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Auch ohne 3G: Kostenlos Radiohören mit dem Handy

Cases und Dongles zum Nachrüsten von UKW und DAB+
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iPhone-Dongle Lingo iMiniDer Dongle Lingo iMini bringt Radio-Empfang auch auf iPhone und iPod. Mit dem Handy gibt es zahlreiche Möglichkeiten, unterwegs Radio zu empfangen. Wir haben in vergangenen Beiträgen bereits entsprechende Web-basierte Apps wie TuneIn oder Yourmuze vorgestellt, mit denen mobiler Empfang von Internetradio ist. Viele Radio-Veranstalter bieten auch eigene Apps für den bequemeren Empfang an. Ein Nachteil all dieser Applikationen ist jedoch, dass immer eine Verbindung zum Internet benötigt wird.

Wer Radio unterwegs über Mobilfunk-Technologien wie UMTS oder EDGE hört, läuft - sofern er keine Datenflatrate besitzt - Gefahr, in eine Kostenfalle zu geraten. Denn für das Radiohören über das mobile Internet fallen Kosten an, die von der Qualität des Streams (Datenrate in kBit/s) und den Gebühren des jeweiligen Netzbetreibers oder Providers abhängig sind. Bei mobilen Flatrates droht außerdem bei häufigem Radiohören übers mobiles Internet eine schnellere Drosselung des Datenvolumens. Das ist vor allem dann ärgerlich, wenn der Nutzer vorwiegend Radiosender hört, die er in seiner Umgebung auch terrestrisch über UKW oder das neue Digitalradio empfangen könnte. Wir stellen Ihnen Möglichkeiten zum mobilen Radio-Empfang per Handy vor - integriert und zum Nachrüsten.

Fast alle Handys und Smartphones haben UKW-Radio integriert

Wer schon vor dem Kauf seines Handys oder Smartphones weiß, dass er mit dem Gerät auch Radio hören möchte, sollte sich für ein Modell mit UKW-Radioteil entscheiden. Ein Großteil der heute auf dem Markt angebotenen mobilen Geräte hat eine entsprechende Funktion eingebaut. Selbst Einsteigerhandys gibt es bereits mit integriertem UKW-Empfangsteil. Unsere Geräte-Datenbank verrät Ihnen um welche Modelle es sich handelt.

Leider ist der UKW-Empfang unterwegs nicht immer einwandfrei. Wer zum Beispiel mit Bus oder Bahn unterwegs ist, kennt die häufigen Einbrüche, die durch Dämpfung der Signale, einer Störeinwirkung durch Elektrik und Reflektionen entstehen. Im Freien oder in Innenräumen in Fensternähe ist der UKW-Empfang jedoch fast immer akzeptabel. Als Antenne fungiert zumeist das mitgelieferte Headset, einige Modelle besitzen auch eine integrierte Mini-Antenne, die das Radiohören auch ohne Headset über den eingebauten Lautsprecher möglich macht.

Handys mit DAB+ bislang Fehlanzeige

Nokia DAB+ Radio HeadsetNokia DAB+ Radio Headset Viele der technischen Probleme, die es beim UKW-Empfang gibt, könnte der neue digital-terrestrische Hörfunk (DAB+) aus dem Weg räumen. Vor allem in gut ausgebauten Gebieten, etwa Ballungsräumen, ist mit dem digitalen Medium auch völlig störungsfreier, rauschfreier Radioempfang beim Bummeln in der Stadt oder in Bus und Bahn möglich. Außerdem ist in vielen Regionen das Radioangebot schon jetzt größer als auf UKW. Im Rhein-Main-Gebiet oder in einigen Teilen Bayerns sind über 40 Sender hörbar. Auch einige bisher nur im Internet empfangbare Sender wie das Fußballradio 90elf, Spartenkanäle von Antenne Bayern oder die Ethno-Musik-Welle big fm Worldbeats sind inzwischen bundesweit oder regional auch über DAB+ empfangbar.

Leider haben die Handy- und Smartphone-Hersteller noch nicht auf diesen Umstand reagiert, bisher gibt es kein einziges Modell auf dem deutschen Markt, das das digital-terrestrische Radio integriert hat, obwohl es technisch kein Problem wäre, die inzwischen sehr preisgünstigen Chips in die Modelle einzubauen. Zudem gab es vor einiger Zeit auch schon entsprechende Ankündigungen der Handy-Hersteller, etwa von LG. Samsung vertreibt Smartphones, die zum Empfang der DAB-Senderfamilie geeignet sind, bisher nur in Fernost. Immerhin stellte der koreanische Hersteller mit dem Galaxy S WiFi auf der IFA einen DAB+-fähigen Media-Player mit Android-Betriebssystem vor.

Auf teltarif.de-Anfrage zeigten sich alle Hersteller bedeckt, ab wann es Handys und Smartphones mit DAB+ auch auf dem deutschen Markt geben soll. Die Unternehmen wollten sich zur künftigen Modellpalette nicht detailliert äußern, ein klares Dementi beim Thema "DAB+ im Handy" gab es jedoch auch nicht.

Cases, Dongles und Headsets zum Nachrüsten von UKW und DAB+

Inzwischen hat die Zubehör-Industrie auf das Zögern der Hersteller beim Thema Digitalradio, aber auch auf die Weigerung des Apple-Konzerns reagiert, iPhone, iPad und Co. zumindest einmal einen UKW-Empfangsteil zu spendieren. Es gibt mittlerweile zahlreiche Cases und Dongles auf dem Markt, die Smartphones zum digitalen Radioempfänger machen. So hat der koreanische Tuner-Hersteller icube auf der IFA den Tivizen Radio-DAB+-Tuner für Apple iPod, iPhone und iPad vorgestellt. Dabei handelt es sich um einen 30 Pin-Radio-Tuner, der DAB, DAB+ und den in Europa nicht mehr genutzten DMB-Standard unterstützt. Das Gerät ist per App steuerbar und soll noch in diesem Monat für rund 60 Euro in den Handel kommen.

Nokia-Smartphones, die mit dem Symbian-Betriebssystem laufen, können DAB+ ebenfalls unterstützen. Dafür sorgt eine Extra-App und die passende Hardware, ein Headset mit DAB+-Unterstützung. Für das iPhone und Android-Smartphones gibt es Case- und Dongle-Lösungen von Lingo: Das iVy ist ein Bluetooth-DAB+-Receiver für Android-Handys. Daneben gibt es den Dongle iMini, den der Nutzer an den 30-Pin-Anschluss von Apples iOS-Geräten anschließen kann. Alle Geräte können auch das herkömmliche UKW-Band empfangen.

Aktuelle Handys mit integriertem Radio-Empfänger

Fazit: UKW und DAB+ als Alternative zum Internetradio

Wer Radio mit Handys, Smartphones oder Tablets hören möchte, benötigt nicht zwingend eine Internetverbindung. Viele Modelle haben zumindest ein UKW-Empfangsteil integriert, mit dem man die lokalen Sender hören kann. Ferner gibt es zunehmend Case-, Dongle- und Headset-Lösungen, die allerdings weniger den Otto-Normalverbraucher ansprechen dürften, sondern eher interessierte Technik-Freaks.

Es wäre wünschenswert, wenn die Hersteller künftig auch terrestrisches Digitalradio im Standard DAB+ in Handys und Smartphones aufnähmen. Damit wäre dann rauschfreier, mobiler Empfang möglich, Mobilfunknetze würden nicht unnötig strapaziert und der Verbraucher liefe nicht Gefahr, in eine Kostenfalle zu geraten oder eine schnelle Drosselung seines Datenvolumens in Kauf nehmen zu müssen. Denn das digital-terrestrische Radio ist kostenfrei und bietet trotzdem - je nach Region - eine attraktive Programmvielfalt.

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