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Linux fürs Netbook: Die Qual der Wahl

Von Falko Benthin
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Mit der zunehmenden Verbreitung der Netbooks steigt auch die Anzahl der speziell darauf zugeschnittenen GNU/Linux-Distributionen. In unserer Netbook-Datenbank sind eine Menge Linux-Netbooks gelistet, die bereits ein entsprechendes Betriebssystem haben, das aber leicht gegen eine der zahlreichen anderen Distribution getauscht werden kann. Und wer die Wahl hat, quält sich bekanntlich. Darum haben wir uns kurz umgeschaut, welche Distributionen derzeit aktiv gepflegt werden. Schon vorab: Bis auf einige wenige Ausnahmen sind alle Linuxe durchaus auch für Anfänger geeignet und bedürfen keinen größeren Anpassungen.

UPDATE: Neuere Linux-Distributionen fürs Netbook

Obwohl immer noch aktuell, ist mittlerweile seit diesem Artikel ja eine ganze Weile vergangen, deshalb haben wir die Übersicht über Linux-Distributionen für Netbooks noch einmal mit den seitdem erschienenen Betriebssystemen aktualisiert. Aufgeteilt ist die Übersicht über die kostenlosen Betriebssysteme in zwei Teile:

DebianEeePC

DebianEeePC ist eine Debian-Variante, die EeePCs optimal unterstützen soll. Sie hat einen angepassten Kernel und auf die Hardware des EeePC zugeschnittene Programme im Repository. Die Distribution richtet sich an Anwender, die wissen, was sie wollen. So wird zu Beginn nur ein Basissystem installiert und der Anwender muss anschließend die Pakete hinzufügen, die er für seine Zwecke braucht. Debiananwender können auf ein Repository mit ca. 23.000 Programmen zurück greifen, welche sehr stabil laufen. Die Stabilität ist allerdings auf Kosten der Aktualität erkauft. Kamera und Wlan erfordern teilweise Handanlegen. gOS

good Operating Systems [Link auf http://www.thinkgos.com entfernt, da Seite nicht mehr erreichbar] wurde von gOS LLC in Los Angeles entwickelt und betrat erstmals 2007 die Betriebssystembühne. Es war auf den bei Wal-Mart erhältlichen Everex Green gPCs installiert. GOS basiert auf Ubuntu und enthält eine große Anzahl an Google-Anwendungen und -Gadgets, was dazu führte, dass es oft auch als Google OS bezeichnet wird. gOS setzt auf das ressourcenschonende LXDE (Lightweight X11 Desktop Environment). Eine vorkonfigurierte Wine-Version erlaubt es zudem, viele Windows-Programme zu verwenden. Moblin

Moblin ist ein von Intel initiiertes Projekt, das speziell auf Netbooks mit Intels Atom-Prozessoren abzielt. Moblin setzt auf die Gnome Mobil-Plattform auf. Das als Image circa 280 MB große Moblin Core v2 Alpha bootet auch vom USB-Stick innerhalb weniger Sekunden, ist aber recht spärlich bestückt, was Software betrifft. Es enthält neben dem Windowmanager Xfce nur ein paar Konfigurationswerkzeuge und wenige Anwendungen. So sind hier nur Browser mit Mozilla-Engine, ein Movieplayer und eine PIM-Applikation zu finden. Das voreingestellte Repository im Netz ist auch noch recht leer. FluxFlux

FluxFlux ist eine leichtgewichtige Distribution, die auf PCLinuxOS basiert und neben einer Standardversion speziell an diverse Netbooks, unter anderem EeePC, Wind/Akoya, oder ONE A110, angepasst wurde. Als Windowmanager verwendet FluxFlux Openbox. Wie die Mutterdistribution ist auch FluxFlux für Linux-Novizen geeignet. Bei der Installation wird die gebräuchlichste Software vorinstalliert. Die zuletzt veröffentlichte Version der Distribution sorgte nicht nur für Freude. Einige Probleme machten eine Überarbeitung nötig. Die verbesserte Ausgabe soll laut Aussage des Maintainers Thomas Schönhütl in wenigen Tagen erscheinen. Eeebuntu

Eeebuntu ist eine auf EeePCs optimierte Ubuntu-Variante, die es in den Ausführungen Standard, NBR und Basis gibt. Standard ist recht aufgeblasen, lässt aber keine Wünsche offen was Programme und Eye Candy - hier in Form von Compiz - angeht. Die NBR-Variante möchte mit dem Netboot Remix Launcher schnellen Zugriff auf häufig benutzte Anwendungen sicherstellen. Die Basis-Edition ist bis auf Gnome abgespeckt. Hier kann der Anwender entscheiden, welche Anwendungen er braucht und diese dann installieren. Alle drei Varianten unterstützen die im EeePC verbaute Hardware out of the box. Easy Peasy

Easy Peasy basiert ebenfalls auf Ubuntu und ging aus Ubuntu Eee hervor. Das System hat den Anspruch, sich kinderleicht installieren zu lassen und die am häufigsten in Netbooks verbaute Hardware ohne Handanlegen zu unterstützen. Nach der Installation können Anwender in der Regel gleich mit der Arbeit beginnen, Musik und Filme abspielen, durchs Netz surfen, E-Mails beantworten oder mit Freunden chatten. Kurz: Easy Peasy bringt die dafür nötigen Anwendungen gleich auf Platte beziehungsweise auf die SSD. Private Daten lassen sich via encrypted private directory - auf gut Deutsch: verschlüsseltes Privatverzeichnis - vor neugierigen Blicken verbergen. Xandros

Das kommerzielle Xandros [Link auf http://www.xandros.com/ entfernt, da Seite nicht mehr erreichbar] brachte eine angepasste Linux-Distribution für den Ur-EeePC heraus, unterstützte dessen Hardware out of the box und kam mit einer speziellen Oberfläche für die kleinen Bildschirme. Anders als die anderen Vertreter kann Xandros nicht aus dem Netz heruntergeladen werden, sondern wird vom Netbook-Hersteller mitgeliefert. Anwender beklagen, dass Xandros nur sehr bedingt auf einem aktuellen Stand gehalten wird. Kürzlich kündigte der in New York heimische Distributor an, zukünftig auch Netbooks mit ARM-, Freescale- und Snapdragon-Prozessoren unterstützen zu wollen. Linpus Linux Lite

Linpus Lite basiert auf Fedora und ist in seinen Hardwareansprüchen sehr genügsam. So reichen dem System schon ein Prozessor von Intel, AMD oder VIA mit 366 MHz, 128 MB Ram und 512 MB Festplatte oder SSD als Mindesanforderung. Als Windowmanager kommt Xfce zum Einsatz. Linpus kann in den Modi Simple und PC betrieben werden, wobei sich der einfache Modus an unerfahrene Anwender richtet. gOS Cloud

Im Dezember 2008 hat gOS Cloud [Link auf http://www.thinkgos.com/cloud/ entfernt, da Seite nicht mehr erreichbar] angekündigt, im März soll es von einigen auserwählten Freiwilligen getestet werden. Bei Cloud handelt es sich um einen Browser, der von einem Embedded Linux gestartet wird. Alle Anwendungen laufen im Internet und nicht auf dem lokalen Rechner. Daraus resultierend sind nur geringe Hardware-Anforderungen erforderlich. Nachteilig könnte sich Cloud auf Datenschutz und -sicherheit auswirken. Fazit

Bei so viel Auswahl ist sicher für jeden etwas dabei - für den Puristen mit einem klaren Desktop bis hin zum optisch Anspruchsvollen mit Augenschmaus und bunten Farben. Und wenn es doch jemanden geben sollte, dem hier so gar nichts zusagt, der findet unter den hunderten Linux-Distributionen ganz sicher eine, die er sich dem eigenen Geschmack entsprechend anpassen kann.

<Bild Tux: copyright by Larry Ewing, Simon Budig and Anja Gerwinski>