Mobile Payment

Handy-Bezahlsysteme über NFC kommen schleppend voran

Telekom und Mastercard präsentieren neues Projekt
Von dapd /
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Handy-Bezahlsysteme über NFC kommen schleppend voranHandy-Bezahlsysteme über NFC kommen schleppend voran Waren aufs Band, Handy an der Kasse vorbeiziehen, einpacken, gehen. Geht es nach IT- und Finanzkonzernen, soll das bald der ganz normale Ablauf eines alltäglichen Einkaufs sein. Sie wollen das Smartphone zur digitalen Geldbörse erweitern und das klassische Portemonnaie mitsamt Bargeld so weitgehend überflüssig machen.

Im Zentrum der Pläne steht der Funkstandard Near Field Communication (NFC): Mit diesem Nahbereichsfunk können Daten zwischen Geräten über wenige Zentimeter hinweg ohne Berührung übertragen werden. So gelangen etwa Konto- oder Kreditkartendaten von einem entsprechend ausgerüsteten Handy durch Vorbeiziehen an einem Sensor an die Kasse. Der Kunde muss dann nur noch PIN oder Passwort eingeben, und die Zahlung wird veranlasst.

Unter Hochdruck arbeiten Konzerne aus verschiedenen Branchen daran, die NFC-Technik an den Kunden und in die Läden zu bringen. Mobilfunker, Kreditkartenanbieter, Banken, Internetkonzerne und Start-ups wie Viertel-Dollar in Dresden kämpfen um einen Platz in dem Geschäft, das laut Experten ein Milliarden-Markt werden könnte.

Der IT-Marktforscher Gartner etwa rechnet zwischen 2010 und 2015 mit einer jährlichen Wachstumsrate der NFC-Transaktionen von mehr als 40 Prozent in den entwickelten Märkten. Dann soll das Gesamtvolumen gut 32 Milliarden Dollar erreichen.

Viele Projekte und Allianzen

Am Montag will die Deutsche Telekom gemeinsam mit dem Kreditkartenanbieter Mastercard in Berlin ein neues Projekt zum Bezahlen per Handy vorstellen. Zudem werde Deutschlands größter Mobilfunker einen Überblick über seine Strategie beim Thema mobiles Bezahlen geben, hieß es. Bereits im Februar hatte der britische Telekom-Konzern Vodafone eine Allianz mit dem Mastercard-Konkurrenten Visa verkündet. Ein gemeinsamer Bezahldienst sei in Arbeit, hieß es damals.

Neben ihren jeweiligen Allianzen arbeiten mit Telekom, Vodafone und o2 die drei größten Mobilfunkanbieter in Deutschland beim Bezahlen per Handy aber auch zusammen. Unter dem Namen mpass betreiben sie gemeinsam einen Bezahldienst, der bisher allerdings nur im Internet funktioniert. Im Januar hatte der Deutschland-Chef der o2-Mutter Telefónica, René Schuster, angedeutet, dass der Dienst bis Mitte des Jahres den Schritt in die Ladengeschäfte schaffen könnte.

Ein o2-Sprecher sagte nun auf dapd-Anfrage, mpass werde im zweiten Halbjahr "mit ausgesuchten Partnern" im Handel starten. Welcher Finanzdienstleister dabei als Partner die Zahlungen abwickeln wird, stehe aber noch nicht fest.

Weil bisher nur wenige Handys einen NFC-Chip haben, versuchen die Anbieter zwischenzeitlich, um den Mangel herumzuarbeiten. So will die Targobank gemeinsam mit dem Mobilfunker E-Plus und Mastercard ab Spätsommer einen NFC-Chip zum Aufkleben anbieten. Damit soll die Technik bereits eingeführt werden, bevor die Funktion auch der Masse der Handynutzer zur Verfügung steht.

Vor allem mittelständische Händler sind noch nicht überzeugt

Abwartend betrachtet der deutsche Einzelhandel die Technik. Die neuen Angebote seien meist weder effizienter noch günstiger als die eingeführten Methoden wie EC- oder Kreditkarten-Zahlung, sagt der Bezahlsysteme-Experte des Branchenverbands HDE, Ulrich Binnebößel. "Insofern sehe ich momentan keinen Grund, warum die Händler so ein System vorantreiben sollten."

Das gilt offenbar vor allem für den Mittelstand: Während viele Branchengrößen einer Erhebung des Handels-Forschungsinstituts EHI zufolge angeben, derzeit vorrangig in die NFC-Technik zu investieren, spielt das Thema bei kleineren Kaufleuten nur eine untergeordnete Rolle.

Bisher hätten NFC-Projekte hierzulande "allenfalls Pilot-Charakter", sagt Binnebößel. Auch für die nächsten Jahre rechnet er noch nicht mit einem Massenmarkt für die Technik. "Es ist aber etwas anderes, wenn der Kunde das verlangt", schränkt er ein.

Dass die NFC-Technik für Verbraucher nicht ohne Risiken ist, zeigte zuletzt das ARD-Magazin "Report München". In einem Versuch konnten mit dem Funkchip ausgestattete Visa- und Master-Kreditkarten per Funk ausgelesen und so auf Kreditkartennummer und Verfallsdatum zugegriffen werden.

Dabei hatte ein Sicherheitsexperte mit seinem Handy und einer selbst programmierten Software aus weniger als vier Zentimeter Nähe die auf den Karten gespeicherten, unverschlüsselten Daten ausgelesen. Anschließend konnte mit den Angaben zumindest auf einigen Seiten im Internet eingekauft werden.

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