Kinderkrankheiten

Nach Startproblemen: Lidl Connect wird langsam besser

Wer mit einer Prepaid-Karte im Netz von Vodafone im Pannenfall eine 00800-Nummer anrufen muss, ist aufgeschmissen: Auch Lidl Connect hat diese Vorwahl jetzt lieber gesperrt, anstatt die Tariftabelle zu korrigieren. Doch es gibt wichtige per 00800 erreichbare Nummern.
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Lidl Connect wirbt in Videos gerne mit schicken AutosLidl Connect wirbt in Videos gerne mit schicken Autos - doch Pannenhotlines sind jetzt schwerer erreichbar Der im Oktober gestartete Prepaid-Anbieter Lidl Connect ist dabei, seine diversen Kinderkrankheiten zu kurieren (teltarif.de berichtete). So waren nach Angaben des mit der Bereitstellung und Betreuung beauftragten Netzbetreibers Vodafone bei 26 Kunden versehentlich Verbindungen zur Vorwahl 00800 (International Freephone) mit 99 Cent pro Minute berechnet worden, dem Tarif für Auslandsverbindungen. Allen betroffenen Kunden seien zwischenzeitlich diese Kosten erstattet worden, in der Regel wurden als kleine Entschädigung 5 Euro dem Guthaben hinzugefügt.

Bei der von teltarif.de verwendeten Testkarte kam die Gutschrift (in Höhe von 7 Euro) erst vor wenigen Tagen an mit dem Vermerk "es kann 72 Stunden dauern, nachdem Sie diese E-Mail erhalten haben" - de facto war das neue Guthaben mit Empfang der E-Mail schon gebucht.

Portierung problemloser geworden

Die Portierung einer Rufnummer zu Lidl Connect erfolgt in zwei Schritten. Zunächst muss die gekaufte und im Paket vorgegebene Rufnummer aktiviert werden. Danach wird (wie bei Telefónica schon länger üblich), die zu importierende alte Rufnummer nachträglich portiert. Dabei geht Vodafone einen sonst ungewöhnlichen Weg: Es wird eine funkelnagelneue frische SIM-Karte mit der portierten Rufnummer produziert, die dem Kunden kurz vor dem angekündigten Schalttermin zugeschickt wird.

Anwender berichten, dass die im Lidl-Markt gekaufte SIM-Karte mit der bisherigen temporären Rufnummer nach der Portierung samt Restguthaben weiter gelebt habe. Die auf der temporären Karte vorhandenen Guthabenbeträge und Optionen sollten inzwischen binnen etwa 24 Stunden korrekt eingerichtet sein. In einigen Fällen musste die Hotline in teilweise mehreren Anläufen davon überzeugt werden, Guthaben und Tarif zu migrieren. Oft zahlt sich Geduld aus: Lieber ein paar Tage warten, ob es nicht doch automatisch läuft, weil manuelles Nachsteuern oft die Abläufe nochmals verkompliziert.

Erst schauen, dann nutzen

Bevor man nicht sicher ist, dass der Wunsch-Tarif auf der neuen Karte korrekt geschaltet ist, sollte man sich mit der Nutzung der neuen Karte zurückhalten, da sonst zum Classic-Tarif abgerechnet wird. Eine Prüfung von Tarif und Optionen kann auf der Webseite lidl-connect.de nach Login im eigenen Kundenkonto zeitverzögert erfolgen.

Mitunter hat ein Login am PC nicht gleich funktioniert. Wenn das richtige Passwort ignoriert wird, sollten versuchsweise ein anderer Internet-Browser am PC (zum Beispiel Firefox, Chrome, Opera etc.) getestet oder die Cookies gelöscht werden. Der Online-Einzelnachweis ist nicht minutenaktuell, auch fehlte bei unserer Karte die irrtümlich berechnete Verbindung zu 00800 im Nachweis komplett.

Alternativ kann die Lidl-App am Handy (für Android oder iOS) eingesetzt werden. Sie funktioniert jetzt übrigens auch bei Nutzung einer fremden SIM-Karte oder über ein WLAN, das erste Laden der Kundendaten dauert aber ein bisschen. Optionen können auch über die App gebucht oder storniert werden.

Flexible Datenpakete

Die Speedbuckets, kleine Datenpakete, lassen sich auch ohne inklusive Datenoption mehrfach hintereinander buchen, wie Anwender berichten, was die Flexibilität erhöht. Allerdings gibt es derzeit noch keine zeitnahe Kontrolle des verbleibenden Restvolumens. Einige Infos zum eigenen Tarif findet man auf der kostenlos erreichbaren Webseite center.vodafone.de, die vom eigenen Handy mit ausgeschaltetem WLAN aufgerufen werden muss.

Mit der ersten Buchung eines 150-MB-Paketes kündigte die Lidl-App an, dass die Verlängerung am 01.01.1970 (sic!) stattfinden werde. Wenige Minuten nach der Bestellung wurde sie per SMS (von 70250) für 30 Tage bestätigt.

Vodafone sperrt 00800

Inzwischen hat Vodafone die Vorwahl 00800 - wie bei allen Vodafone-basierenden Prepaid-Angeboten - komplett gesperrt. Auf Nachfrage war von mit der Materie befassten Kreisen zu erfahren, dass es fehlende klare Regelungen zum Interconnect zwischen Mobilfunk und 00800-Anbietern gebe. Nur für die nationale kostenfreie Vorwahl 0800 ist der Interconnect im Tarif O.5 für Verbindungsleistungen der Deutschen Telekom klar geregelt, der Mobilfunkanbieter erhält hierfür rund 6,2 Cent netto pro Minute, der dahinterliegende Festnetzanbieter nochmals ca. 3 Cent. Somit fallen für den Inhaber einer 0800-Rufnummer rund 10 bis 11 Cent Kosten pro eingehender Minute an.

Bei der Vorwahl 00800 (Interconnect-Tarif O.13) ist offiziell nur die Verbindung aus dem Festnetz klar geregelt. Diese Verbindungen würden - so Kenner - derzeit immer über die Deutsche Telekom geschaltet. Ruft ein Festnetzkunde eine 00800-Nummer an, die in Deutschland oder Europa endet, würden etwa 14 Cent Interconnect (netto) fällig, der Inhaber der Nummer dürfte am Ende mit rund 20 Cent pro Minute wegkommen, bei exotischeren Zielen wird es schnell viel teurer. Bei Mobilfunk ist es noch etwas komplizierter, wobei Festnetzanbieter mit eigenem Mobilfunknetz Vorteile haben können.

Andere Netze verbinden zu 00800 - Vodafone Prepaid nicht

Wie Tests von teltarif.de ergaben, können 00800-Rufnummern von allen Prepaid-Produkten im Mobilfunk-Netz der Telekom erreicht werden, auch E-Plus (und seine Discounter-Marken) und o2 (inklusive Fonic) schalten zu 00800 durch. Vodafone wie schon erwähnt jedoch nicht, außer in Laufzeitverträgen mit monatlicher Rechnung.

Die Erreichbarkeit von 00800 ist heute ein unbedingtes Muss. So haben immer mehr Hotlines von Autoherstellern auf 00800 umgestellt: z.B. Audi (00800-AUDIHILFE = 00800-283444533) oder Mercedes (00800 1 7777777) oder BMW (00800-BMWHILFE = 00800-269 44533) aber auch Mazda (00800-24247365). Die Autohersteller kennen das Problem und nennen sicherheitshalber noch normal erreichbare Nummern wie Mercedes 069-95307277, BMW 089-26949456 oder Mazda 02173-943-317. Bei Audi wäre die 01802-283473 vom Handy mit 42 Cent/Minute sehr teuer. Auch Autoversicherer sind zu 00800 übergegangen, eine Liste würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Wer viel mit dem Auto unterwegs ist, sollte solche Aspekte bei der Wahl des Anbieters berücksichtigen oder sich rechtzeitig vorher über normal erreichbare Alternativen informieren.

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