Unterversorgt

Connect misst katastrophale Mobilfunk-Datenversorgung im Zug

Abbruchraten von bis zu 60 Prozent: Mobiles Surfen im ICE ist derzeit ein Glücksspiel. Aufgrund der besonderen Situation bei Zügen ist schnelle Besserung zudem nicht in Sicht. Es gibt aber einen Ausweg aus dem Problem.
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Die Messungen der Connect sprechen eine deutliche Sprache: Wer im Zug versucht, mobil online zu gehen, darf oft genug froh sein, wenn überhaupt etwas bei ihm ankommt. Das von der Connect im o2-Netz betriebene Testhandy konnte etwa auf Zugfahrten eine 3 MB große Datei nur in etwas mehr als 60 Prozent der Versuche erfolgreich herunterladen. Klappt der Download, lag die Ladezeit mit durchschnittlich 23,9 Sekunden im noch akzeptablen Bereich, entsprechend einer Datenrate von 1 MBit/s. Doch bei 10 Prozent der erfolgreichen Downloads lag die Datenrate gerade mal bei 0,1 MBit/s oder noch niedriger. Bei Upload-Tests mit 10-Sekunden-Zeitfenstern wurden in 10 Prozent der Fälle gar 0,007 MBit/s oder weniger gemessen. Mit so geringen Datenraten wird selbst der Abruf der gut mobil-optimierten Website m.bahn.de zur Qual, zum Beispiel, wenn man nachschauen will, ob ein Anschlusszug pünktlich ist.

WLAN-Hotspots im Zug verbessern die Qualität des mobilen Internets im Zug erheblich.WLAN-Hotspots im Zug verbessern die Qualität des mobilen Internets im Zug erheblich. Zum Vergleich: Vom Auto aus liegt die Erfolgsrate beim 3-MB-Download bei o2 bei knapp über 90 Prozent. Die durchschnittliche Downloadzeit ist nur halb so lang, die Datenrate entsprechend doppelt so hoch. Beim Testsieger Deutsche Telekom liegt die Erfolgsrate für den Download von der Straße aus sogar über 98 Prozent, und die durchschnittliche Downloadzeit beträgt weniger als ein Drittel des Wertes von o2. Doch im Zug hat auch die Telekom Probleme: 14 Prozent der Datei-Downloads scheitern, und bei den Tests mit den 10-Sekunden-Zeitfenstern werden in 10 Prozent der Fälle ebenfalls nur langsame 0,1 MBit/s (down) bzw. 0,045 MBit/s (up) gemessen.

Nun ist die Versorgung von Verkehrswegen grundsätzlich schwierig. Die üblichen Sektorantennen von Mobilfunk-Basisstationen versorgen eine Fläche. Straßen und Schienenwege sind aber quasi eindimensional, viel länger als breit. Wird im ländlichen Bereich eine Basisstation zur Versorgung einer Autobahn oder Schienenstrecke aufgestellt, machen die mit dieser Basistation versorgten Verkehrswege nur einen kleinen Teil der von dieser mit Signal versorgten Fläche aus. Der Rest ist möglicherweise komplett unbewohntes Gebiet.

Probleme mit Zügen

Bei den Zügen der Bahn kommen weitere Probleme hinzu: Die Blechschicht ist dicker, die Scheiben der ICEs sind bedampft. Diese schlucken nicht nur das Sonnenlicht, sondern auch Mobilfunkstrahlen. Auch die höhere Geschwindigkeit - auf den Schnellstrecken mit 250 bis 300 km/h doppelt so schnell wie durchschnittlich auf den Autobahnen - und die vielen Tunnel auf Schnellfahrstrecken verkomplizieren die Situation. Und während es auf Autobahnen einen kontinuierlichen Strom an Endgeräten gibt, die sich an der Grenze zwischen zwei Mobilfunkzellen von der einen in die nächste umbuchen, sind es in einem gut besetzten ICE 500 oder gar 1 000 Endgeräte, die sich alle auf einmal umbuchen. Allein schon der mit dem Umbuchen verbundene Datenstrom kann ein GSM-Netz an die Grenze der Belastbarkeit bringen. Platz für Nutzdaten ist dann keiner mehr.

Detaillierter als im Connect-Heft wertet die Bahn die Ergebnisse des Mobilfunk-Tests in einem Spezial ihres Kundenmagazins "mobil" aus: Beim Surfen im Fernverkehr lag die Erfolgsrate für das Öffnen von Seiten im Browser gerade mal bei 41 bis 65 Prozent.

Auf der zweiten Seite lesen Sie, warum der Repeater in ICE-Wagons sogar als Signal-Killer in Betracht kommt.

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