Regulierung

Mobilfunk-Interconnection sinkt auf 1,85 Cent pro Minute (Update)

Gespräche in die Mobilfunknetze dürften deutlich günstiger werden
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Die Bundesnetzagentur hat die Terminierungsentgelte für Gespräche in die deutschen Mobilfunknetze neu festgelegt. Dabei sind die Kosten entgegen der Anträge der Mobilfunkunternehmen deutlich gesunken. Ab Dezember bekommen die vier Netzbetreiber pro Minute 1,85 Cent netto, wenn sie ein Gespräch aus einem anderen Netz entgegennehmen. Umgekehrt müssen alle Fest- und Mobilfunknetzbetreiber diesen Minutenpreis zahlen, übergeben sie ein Gespräch in ein (anderes) Mobilfunknetz.

Mobilfunker dürfen ab 1. Dezember nur noch 1,85 Cent pro Minute netto berechnenMobilfunker dürfen ab 1. Dezember nur noch 1,85 Cent pro Minute netto berechnen Mit der Absenkung der Interconnection-Entgelte hat der Regulierer eine deutliche Absenkung für Gespräche in die Netze von Telekom, Vodafone, E-Plus und o2 vorgenommen. Bislang lagen die Terminierungskosten bei 3,36 bis 3,39 Cent pro Minute (netto). Diese werden auch noch bis 30. November in Rechnung gestellt. Ab 1. Dezember sind es dann 1,85 Cent pro Minute, ab 1. Dezember 2013 dann 1,79 Cent pro Minute (jeweils netto). Zum 1. Dezember 2014 wird es dann eine neue Entscheidung geben. Um diese Minutenpreise mit den Endkundenpreisen vergleichbar zu machen: Die Bruttopreise liegen damit bei 2,2 Cent pro Minute, ab Dezember 2013 dann bei 2,13 Cent pro Minute. Die Mobilfunker hatten - wie berichtet - Kosten zwischen 4,47 und 10,65  Cent pro Minute geltend machen wollen. Schon im Vorfeld war jedoch zu hören, dass die Branche froh gewesen wäre, wenn der Betrag jenseits der 2-Cent-Grenze läge.

Telekom kritisiert Absenkung scharf

"Die Absenkung ist ein schlechtes Signal für weitere Investitionen in modernen breitbandigen Mobilfunk", heißt es in einer Stellungnahme der Telekom zu dieser Entscheidung. Den Mobilfunkunternehmen in Deutschland würden mit dieser Entscheidung etwa 500 Millionen Euro Umsatz pro Jahr entzogen. "Angesichts der ohnehin angespannten Situation in der Mobilfunkindustrie ist diese Entscheidung schwer nachvollziehbar." Die Bundesnetzagentur folge mit ihrer Entscheidung der "vollkommen verfehlten EU-Regulierungspolitik im Mobilfunk" der vergangenen zehn Jahre. Durch diese "einseitige Politik" habe die europäische Mobilfunkindustrie ihre einst "weltweit führende Rolle verloren".

Von E-Plus heißt es in einer kurzen Stellungnahme: "Die Absenkung der Entgelte kommt nicht überraschend und entspricht dem Trend in der EU - auch wenn die für die Entgeltanträge verwendeten Kostenmodelle aller Netzbetreiber zu anderen Ergebnissen gekommen sind. Gleichwohl halten wir Absenkungen wie diese in der derzeitigen Hochinvestitionsphase beim Ausbau mobiler Breitbandnetze grundsätzlich für das falsche Signal. Entscheidungen wie diese sind kontraproduktiv für die politischen Ziele einer Breitbandgesellschaft."

Grund für Absenkung ist der zunehmende Datenverkehr

"Der heute veröffentlichte Entgeltvorschlag ist das Ergebnis sehr intensiver Prüfungen während der vergangenen Wochen", erläuterte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Das Verhältnis zwischen Daten- und Sprachverkehr verschiebe sich durch die Zunahme von Smartphones immer mehr. Die Kosten würden weniger durch den Sprachverkehr verursacht, sodass dieser einen entsprechend geringeren Anteil an den Gesamtkosten eines Mobilfunknetzes tragen müsse. "Dies ist im Wesentlichen der Grund dafür, dass der Minutenpreis für Terminierungsleistungen weiter sinkt."

Das jetzt veröffentlichte Mobilfunkterminierungsentgelt ist auf der Basis der Kosten der effizienten Leistungsbereitstellung eines effizienten Referenznetzbetreibers, der 25 Prozent der Gesamtnachfrage nach Sprach-, SMS- und Datenverbindungsleistungen in Deutschland abdeckt, ermittelt worden. Dadurch ergibt sich ein einheitliches Entgelt für alle Mobilfunknetzbetreiber. Die Kostenermittlung selbst erfolgte vorrangig anhand eines analytischen Kostenmodells der WIK-Consult GmbH.

Entgelt tritt nicht sofort verbindlich in Kraft

Schematische Darstellung der Mobilfunk-TerminierungSchematische Darstellung der Mobilfunk-Terminierung "Die Bundesnetzagentur hat für die Entgeltermittlung an ihrer bewährten Methode, die Entgelte auf der Grundlage der Kosten der effizienten Leistungsbereitstellung zu bestimmen, festgehalten und damit eine Empfehlung der Europäischen Kommission in diesem Punkt nicht umgesetzt. Nach umfangreichen Ermittlungen und sehr intensiver Abwägung aller relevanten Gesichtspunkte sind wir zu dem Ergebnis gelangt, dass der Kostenansatz der Kommissionsempfehlung in Deutschland nicht besser geeignet ist, die Regulierungsziele des Telekommunikationsgesetzes zu erreichen. Wir werden der Kommission unsere Entscheidung erläutern und hoffen, dass wir diese von unseren guten Argumenten überzeugen können", betonte Homann.

Das Entgelt kann nicht sofort verbindlich in Kraft treten, weil ab Mitte nächster Woche zunächst noch ein vierwöchiges nationales Konsultationsverfahren zu den Entscheidungsentwürfen durchgeführt wird. Anschließend wird die Bundesnetzagentur den Entgeltvorschlag mitsamt der Begründung der Europäischen Kommission und den nationalen Regulierungsbehörden der übrigen EU-Mitgliedstaaten übermitteln, damit diese dazu Stellung nehmen können.

Mit der Absenkung der Terminierungskosten dürften Gespräche zu den deutschen Handynetzen in Zukunft noch günstiger werden. Da die Interconnection-Kosten ein nicht unerheblicher Anteil der Kosten bei Sprachflatrates sind, dürften auch diese Monatsbeiträge in Zukunft noch weiter sinken.

Update 17:50 Uhr: Vodafone weist auf LTE-Investitionen hin

Anlässlich der heutigen Bekanntgabe des neuen Mobilfunkterminierungsentgelts durch die Bundesnetzagentur erklärt Thomas Ellerbeck, Mitglied der Geschäftsleitung von Vodafone Deutschland:

"Mit der Entscheidung der Bundesnetzagentur werden die Mobilfunkterminierungsentgelte (MTR) für die Branche ab dem 01.12.2012 fast halbiert. Das ist eine dramatische Absenkung, mit der erneut Geld aus dem Markt gezogen wird. Geld, das für den Ausbau neuer digitaler Infrastrukturen und für die Erreichung der Breitbandziele des Bundes wie der EU dringend benötigt wird. Wir sehen dies als völlig falsches Signal, insbesondere weil die deutsche Telekommunikationsindustrie derzeit Milliarden Euro in den LTE-Ausbau investiert.

Ein Infrastrukturausbau in dieser Größenordnung läuft in Europa nur in Deutschland. Die Industrie kann zu Recht erwarten, dass dieser Ausbau nicht durch überhöhte Absenkungen der MTR und den Abzug von Investmitteln durch die Politik gefährdet wird. Hier sind auch klare Signale aus Berlin in Richtung EU Kommission notwendig. [...]

Die Entgeltentscheidung ist bis zur EU Konsultation nur vorläufig. Eine finale Entscheidung sollte schnell getroffen werden. Denn die Branche braucht Planungssicherheit und eine Regulierung mit Augenmaß." Ende des Updates.

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