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Mobilfunk-Firmen begrüßen Zuweisung zusätzliche Frequenzen

20.02.2012
15:25

Dienste werden leistungsfähiger und die Netze kostengünstiger

Mobilfunk-Firmen begrüßen Zuweisung zusätzliche Frequenzen
Mobilfunk-Firmen begrüßen Zuweisung zusätzliche Frequenzen
Erwartungsgemäß unterschiedlich haben Mobilfunkunternehmen und Rundfunkanbieter auf die Ergebnisse der Weltfunkkonferenz 2012 (WRC-12) reagiert. Wie bereits vorab berichtet, haben die Konferenzteilnehmer auf der am vergangenen Freitag zu Ende gegangenen WRC-12 die Forderung nach der Reservierung eines zusätzlichen Frequenzspektrums, dem so genannten 700-MHz-Band des UHF-Bereichs, für den Mobilfunk verabschiedet. Diese Frequenzen nutzt in Europa bisher exklusiv das terrestrische Fernsehen (UHF-Kanäle 49 bis 60). Künftig soll es hier eine Co-Nutzung, sowohl durch Rundfunkanbieter als auch Mobilfunkbetreiber, geben.

Der Mobilfunkverband GSM Association (kurz GSMA) freut sich, dass die auf der WRC anwesenden Regierungsvertreter die Bedeutung eines Funkspektrums anerkannt haben, um das riesige Potenzial der mobilen Breitbandtechnik für die gesamte Weltbevölkerung zu erschließen. Die Internationale Fernmeldeunion (ITU) habe laut GSMA zugesagt, die zusätzlichen Frequenzanforderungen für die weltweite Einführung der mobilen IMT (International Mobile Telecommunications)-Breitbandtechnik zu ermitteln. Die ITU werde zudem in naher Zukunft ein mehrjähriges Arbeitsprogramm einleiten, um die Möglichkeiten für weitere Frequenzbereiche für Mobilfunk und terrestrisches Breitband-Internet zu untersuchen. Die Ergebnisse sollen auf der WRC-15 vorgelegt und erörtert werden.

"Die GSMA stellt mit großer Freude fest, dass viele Länder die Notwendigkeit einer gesicherten Zukunft für die mobile Breitbandtechnologie erkannt haben. Zusammen mit unseren Mitgliedern sind wir entschlossen, der Arbeit der ITU zum Erfolg zu verhelfen", sagte Anne Bouverot, Generaldirektorin der GSMA. "Indem wir jetzt handeln, um einen breiteren Frequenzbereich zu reservieren, werden die Mobilnetzbetreiber auf längere Sicht besser in der Lage sein, den Bedürfnissen einer Milliardenzahl von Konsumenten nach mobiler Datenübertragung gerecht zu werden."

Nachfrage nach mobiler Datenübertragung steigt massiv

Die Zukunft der mobilen Breitbandtechnik hänge davon ab, dass Mobilfunkbetreiber zeitgerechten und angemessenen Zugang zu den notwendigen Spektrumsressourcen haben. Die Prognosen der Nachfrage nach mobiler Datenübertragung hätten sich dabei laut GSMA immer als zu konservativ erwiesen. Das Wachstum bis 2010 habe frühere Schätzungen der ITU um mehr als ein Fünffaches übertroffen. Heute gebe es weltweit mehr als 1,7 Milliarden Teilnehmer; diese Zahl werde sich bis 2015 mehr als verdoppeln und auf über 3,6 Milliarden ansteigen, außerdem werde die Mobilfunktechnik ihr exponentielles Wachstum fortsetzen.

Auch die Muttergesellschaft von o2 begrüßt die Ergebnisse der WRC 2012: "Ohne Frequenzspektrum kann die Mobilfunkbranche nicht arbeiten. Der Internetzugang der neuen Generation ist davon abhängig", meint Enrique Blanco, Global CTO von Telefónica. "Wenn mehr Spektrum verfügbar ist, verbessert sich die Netzabdeckung, die Dienste werden leistungsfähiger und die Netzwerke werden kostengünstiger. Von all dem profitieren unsere Kunden."

IRT: Drastische Folgekosten bei weiterer Frequenzabtretung an Mobilfunk

Das Institut für Rundfunktechnik (IRT) warnt dagegen vor den Auswirkungen der WRC 2012: Eine Co-Existenz von Rundfunk und Mobilfunk werde es aufgrund erwarteter Störproblematik nicht geben. In Deutschland und Europa müsse daher die politische Diskussion geführt werden, welcher der beiden Dienste zukünftig im 700-MHz-Band senden darf. Sollte der Rundfunk den Bereich abtreten müssen, wäre eine langwierige Frequenz-Umplanung mit drastischen Folgekosten die Konsequenz, so das IRT.

Eine unreflektierte Übernahme der Mobilfunkzuweisung in Europa, die für Afrika möglicherweise durchaus geeignet sein kann, würde in Europa zu erheblichen Verwerfungen beim digitalen terrestrischen Fernseh-Rundfunk und beim Einsatz drahtloser Mikrofone führen, ganz abgesehen von den damit einhergehenden Kosten für die Fernsehzuschauer und die Nutzer von Funkmikrofonen, so das IRT.

Bemerkenswert ist das Statement des deutschen Privatfunkverbandes VPRT zur WRC 2012: Dieser sieht laut seinem Vizepräsidenten Tobias Schmid "die Terrestrik als Übertragungsweg für Fernsehinhalte politisch erneut in Frage gestellt". Die Möglichkeiten der Beibehaltung und der Weiterentwicklung des terrestrischen Rundfunks in Europa und in Deutschland würden durch die Digitale Dividende schon heute massiv eingeschränkt.

Viele künftige Geschäftsmodelle der kommerziellen TV-Sender - bis hin zur personalisierten Werbung - basieren jedoch auf einer Adressierung. Eine Möglichkeit, die das digital-terrestrische Fernsehen in seiner aktuellen Form nicht bieten kann. Nicht wenige in der Branche schließen daher nicht aus, dass sich die Sendergruppen RTL und ProSiebenSat.1 in wenigen Jahren aus der Terrestrik vollständig zurück ziehen könnten. Die Mediengruppe RTL hat bereits mit Verweis auf etwaige Störungen durch terrestrisches Breitbandinternet seine DVB-T-Verbreitung im Großraum Nürnberg eingestellt. Nun, so behaupten zumindest böse Zungen, könnte der Politik der schwarze Peter erneut in die Schuhe geschoben werden, um einen generellen Ausstieg aus der DVB-T-Technik zu forcieren.

Hiervon ist beim VPRT jedoch keine Rede, ganz im Gegenteil: "Wir plädieren an die deutsche und europäische Politik, endlich die politische Planungssicherheit für den privaten Rundfunk zu schaffen, die für den langfristigen Erhalt von DVB-T zwingend notwendig ist", unterstreicht Tobias Schmid.

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