portierung zwischen ihren verschiedenen Marken ermöglichen, auch wenn es sich jeweils um denselben Vertragspartner handelt. Während Telekom, E-Plus und o2 mehr oder minder flott auf unsere Anfrage reagierten, äußerte sich Vodafone trotz großzügiger Frist und mehrfachen Nachhakens bis Veröffentlichung dieses Artikels nicht.

Telekom: Diesen Fall gibt es bei uns nicht

Die Telekom betont, der Fall der Nicht-Portierung bei gleichem Vertragspartner komme bei ihr nicht vor. Denn, so Pressesprecher Niels Hafenrichter: "In jedem Fall handelt es sich bei uns um einen Wechsel des Vertragspartners. Vertragspartner ist ja immer der Anbieter (...) - mit uns besteht dann keine Vertragsbeziehung."

o2: Interne Portierung nur im Einzelfall

Der Münchener Netzbetreiber o2 hingegen erlaubt Portierungen zwischen Marken - aber nur auf Kulanzbasis. "Auf die 'Portierung' zwischen Marken (hier findet technisch eher ein Tarifwechsel statt) hat der Kunde keinen Anspruch. Auf freiwilliger Basis bieten wir in Einzelfällen diese Möglichkeit zum Tarifwechsel an", schreibt uns Sprecher Ralf Opalka.

E-Plus: Rufnummernmitnahme wird in solchen Fällen abgelehnt

Auch E-Plus lehnt solche Portierungen - wie im obigen Beispiel - in der Regel ab. E-Plus-Pressesprecher Klaus Schulze-Löwenberg führt aus, man ermögliche "keine vorzeitige Rufnummernportierung, wenn es sich um einen Wechsel bei demselben und nicht zu einem neuen Vertragspartner handelt. Das ist TKG-konform und trägt nicht zuletzt dem Unterschied der zu Grunde liegenden Prozesse Rechnung."

Der Kommentar von teltarif-Redakteur Marc Kessler
teltarif-Redakteur Marc Kessler Das Verhalten von Anbietern, die Kunden die Mitnahme ihrer Rufnummer zu einer anderen Marke mit gleichem Vertragspartner untersagen, ist mir unverständlich - auch wenn es rechtlich nicht angreifbar sein mag. Auf diese Art und Weise verärgern Unternehmen Kunden unnötig und verprellen diese im schlimmsten Falle auf lange Zeit. Denn konsequente Kunden suchen sich dann definitiv einen anderen Vertragspartner - und kehren zum vorherigen genauso definitiv nicht mehr zurück.

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