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Eigene Klingeltöne werden vom Gehirn viel stärker wahrgenommen19.03.2011
16:48 EEG-Untersuchungen in der Studie zeigten starke Spannungsschwankungen![]() Der eigene Klingelton macht aufmerksam Im Zuge einer Doktorarbeit wurde untersucht, ob der Klingelton des eigenen Handys anders wahrgenommen wird, als Klingeltöne fremder Mobiltelefone. Das Ergebnis war eindeutig: Das menschliche Gehirn reagierte auf bekannte Töne weitaus stärker. "Das ist mit dem bekannten Phänomen vergleichbar, wonach wir unwillkürlich unsere Aufmerksamkeit auf ein Gespräch lenken, auf das wir bisher nicht geachtet haben, wenn dort unser eigener Name fällt", sagt Anja Roye, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Leipzig. "Bei meiner Studie wollte ich sehen, ob der Klingelton des eigenen Handys ähnliche Effekte hervorruft wie die Situation auf einer Party, wenn der eigene Name genannt wird", sagt Diplom-Psychologin Roye. Dazu klebte sie auf die Köpfe von Studenten Elektroden, um das Elektroenzephalogramm (EEG) messen zu können. Die Versuchsgruppen bestanden aus zwölf bis 20 Studenten. Über Kopfhörer bekamen die Versuchspersonen solche Klingeltöne vorgespielt, die anzeigen, dass eine SMS eingegangen ist - Töne von eigenen und fremden Handys. "Das Gehirn verarbeitet die Klingeltöne unterschiedlich stark", sagt Roye. Schon nach 40 Millisekunden seien große Unterschiede zwischen dem eigenen und dem fremden SMS-Klingelton festgestellt worden. Gehirn reagiert auf den eigenen Klingelton mit großen SpannungenBeim EEG werden Spannungsschwankungen an der Kopfoberfläche gemessen und aufgezeichnet. Die Spannungsschwankungen entstehen, wenn das Gehirn Informationen aufnimmt und verarbeitet. Beim Ton des eigenen Handys sind die Unterschiede bei den Spannungen bedeutend größer: "Es werden deutlich mehr Neuronen im auditorischen Kortex und auch in den vorderen Abschnitten des Großhirns aktiviert", sagt Roye. "Diese Unterschiede konnten wir auch beobachten, wenn die Studenten einen Film geschaut und den SMS-Ton eigentlich ignoriert haben." Die Ergebnisse ihrer Doktorarbeit wurden im renommierten "Journal of Neuroscience" veröffentlicht, drei Jahre arbeitete sie an der Studie. "Wir wollten mit der Studie auch herausfinden, inwieweit das Gehirn für solche Reize lernfähig ist und sich unter dem Einfluss von Erfahrungen verändert", sagt Erich Schröger, Professor für kognitive und biologische Psychologie an der Universität Leipzig und Betreuer der Promotion. Aus diesem Grund wurden den Testpersonen im Zuge eines weiteren Experiments fremde SMS-Hinweistöne willkürlich zugeordnet. Einen Monat später wurde ihnen dieser neue Ton wieder über Kopfhörer vorgespielt, sie hatten den neuen Ton während des Monats täglich bis zu zehn Mal gehört. Das EEG zeigt auch diesmal wieder starke Spannungsunterschiede zwischen dem eigenen und dem fremden SMS-Ton – das Gehirn hatte inzwischen den Ton als persönlich bedeutsam eingespeichert. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass auch die Gehirne von Erwachsenen noch stark adaptiv sind und noch viel lernen können", sagt Schröger. "Die Trainings- und Lerneffekte waren sehr deutlich." Verknüpfungen und die Kommunikation zwischen Neuronen hätten sich innerhalb kurzer Zeit enorm verändert - und das alles nur wegen eines neuen Klingeltons für die SMS. Rita Deutschbein mit Material von dapd
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