Daten-Kollaps

Das leise Flatrate-Sterben im Mobilfunk

Durch Smartphones und Tablets droht in den Daten-Netzen der Kollaps
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Es hat zwar ein paar Jahre länger gedauert, als die Mobilfunkanbieter in der ersten UMTS-Euphorie vor zehn Jahren erwartet haben. Aber jetzt sind Millionen von Smartphones in Gebrauch, deren Besitzer mit wachsender Begeisterung mobile Dienste nutzen. Dank immer komfortableren Geräten und günstigeren Datentarifen für mobile Datennutzung ist das auch kein Wunder. Neu hinzu kommen nun auch noch Surfbretter wie das iPad - der Bedarf an schnellen mobilen Datenverbindungen wächst schneller, als die Unternehmen ihre Netze aufrüsten können. Der US-Mobilfunker AT&T reagierte wenig originell auf die zunehmende Überlastung seines Netzes: In der vergangenen Woche hat AT&T Tarife mit begrenzten Datenvolumen eingeführt. Für 25 US-Dollar gibt es monatlich 2 GB Datenvolumen, danach fallen zusätzliche Kosten an. At&T-Kunden beschwerten sich schon lange über ständig besetzte Leitungen, Verbindungsabbrüche und schlechten Empfang. Allerdings sind diese Erscheinungen nicht auf AT&T beschränkt.

Allerdings droht der Netz-Kollaps nicht nur in den USA. Auch in Europa machen sich die Mobilfunkanbieter Gedanken, wie sie die steigende Datenflut bändigen können. "Denn der Datenverkehr wird weiter explodieren", zitiert die Financial Times Deutschland (FTD [Link entfernt] ) Rajeev Suri, Chef des Netzwerkausrüsters Nokia Siemens Networks (NSN).

Mehr Verbrauch wird auch mehr kosten

Eine Lösung sind Tarife, mit denen nur eine bestimmte Menge an Datenverkehr erlaubt ist oder die eine bestimmte Übertragungsgeschwindigkeit garantieren. Wer unbegrenzte Datennutzung und immer volle Geschwindigkeit haben möchte, wird künftig mehr zahlen müssen. Nutzer, die nur gelegentlich mobil surfen, kommen unter Umständen in den Genuss günstigerer Angebote. Nach Auskunft von AT&T verbrauchen 65 Prozent der AT&T-Kunden monatlich weniger als 200 MB. Nur zwei Prozent gehören zu den Vielnutzern, die mehr als 2 GB pro Monat nutzen.

Allerdings dürfte die Tendenz steigend sein, weil die neuen Tablet-Computer wie das iPad zum Surfen und zum Anschauen von Videos einladen. Dabei erzeugt der Download eines einzigen Youtube-Videos laut NSN soviel Datenvolumen wie der Versand von 500 000 SMS. Insofern verwundert es nicht, wenn die Anbieter dazu tendieren, ihren Nutzern den höheren Aufwand für die Übertragung solcher Datenmengen auch in Rechnung zu stellen. Es ist zu erwarten, dass die Nutzung schnellerer Übertragungstechniken entsprechend teurer wird. Ein solches Beispiel liefert derzeit TeliaSonera. Dieser Anbieter hat in einigen skandinavischen Städten bereits LTE eingeführt. Wer den neuen, schnelleren Standard nutzen möchte, muss im Vergleich zum aktuellen Standard UMTS/HSPA monatlich umgerechnet 31 Euro mehr zahlen.

Überhaupt lässt sich eine schleichende Aushöhlung von Flatrate-Tarifen im Mobilfunk auch in Deutschland schon seit einiger Zeit beobachten. So wurden fast flächendeckend Volumenbegrenzungen eingeführt, nach deren Erreichen die Geschwindigkeit deutlich gedrosselt wird. Dafür gibt es ein immer breiteres Angebot an günstigen Volumentarifen oder zeitlich begrenzten Angeboten wie etwa Tages-Flatrates. Für Vielnutzer mag das Flatrate-Sterben ärgerlich sein, aber für die große Mehrheit der Mobilfunk-Kunden ist es letztlich von Vorteil, wenn sie nicht mehr für die anderen mit bezahlen müssen.

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