Editorial: Warum warten wir auf kostenlose Warteschleifen?
13.02.2011 17:16
Servicenummern-Branche ist offensichtlich nicht zu Service bereit
Von
 Warten auf kostenlose Warteschleifen
Eigentlich ist die Sache klar: Wartezeit ist kein Service, und
so ist es eine Frechheit, dass die allermeisten Hotlines während des
Abspielens der "Bitte-bleiben-Sie-am-Apparat"-Endlosschleife auch noch
Geld kosten. Politisch ist bereits seit einem Dreivierteljahr der
nachhaltige Wille zu spüren, diesem
Anachronismus ein Ende zu setzen. Jetzt meldet die Branche aber
technische Probleme. Bis zu deren
Lösung soll es nur eine Schmalspurversion der kostenlosen Wartschleife
geben: Die ersten 120 Sekunden sind kostenlos, danach wird weiterhin
kassiert wie bisher.
Richtig ist: Zahlreiche Telefoniesysteme trennen nach 60 oder
spätestens nach 120 Sekunden einen Anrufversuch, wenn bis dahin
kein erfolgreicher Verbindungsaufbau gemeldet wird. Sobald aber der
Verbindungsaufbau signalisiert wird, beginnen online-Billing-Systeme,
wie sie insbesondere für die beliebten Mobilfunk-Prepaid-Karten im
Einsatz sind, gnadenlos mit der Abrechnung des hinterlegten Minutenpreis.
Nur: Wie viel Aufwand wäre es, diese Verbindungsaufbauzeit eben
konfigurierbar zu machen, so dass für bestimmte Rufnummerngassen wie
0180 oder 0900 auch längere Zeiten hinterlegt werden können? Wenn
das die Anbieter wirklich wollten, wären die technischen Änderungen
wahrscheinlich in zwei Wochen durch. Ohne Interesse der Anbieter
wird es hingegen mindestens zwei Jahre dauern. Und die Politik scheint
bereit zu sein, die Telekommunikationsindustrie gewähren zu lassen.
Insgesamt zeigt das Verhalten der Servicenummernbranche, wie sie das
Wort "Service" wohl weiterhin versteht: Als Hilfestellung für halbseidene
Inhalteanbieter (Gewinnspiele, Sex-Hotlines, Astrologie-Beratung etc.)
beim Geldverdienen, aber eben nicht als Service und Mehrwert für den
Anrufer. Denn ginge es wirklich um ihn, wäre es schon längst üblich, dass
er nur für die Verbindungszeit mit einem Hotline-Agenten bezahlt.
Auch ohne Einsatz der Politik. Vergleichbares gilt auch für die
Mobilfunk-Netzbetreiber, die an Servicenummern-Aufschlägen ebenfalls
gut verdienen.
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