Erfahrungen

LTE kommt in die Stadt: Erste Eindrücke vom 100-MBit/s-Zugang

Wie gut das LTE-Netz in Köln funktionierte und wie man es weiter ausbauen wird
Aus Köln berichtet
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Der provisorische SendemastDer provisorische Sendemast Offenbar wollte die Telekom ganz sicher gehen, dass alles klappt: Für den offiziellen Startschuss des City-LTE-Netzes in Köln, den man in einer Sportsbar am Rhein feierte, baute das Unternehmen eine eigene provisorische LTE-Antenne auf. Ein kleiner weißer, unscheinbarer Container mit einem Stahlmast auf dem Dach. Daran montiert: ein noch unscheinbareres, viereckiges Antennenelement und eine Richtfunkschüssel. Über dieses Netz konnten Journalisten am Mittwoch ihre ersten Erfahrungen mit dem Stadt-LTE-Netz in Köln sammeln.

"Wir haben Glück gehabt", schmunzelt einer der anwesenden Techniker mit Blick auf die Richtung der Richtfunkschüssel. "Hätten die da drüben schneller gebaut, hätten wir ein Problem mit der Anbindung hier gehabt", sagt er und zeigt auf eine Baustelle einige hundert Meter weiter. Das dort entstehende Bürogebäude hätte den Sichtkontakt der Richtfunkstrecke zerstört. Die umstehenden Journalisten schmunzeln.

Wenige Meter weiter in einem Partyzelt vor der Sportsbar wird unterdessen das durch die Container-Basisstation realisierte Netz getestetet. Warum diese Tests nicht im regulären neuen LTE-City-Netz angeboten wurden - die Telekom verrät es nicht. Möglich ist aber, dass dieses Netz schlicht noch nicht zur Nutzung freigegeben ist und man daher mit diesem Behelfsnetz Abhilfe schaffen musste.

Erste Testwerte nur bedingt aussagekräftig

Messwert des LTE-ZugangsMesswert des LTE-Zugangs Erste Gehversuche in diesem Netz sagen daher nur sehr wenig über den ab Juli anstehenden Live-Betrieb aus. Zum einen sind die meisten der neuen knapp 100 LTE-Stationen in Köln, die sich die Telekom knapp 5 Millionen Euro hat kosten lassen, über Glasfaser angebunden, während am Rheinufer Richtfunk zum Einsatz kam, zum anderen waren lediglich eine handvoll Nutzer im Netz aktiv. Auch das wird später im Livebetrieb anders sein. Messwert beim FTP UpstreamMesswert beim FTP Upstream

Dennoch so viel von den ersten Eindrücken des 1,8-GHz-LTE-Netzes: Es macht Spaß zu nutzen - aber ganz so rund wie es laufen sollte, lief es nicht. So dauerten Seitenaufrufe normaler Webseiten vereinzelt länger als über eine normale DSL-Leitung. Doch es ging auch anders. Schon wenige Mausklicks später war die gleiche Webseite so schnell auf dem Bildschirm, als läge sie auf der lokalen Festplatte. Wie diese Unterschiede zustande kommen, konnten sich auch die den Testrechnern zur Seite gestellten Telekom-Mitarbeiter nicht erklären.

Netz wird bei Auslastung weiter ausgebaut

Die Sendeeinheit des LTE-TestnetzesDie Sendeeinheit des LTE-Testnetzes Eindrucksvoll waren die Speedtests in dieser Testzelle: Upstreams per FTP erreichten mühelos 30 bis 40 MBit/s. Im Downstream erreichten wir in der Spitze mehr als 90 MBit/s, im Mittel lagen die Werte aber im Bereich zwischen 40 und 60 MBit/s. Die Ping-Werte lagen auf einem Niveau zwischen 30 und 60 ms. Ob sich diese Werte später in einem Live-Netz verbessern oder bestätigen, muss sich zeigen. Zu erwarten ist aber, dass zumindest der Datendurchsatz zu hochfrequenten Zeiten und an stark frequentierten Orten deutlich nachlässt - so wie es die Nutzer aller Netzbetreiber schon von UMTS und HSDPA kennen.

Die Telekom verspricht, im Fall der Netzüberlastung zu reagieren. "Wenn eine Zelle eine Auslastung von 70 Prozent erreicht, dann ergreifen wir Maßnahmen", erklärt Technik-Chef Bruno Jacobfeuerborn. Dann werden beispielsweise neue Zellen aufgebaut, das Gebiet pro Zelle somit verkleinert und der Datendurchsatz pro Kunde steigt. Bei LTE hat die Telekom aber noch ein anderes Ass im Ärmel: Frequenzen um 2,6 GHz, die aufgrund der Frequenzbeschaffenheit einen noch kleineren Radius abdecken, aber zusätzliche Kapazität bringen.

2011 wird Datenmenge von 45 Millionen Spielfilmen per Mobilfunk übertragen

LTE-Netz im EinsatzLTE-Netz im Einsatz An Hotspots, das können Flughäfen, Bahnhöfe oder Stadien sein, also dort wo viele Menschen zur gleichen Zeit viel Datentraffic generieren, baut man dieses zweite Netz direkt mit auf. An anderen Stellen könne man die Sendemasten nachrüsten, steigt der Traffic an. Und das wird er wohl: Waren es im Jahre 2005 noch 0,2 Millionen GB, sind es laut einer Schätzung des Branchenverbands Bitkom rund 70 Millionen GB im Jahr 2011, die über Mobilfunknetze in Deutschland übertragen werden. Das entspricht dem Datenvolumen von rund 45 Millionen Spielfilmen. Der provisorische Sender am Rhein wird - zumindest an dieser Stelle - nicht dazu beitragen. Das neue LTE City-Netz in Köln und 100 weiteren Orten, die dieses Jahr noch folgen sollen, aber dafür um so mehr.

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