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MeeGo: Intel und Nokia haben noch viel zu tun17.02.2010
17:45
Eine der spannendsten Neuheiten auf dem Mobile World Congress war die Präsentation von MeeGo, dem gemeinsamen Linux-Betriebssystem von Handy-Marktführer Nokia und Chip-Gigant Intel. Doch was genau ist MeeGo, und was wollen die beiden Unternehmen eigentlich damit erreichen? Offiziell formuliertes Ziel ist:
"Intel und Nokia vereinen Moblin und Maemo zu MeeGo, einer Linux-basierten Software Plattform, die zahlreiche Hardware-Architekturen über viele Gerätesegmente hinweg unterstützt. Dazu gehören Mobilcomputer für die Westentasche, Netbooks, Tablet PCs, Media Phones, interaktives Fernsehen und Unterhaltungs- und Navigationssysteme im Auto." Linux bildet dabei das Herzstück von MeeGo, wie mehrfach betont wird: "MeeGo will be hosted by the Linux Foundation and governed using the best practices of the open source development model." Ovi-Store und Appup bleibenDie Grundidee, ein System für verschiedenste Geräte zu entwickeln, ist definitiv sinnvoll und hat Charme. Das Ganze dann noch mit Linux anzugehen, dürfte die benötigte Flexibilität mit sich bringen. Als Basis für MeeGo dient Moblin, das bisher für Netbooks entwickelte System. Einschränkungen bei aktuellen Web-Technologien wie Flash oder demnächst HTML5 soll es nicht geben geben, MeeGo bietet demzufolge "No-compromise internet standards support delivering the best web experiences." Zu einem neuen Universal-System würde aber auch ein zentraler Appstore gehören, damit sind Nokia und Intel aber offensichtlich vorsichtig: "MeeGo bietet die Qt Entwicklungsumgebung und setzt auf die Leistungsfähigkeit und die Anwendungsmöglichkeiten des Moblin Kern-Betriebssystems auf. Durch Qt können Entwickler für eine Vielfalt von Geräten und Plattformen einmal Applikationen schreiben und sie über Nokias Ovi Store und das Intel AppUp Center vermarkten." Zunächst bleiben mit dem Ovi-Store und Intels Appup-Center also beide Appstores bestehen, wie auch Janne Heikkinen, Director Product Planning Maemo Devices/Family, mobicroco gegenüber in Barcelona nochmals bestätigt hat. Ovi bietet Programme für Handys, Appup für Netbooks und Notebooks. Die beiden Stores sollen zwar synchronisiert werden können, aber nur, wenn die jeweiligen Apps das unterstützen. Entwickler haben die Wahl, für welchen Store sie eine App anbieten, die Vorgaben für die Programmierung sollen allerdings identisch sein. Darüber hinaus sprach Heikkinen von weiteren Maemo (nicht MeeGo!)-Smartphones, die im zweiten Halbjahr auf den Markt kommen sollen - da soll aber auch MeeGo bereits fertig sein. Immerhin soll Moblin ab der Version 2.2 MeeGo heißen. Ein ganzheitlicher Ansatz klingt irgendwie anders. Was plant Nokia in Sachen Hardware?
"Nokia und Intel gehen davon aus, daß MeeGo von weltweiten Geräteherstellern, Netzwerkbetreibern, Halbleiterherstellern, Softwareverkäufern und Entwicklern breit angenommen wird." Interessant wird sein, was Nokia in Sachen Hardware für MeeGo plant. Meinen es die Finnen ernst, kommen sie eigentlich nicht umhin, zeitnah entweder das bestehende Booklet 3G mit dem neuen System auszurüsten oder gar ein weiteres Netbook auf den Markt bringen wird, welches MeeGo nutzt. Grundsätzlich bleibe man laut Heikkinen zwar Handys treu, alles andere sei aber auch spannend. Gerade zu Anfang würde eine Neuauflage des Booklet mit MeeGo das neue Konzept stärken, schon das aktuelle Modell scheint sich ja Dank Nokias Verbindungen zu den Providern im In- und Ausland gut zu verkaufen, obwohl es verhältnismäßig teuer ist und kaum aufregende Technik zu bieten hat. Die Entwickler müssen ins BootDes weiteren ist es entscheidend für MeeGo, dass Intel und Nokia das Potenzial, das ein Linux-System mitbringt, voll nutzen, und das geht nur über die Entwickler der Open-Source-Gemeinde. Diese müssen deutlich stärker als bisher in die Entwicklung von MeeGo eingebunden werden. Dazu ist mehr nötig, als eine Community und die Ansage, dass das System quelloffen ist. Sicher, Nokia und Intel könnten auch Treiber, Kernel, Oberflächen und alles weitere selbst entwickeln, dann bräuchten sie sich aber auch nicht auf den Open-Source-Aspekt zu berufen. Um die Unterstützung der zahlreichen Linux-Spezialisten zu bekommen, braucht es klare Ansagen, was denen das neue System und die Weiterentwicklung an Vorteilen bringt. Vielleicht wäre auch eine MeeGo-Developer-Konferenz eine gute Möglichkeit in dieser Richtung. Hier muss definitiv deutlich mehr Engagement von Seiten Intels und Nokias kommen als bisher. Nicht nur die App-Entwickler sind wichtig, auch das System selbst braucht den Input der Community. Fazit: MeeGo braucht noch Zeit und ArbeitInsgesamt wirkt das Konzept von MeeGo in den Details noch deutlich verbesserungsfähig. Die beiden Appstores sollten schnell zusammengelegt werden. Moderne Betriebssysteme für mobile Systeme brauchen gute, günstige und viele Apps, mit denen die Nutzer ihren persönlichen Nutzwert der Geräte erhöhen können. Die Konkurrenz hat hier einen Vorsprung. Kommen die beiden Appstores nicht rechtzeitig zusammen und in Gang, könnte ein schwer aufzuholender Rückstand entstehen. Auch die Strategie, wann welche Geräte mit dem neuen System auf den Markt kommen sollen, ist noch nicht transparent genug. Bei Nokia herrscht zudem die Vorgabe, MeeGo parallel zu Symbian laufen zu lassen und eben nicht auf allen Handys einzusetzen. Das ist zwar nachvollziehbar, da Symbian ein lange gewachsenes System und weit verbreitet ist, aber doch in gewisser Weise inkonsequent. Wird der ganzheitliche Ansatz von MeeGo nicht strikt durchgezogen, könnte es sich am Ende um "just another Linux" handeln. Das Beispiel mit dem Nokia Booklet macht aber deutlich, worin die große Chance für MeeGo liegt: in der Marktmacht der beiden großen Unternehmen. Wenn beide mit vollem Engagement MeeGo pushen, dürfte auch der Rest der Industrie mitziehen. Wird dann noch ein wirklich gutes System aus MeeGo, dass die beiden bestehenden Maemo und Moblin ersetzen kann, hat MeeGo Potenzial, sich durchzusetzen. Anzeige:
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