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LG X110 3G im Test

Von Johannes Haupt
AAA

Seit Anfang des Monats ist das LG X110 mit integriertem UMTS-Modem auch ohne Vertragsbindung zu haben. Unser Leser Markus Römer hat das EUR 480 teure 3G-Netbook (ohne UMTS: EUR 360) bereits auf Herz und Nieren getestet. Ein Erfahrungsbericht.

LG X110-L A7HAG

Endlich ein Netbook, was seinen Namen auch verdient. Netzwerk und WLAN sind nicht die einzigen Wege in das Internet – langsam kommen auch die Hersteller dahinter und bringen mit UMTS die wirklich mobile Komponente in ihre Produktlinie ein. So auch LG, die ihr 3G-Netbook X110 schon bei diversen Provider in Bundles vertreiben. Mein X110 hab ich im freien Handel und nicht "gebrandet" (wenn man es so nennen kann) erworben.

Optik, Haptik, Verarbeitung

Das äußere Erscheinungsbild vom LG X110 würde ich als dezent stylisch und sportlich beschreiben. Bei einer Höhe von genau 3 cm im hinteren Bereich (am Akku) baut es nach vorne leicht ab. 2,6 cm liegen im Frontbereich an, an der Kante direkt vorne sogar nur 1,9 cm. Zusammengeklappt lässt sich das Netbook wunderbar in einer Hand tragen, wie ein klassisches Buch. Leichte (Ab)Rundungen statt Ecken und Kanten - so kommt ein geschmeidiges Erscheinungsbild zustande.

Die Verarbeitung ist solide, die Steifigkeit könnte einen Tick besser sein aber liegt meiner Meinung nach im zu erwartenden Bereich. Eine feste Arretierung für den geschlossenen Zustand gibt es nicht, so werden für das Öffnen auch 2 Hände benötigt: Unten festhalten und nach oben aufklappen lautet die Sesam-Öffne-Dich-Formel.

Die Tastatur ist für den Anfang gewöhnungsbedürftig, aber auch 10-Finger-Tipper wie ich finden nach einer Einfindungsphase durchaus Gefallen am LG X110 Keyboard. Das Tastaturfeld ist insgesamt - wie bei den meisten Netbooks - wohl aus Platzgründen etwas linkslastig ausgelegt. Der gesamte Abstand von den Tasten a bis ä beträgt ziemlich genau 19 cm. (Bei einer Keytronic-Desktop-Tastatur sind es 20 cm / beim Notebook HP Compaq NX7400 in etwa 19,6 cm.)

Abzüge bekommt das LX 110 aber für sein Touchpad. Mit einer Breite von 3 Fingern fällt es doch etwas schmal aus. Viel Platz zum Rangieren des Mauszeigers bleibt da nicht mehr übrig. Auch die Genauigkeit lässt für meinen Geschmack zu wünschen übrig – mir ist es schon mehrmals passiert, dass ich aus Versehen ein Browserfenster geschlossen habe, weil der Mauszeiger den halben Weg über das Display unabsichtlich in einem Sekundenbruchteil zurückgelegt hat und ich just in dem Moment die linke Taste betätigte.

Die Anschlüsse auf den beiden Seiten passen sich meiner Meinung nach gut bis sehr gut in das Design ein. Allerdings wurde hier an den Gummi-Abdeckungen gespart, alle Anschlüsse liegen ungeschützt offen.

Display, Sound

Das matte 10,2" LED-Display ist sehr hell und vor allem scharf. Ich bin wirklich überrascht . selbst ein etwas älterer Eizo-Röhrenmonitor sieht dagegen blass aus. Die Display-Helligkeit lässt sich in 9 Stufen anpassen. In der Werksauslieferung kommt mir die Display-Temperatur etwas kalt vor, ich nehme hier einen Blaustich wahr.

Der Sound macht dagegen einen nicht so guten Eindruck. Die Lautsprecher sind eher sub-optimal an der geschwungenen Unterseite der Front eingebaut. Dementsprechend bescheiden fällt auch der Sound aus, schon bei mittlerer Lautstärke höre ich die ersten Verzerrungen. Ganz anders sieht die Sache im direkten Anschluss aus: Ein Sennheiser-Headset schlägt sich klangtechnisch sehr gut. Die vorinstallierte Realtek-Software erkennt einen angeschlossenen Audio-Stecker.

Akku

Herstellerangaben zufolge soll der mitgelieferte 3-Zellen-Akku für 3 Stunden reichen. Im richtigen Leben abseits von Prüf-Normen liegt die Laufzeit mit UMTS und mittlerer Helligkeit bei ca. 2 Stunden (plus/minus 15 Minuten je nach Last).

Der größere 9-Zellen-Akku aus dem Zubehör-Handel (ca. 90 Euro, am Gerät) hat dagegen schon mehr Luft zu bieten. Hier geht es im Office-Betrieb bei 3/9 Display-Helligkeit bis zu 6,5 Stunden weit. Mit UMTS und mittlerer Helligkeit sindca. 5 Stunden drin. In frischer Winterluft bei 0 Grad baut auch der große Akku schon deutlich schneller ab: Mit UMTS und niedriger Display-Helligkeit dauert das Outdoor-Surf-Vergnügen etwa 3,5 Stunden an.

Zwei Dinge sollten im Bereich Akku nicht unerwähnt bleiben: Erstens ist der Akkutausch nicht gerade "kinderleicht". Besonders beim großen Zubehör-Akku (vom MSI-Wind) muss eine gesunde Mischung aus Technik und Kraftaufwand gefunden werden. Beim selben Akku hatte ich am Anfang das Phänomen, dass die Betriebsleuchte mir durch rotes Blinken mitteilen wollte, der Akku sei defekt. Nach dem er unter 95% Restkapazität gefallen war, wurde er aber wieder aufgeladen. Etwas verwunderlich, aber nach einer Woche hat sich die Lage inzwischen normalisiert.

Ausstattung, Performance

Neben einem Anschluss für Kensington-Schlösser hat das LG X110 einiges zu bieten: Integriertes Bluetooth, integriertes UMTS-Modul, WLAN, Ethernet, einen VGA-Ausgang, 3x USB, Soundausgang/eingang und einen kleinen Multicard-Reader.

Im Netbook-Inneren werkelt der bekannte Intel Atom N270 im Zusammenspiel mit 1 GB Arbeitsspeicher, der bekannterweise nicht aufrüstbar ist. Als ständige Datenhalde steht eine Fujitsu Festplatte mit 160 GB Kapazität bereit, von der ca. 149 GB effektiv nutzbar sind. Kleiner Minuspunkt: Es gibt keine Ausstattungsvariante mit einer SSD-Platte. Das würde den Anhängern des rauen Alltags deutlich besser gefallen.

Windows XP startet bis zum Login-Screen in akzeptablen 36 Sekunden. Der Benchmark mit CrystalMark 2004R3 lieferte folgende Werte

UMTS, Konnektivität

Der Wireless-Manager braucht vom Programm-Start weg etwa 15 Sekunden, bis er Verbindungsbereitschaft signalisiert. Einmal als Dashboard gestartet, konnektiert er sich in 6 Sekunden mit dem UMTS-Netzwerk. Der Empfang liegt im normalen Bereich: Schwächerer Empfang gegenüber einer Steckkarte sind nicht vorhanden bzw. dürften im kaum messbaren Bereich liegen.

Beim Bluetooth greift LG dagegen auf einen "Stack for Windows by Toshiba" zurück. Besonders nett ist hierbei die Möglichkeit, mögliche Freisprechgeräte mit einer VoIP-Anwendung (wie Skype) zu verknüpfen. Wer ag, kann hier ganz mobil und kabellos telefonieren: Über UMTS einbuchen, z.B. Skype starten, über das Bluetooth-Headset telefonieren.

Erwähnenswert außerdem: Der IP Operator erkennt alle Verbindungstypen und kann mit diversen Profilen und Prioritäten eingestellt werden - beispielsweise erst Netzwerk, dann UMTS.

Lieferumfang

So richtig verwöhnt wird der Käufer vom Hersteller LG leider nicht. So fehlen eine Original-Windows-CDm und auch eine Tasche sucht man im Karton vergebens . Dafür gibt es immerhin eine Recovery-CD für Notfälle, die Handbuch-CD und eine faltbare Kurzanleitung für die wichtigsten Fragen am Anfang der Netbook-Karriere.

Das fast fertig eingerichtete Windows XP muss nur noch in ein paar Schritten angepasst werden. Auch die weitere vorab installierte Software kann sich sehen lassen: Webcam-Software, Wireless Manager, Realtek Audio Manager, Magnifier Lupe, Bluetooth-Zentrale und IP-Operator sind ab Werk dabei.

Zubehör

Wer sich das mitgelieferte recht klobige Netzteil unterwegs nicht antun möchte, kann für rund 27 Euro ein einfaches Netzteil ergattern - besonders für lange Reisen ist das Geld gut angelegt. Ein Auto-Netzteil kostet EUR 19, ein Schutzsleeve genauso viel. Auch 6- und 9-Zellen-Akkus (bis 90 Euro) gibt es für das LG X110 zu erwerben.

Fazit

Das LG X110 ist ein dezent gestyltes Netbook, was den einen oder anderen interessierten Blick in der Öffentlichkeit auf sich und seinen Besitzerdürfte. Wer mit den Schwächen Touchpad und Lautsprecher leben (oder sich mit Headset und externer Maus behelfen) kann und sich in die Tastatur eingewöhnt hat, wird die Stärken umso mehr genießen: Mit Ethernet, WLAN b/g, UMTS und Bluetooth all inclusive hat es eine Konnektivität vorzuweisen, die derzeit nahezu ihresgleichen sucht.

Auch das helle und klare Display weiss zu gefallen. Einziger großer Wehmutstropfen bleibt der schwache Standardakku - zum stolzen Preis von EUR 480 (stand alone gekauft) hätten die Koreaner ihrem Zehn-Zoller gerne eine 6- oder 9-zellige Batterie beilegen können.