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Heimlich, still und leise: MicroMoney wird eingestellt

Aus für das elektronische Geld mit Telefonfunktion
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Mobiles Bezahlen per Handy oder anonymes Bezahlen im Internet ist hierzulande weiterhin ein Drama. Anbieter machen auf und verschwinden wieder - man denke nur an Simpay oder paybox - die Branche klagt über mangelnde Akzeptanz. Jetzt schließt der Anbieter des virtuellen Geldes MicroMoney seine Tore. Bekannt wurde das eher zufällig, auf eine aktive Information der Öffentlichkeit zum Beispiel durch eine Pressemitteilung offenbar verzichtet.

Der Bezahldienst MicroMoney wird zum 1. Juli eingestellt.Der Bezahldienst MicroMoney wird zum 1. Juli eingestellt. MicroMoney stellt seinen Betrieb zum 1. Juli ein, etwaiges Restguthaben solle bis zum 30. Juni aufgebraucht werden. Das teilt ein Popup auf der Homepage mit.

Nun steht hinter MicroMoney nicht irgendwer, sondern es handelt sich um ein Produkt der Deutschen Postbank AG, "mit der sowohl entgeltpflichtige Waren und Dienstleistungen Dritter im Internet bezahlt, als auch über die Funktion Calling Card [...] telefoniert werden kann."

Und weiter heißt es:

Die Postbank übernimmt die Ausgabe des MicroMoney Guthabens und ist Vertragspartner des Guthabenerwerbers. Die Postbank hat die Deutsche Telekom AG, Friedrich-Ebert-Allee 140, 53113 Bonn, mit dem Vertrieb von MicroMoney, dem Anwerben von Akzeptanzpartnern, der technischen Realisierung des Bezahlsystems und der Kundenbetreuung beauftragt. Die Deutsche Telekom AG steht dem Kunden als Vertreterin der Postbank als primärer Ansprechpartner des Kunden für Reklamationen und Beschwerden zur Verfügung."

Kein Wort verliert MicroMoney darüber, ob nach dem 30. Juni etwaiges Restguthaben noch ausgezahlt oder ungebrauchte Karten zurückgenommen werden können.

Dabei geht alles mit "rechten Dingen zu". Kunden, welche die MicroMoney Gutscheine in der Regel "anonym" im Internet erworben haben, wurden und werden AGB konform über das Ende des Zahlungssystem auf der Homepage MicroMoney.de informiert:

"Änderungen der besonderen Bedingungen werden dem Kunden im Rahmen des nächsten Bezahlvorganges oder beim nächsten Aufruf der MicroMoney Website mitgeteilt. Der Kunde kann die geänderten besonderen Bedingungen durch Anklicken des Links zur MicroMoney Website (www.telekom.de/MicroMoney) einsehen und so speichern, dass er sie jederzeit am Bildschirm wiedergeben kann. Die Änderungen gelten als genehmigt, wenn der Kunde ihnen nicht mit Hilfe des Kontaktformulars über die MicroMoney Website, per e-Mail an t-pay@telekom.de oder schriftlich an die Deutsche Telekom AG, Friedrich-Ebert-Allee 140, 53113 Bonn binnen sechs Wochen ab Zugang der Änderungsmitteilung widerspricht. Die Postbank wird auf diese Folge in der Mitteilung über die Änderung besonders hinweisen. Übt der Kunde sein Widerspruchsrecht aus, gilt der Änderungswunsch als abgelehnt. Der Vertrag wird dann ohne die vorgeschlagenen Änderungen fortgesetzt. Das Recht der Vertragspartner zur Kündigung des Vertrages bleibt hiervon unberührt."

MicroMoney war auch eine Telefonkarte

Neben der Möglichkeit, bestimmte Dienstleistungen ohne weitere Spuren im Internet anonym bezahlen zu können, bestand der Reiz von MicroMoney darin, in Notfällen auch von jedem beliebigen Fest- oder Mobil-Telefon in Höhe des Kartenguthabens telefonieren zu können. Das ist ganz praktisch, wenn man an einem fremden Telefon sprechen möchte, ohne dessen Konto zu beanspruchen (z.B. im Büro oder im Hotel). Praktisch ist auch, per Telefon den Guthabenstand der Karte abzufragen, selbst wenn gerade kein Internet zur Verfügung steht.

Dazu wird die in allen deutschen Netzen gebührenfreie 0800-3300222 angerufen (international 00800-00490049 - soweit erreichbar), die Kartennummer (Karten-PIN genannt) eingegeben und nach Ertönen eines erneuten Freizeichens kann telefoniert werden. Das jeweilige Rest-Guthaben verrät die Tastenfolge *5 (Stern 5). MicroMoney ließ sich insbesondere an den einfachen "Basis-Telefonen" der Telekom einsetzen. Diese haben weder Karten- noch Münzschacht und können ohne Kartencode nur für Notrufe zu 110 oder 112 oder zur Wahl von 0800-Rufnummern verwendet werden. Zwar könnte man von dort auch ein R-Gespräch führen, doch die meisten Telefonkunden nehmen diese Anrufe aufgrund zahlreicher Betrugsfälle gar nicht mehr an.

Auf der folgenden Seite erfahren Sie, welche Möglichkeiten Sie als Kunde haben, Ihr Guthaben noch aufzubrauchen.

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