
Wird diese Dose demnächst reguliert?
Im Wettbewerb mit den
Kabelkonzernen
bekommt die
Deutsche Telekom Unterstützung von der
Monopolkommission. Ihr Vorsitzender Justus Haucap spricht sich
angesichts stark wachsender Marktanteile der Kabelkonkurrenz dafür
aus, die Marktregulierung für schnelle Internetanschlüsse zugunsten
der Telekom zu überprüfen. "In Großstädten ist es nicht mehr
unbedingt die Telekom, die den Markt dominiert. Darauf muss die
Bundesnetzagentur eine Antwort finden", sagte Haucap der
Frankfurter
Allgemeinen Zeitung.
Damit rennt er bei der Deutschen Telekom offene Türen ein. Deren Vorstandsvorsitzender
René Obermann hatte zuletzt auf der Aktionärs-Hauptversammlung des Konzerns
mehr Regulierung für die Kabelnetze gefordert. Alternativ forderte er eine Entlassung der
Telekom aus der Regulierung. Stein des Anstoßes sind die Kabelnetze, weil diese
ein Monopol darstellen können. Die NE4-Betreiber
stellen ein De-facto-Monopol
da, weil der Kunde nur einen Internetanschluss bei dem Anbieter buchen kann,
der sein Haus versorgt. Ein Wettbewerb findet nicht statt und die Kabelnetzbetreiber haben
nach allen bislang abgegeben Statements auch kein Interesse, andere Kabelnetzbetreiber
oder klar klassische Telekommunikationsanbieter in ihr Netz zu lassen.
Die Monopolkommission berät die Bundesregierung in Fragen der
Wettbewerbspolitik. In diesem Zusammenhang beurteilt sie auch
regelmäßig die Lage auf den von der Netzagentur beaufsichtigten
Märkten. Haucap sieht die Regulierung der Deutschen Telekom insgesamt
an einem Wendepunkt. Es gehe nicht mehr in erster Linie darum, ihr
altes Monopol aufzuknacken, sondern der Akzent müsse sich nun stärker
in Richtung Innovation und Investitionen verschieben.
Haucap: "Investitionsrisiko berücksichtigen"
Der Wettbewerb sei jetzt da, sagte Haucap. Daher müsse man auch
angemessene Investitionsrenditen zulassen und vorübergehend hohe
Gewinne akzeptieren, damit Neues entstehen könne. "Wenn ein Anbieter
mit hohem Investitionsrisiko neue Technologien einführe, müsse er
anders behandelt werden, als die Telekom im früheren Monopolnetz. Es
gehe nicht mehr darum, auf bestehenden Infrastrukturen für Wettbewerb
zu sorgen, sondern neue Infrastrukturen erstmal zu schaffen.
Die Telekom ist dazu verpflichtet, ihre Netze gegen monatliche
Mietzahlungen Wettbewerbern zur Verfügung zu stellen, die darüber
eigene Breitband- und Fernsehangebote in die Haushalte bringen. Die
Preise werden teilweise vorab von der Bundesnetzagentur festgelegt;
nur für die besonders schnellen Glasfaserleitungen beschränkt sich
die Aufsichtsbehörde auf eine nachträgliche Kontrolle der mit den
Nutzern ausgehandelten Mieten.
BNetzA fordert freiwillige Vorleistungsprodukte
Für den Präsidenten der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, wirft
das rasche Vordringen der nichtregulierten Kabelnetzbetreiber in das
regulierte Geschäftsfeld der Anbieter von Internetzugängen auf
DSL-Basis perspektivisch die Frage auf, in welche Richtung sich die
Regulierung in diesem Bereich entwickelt. Er mahnte Anfang des Monats
die Kabelunternehmen an, freiwillig Vorleistungsprodukte
bereitzustellen, damit sich andere Unternehmen auf die Leitungen
aufschalten können.
Haucap rät dazu, die Marktlage kleinräumiger anzuschauen wie in
Österreich und Großbritannien und zu einer regionalen Marktabgrenzung
überzugehen. In Gebieten mit starker Konkurrenz sollte die Telekom
aus der Regulierung entlassen werden, so dass die Konzerne die Preise
gänzlich frei aushandeln könnten. Bislang hatte sich die Bundesnetzagentur
immer wieder gegen eine regionale Regulierung ausgesprochen und mit dieser Begründung
auch die Kabelnetze nicht reguliert.
Die Kabelnetzanbieter greifen aktuell einen großen Teil der Internet-Breitband-Neukunden
ab. Aus Schätzungen heißt es, dass mehr als 60 Prozent der Neukunden
zu einem Kabelanbieter wechseln.
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