Nutzungsbedingungen

Wie bei Google: Microsoft liest ab jetzt auch E-Mails mit

Geänderte Nutzungsbedingungen könnten Privatsphäre verletzen
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Bei Microsoft sind private E-Mails nicht mehr tabu: In den ab sofort geltenden Nutzungsbedingungen räumt sich der Konzern das Recht ein, wie Google die Mails der Nutzer mitzulesen.

Mit diesem Schritt verlässt Microsoft seine bisherige Haltung, dass private Daten der Nutzer einem höheren Schutz unterliegen sollen als bei der Konkurrenz. Noch im Frühjahr hatte sich Microsoft in ganzseitigen Anzeigen unter dem Titel "Putting people first" vom Vorgehen Googles bei der Ausforschung privater Nutzerdaten distanziert. teltarif.de hat sich die neuen Microsoft-Nutzungsbedingungen angesehen.

Microsoft darf ab jetzt E-Mails mitlesen

Wie bei Google: Microsoft liest ab jetzt auch E-Mails mitWie bei Google: Microsoft liest ab jetzt auch E-Mails mit Der so genannte Vertrag über Microsoft-Dienste gilt nach Unternehmensangaben für das Microsoft-Konto und die Microsoft-Dienste Hotmail/Outlook.com, SkyDrive, Windows Live Messenger, Windows-Fotogalerie, Windows Movie Maker, Microsoft Mail Desktop, Windows Live Writer, Bing, MSN und Office.com.

Im Gegensatz zu anderen Webdiensten erhebt Microsoft kein Besitzrecht an den vom Nutzer eingestellten Inhalten. Dies können beispielsweise Daten, Dokumente, Fotos, Videos, Musik, E-Mails und Sofortnachrichten sein. Der Konzern schreibt dazu: "Mit Ausnahme der Materialien, für die wir Ihnen eine Lizenz gewährt haben [...] (z. B. ClipArt), erheben wir keinen Anspruch auf das Eigentum an den Inhalten, die Sie über die Dienste bereitstellen. Ihre Inhalte bleiben Ihre Inhalte, und Sie sind für diese verantwortlich."

Zu beachten sind insbesondere die in den Nutzungsbedingungen unter Punkt 3.3 gemachten Angaben. Dort heißt es seit neuestem: "Wenn Sie Ihre Inhalte in die Dienste hochladen, geben Sie damit Ihre Zustimmung, dass die Inhalte in dem Umfang, in dem dies zu Ihrem Schutz sowie zur Bereitstellung, zum Schutz und zur Verbesserung von Microsoft-Produkten und -Diensten erforderlich ist, genutzt, geändert, angepasst, gespeichert, vervielfältigt, verteilt und angezeigt werden dürfen. So können wir beispielsweise gelegentlich mithilfe von automatisierten Verfahren Informationen aus E-Mail-Nachrichten, Chats oder Fotos filtern, um Spam und Malware zu erkennen und Schutzmaßnahmen gegen diese zu entwickeln sowie um die Dienste mit neuen Features auszustatten, die ihre Benutzerfreundlichkeit steigern. Beim Verarbeiten Ihrer Inhalte ergreift Microsoft Maßnahmen zum Schutz Ihrer Privatsphäre."

Unterschied zu Google: Mails werden nicht für Werbung gelesen

Damit begibt sich Microsoft beinahe auf dieselbe Stufe wie Google: Der Konzerns sichert sich mit der Regelung weitreichende Rechte auf die Verwendung der Nutzerdaten, und das nicht nur für statistische Zwecke. In einem Punkt unterscheidet sich der Passus allerdings vom Google-Vorbild: Microsoft hat momentan keine Absicht die Daten für (zielgerichtete) Werbung zu nutzen - für die Zukunft muss dies allerdings nicht ausgeschlossen bleiben. Denn das Unternehmen kann die Vertragsbedingungen jederzeit ändern, nachdem der Nutzer diesen zugestimmt hat.

Microsoft behält sich das Recht vor, jederzeit Inhalte zurückzuweisen oder aus den Diensten zu entfernen, wenn der Konzern der Ansicht ist, dass diese gegen geltendes Recht oder den Vertrag verstößt oder wenn die Grenzwerte in Bezug auf Speicherbelegung beziehungsweise Dateigröße überschritten werden. Es ist beispielsweise nicht gestattet, über die Microsoft-Webservices urheberrechtlich geschütztes Material zu verbreiten.

Abzuwarten bleibt, wie die Bestrebungen der Europäischen Union zu einer einheitlichen EU-Datenschutzrichtlinie vorankommen - diese wird ganz besonders im Hinblick auf die Datensammelwut US-amerikanischer Firmen wie Facebook, Google und nun auch Microsoft erarbeitet.

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