Ankündigung

Kabel Deutschland will zum WLAN-Hotspot-Anbieter werden

Netzausbau geht weiter, Kunden fragen hohe Datenraten nach
Aus Berlin berichtet
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Kabel-Deutschland-Chef Adrian von HammersteinKabel-Deutschland-Chef Adrian von Hammerstein Kabel Deutschland sieht das eigene Breitbandnetz als ideale Anbindung für WLAN-Hotspots. Schon in Kürze will man in den Markt einsteigen und selber einen signifikanten Anteil an mobil anfallenden Daten ins eigene Netz leiten. Das kündigte Kabel-Deutschland-Chef Adrian von Hammerstein am Rande der IFA in Berlin auf einer Presseveranstaltung an. Mit genauen Details hielt sich der Chef des größten deutschen Kabelnetzbetreibers zurück und verwies auf entsprechende Ankündigungen, die folgen werden. Doch er ließ Raum für Spekulationen.

Es scheint, als würde der Anbieter vor allem an jenen Orten, an denen viel Datentraffic anfällt, solche Hotspots installieren zu wollen. "Wir haben unsere Infrastruktur an vielen Orten liegen", so von Hammerstein. Und ein Anschluss mit 100 MBit/s habe auch die Kapazität, einen WLAN-Hotspot anzubinden und jedem Nutzer eine ausreichend hohe Datenraten zu bieten.

Man befinde macht sich gerade in der Pilotphase und entwickle verschiedene Ideen. Ein Teil dieser Pilotphase dürfte das in Berlin angelaufene WLAN-Netzwerk in Gaststätten und Restaurants sein, über das teltarif.de bereits im März berichtete. Daher sei es zu früh zu sagen, wie das wirkliche Modell am Ende aussehen wird. Denkbar sei, dass Kabel-Deutschland-Kunden die Hotpots günstiger oder kostenlos nutzen kann, während Fremdkunden (mehr) zahlen müssen. Denkbar sei auch ein Modell wie es FON anbietet: Kunden geben ihre eigenen WLAN-Router für Dritte frei und können gleichzeitig andere WLAN-Netze nutzen.

Denkbar ist auch, dass die Betreiber von Restaurants, Cafés oder Firmengebäuden die Anschlüsse an Kabel Deutschland bezahlen und die Kunden im Umkehrschluss kostenlos surfen können. Kabel Deutschland scheint ein mehr oder weniger flächendeckendes Netz in den Städten vorzuschweben. Theoretisch könnte sich Kabel Deutschland also auch an Projekten wie dem Stadt-WLAN in Berlin beteiligen. Ob es hier entsprechende Gespräche gab, gibt oder geben wird war nicht zu erfahren. von Hammerstein verwies hier mit einem Augenzwinkern auf die Sommerferien, in denen ohnehin keine Gespräche stattfinden würden. Ein Running Gag der Veranstaltung, zu dem der Kabel-Deutschland-Chef bei allen Fragen griff, zu denen er kein Statement abgeben wollte.

"In 20 Jahren ist Kabel auch Glasfaser bis zum Kunden

von Hammerstein warf auf der Veranstaltung auch einen Blick in die Zukunft und nahm Stellung zu der nie endenden Debatte zwischen Glasfaseranschlüssen und Kabel-Anschlüssen. Nach seiner Darstellung ist die Art, wie Kabel Deutschland sein Netz ausbaut, die effektivste. "Die Glasfaseranbieter bauen ein Milliarden Euro teures Netz bis zum Kunden, haben es in der Erde liegen und versuchen dann, das Netz voll zu bekommen", sagte er mit Blick auf den Wettbewerb.

Kabel Deutschland hat ein Netz mit Koaxialkabeln, über das sich rein technisch schon jetzt 5 GBit/s übertragen lassen würden. Der Netzausbau bei Kabel Deutschland sieht vor, dass das Glasfasernetz dort näher an den Kunden herangeführt wird, wo die Nachfrage entsprechend groß ist. Würden in einem Wohnblock viele Kunden 100-MBit/s-Anschlüsse buchen und entsprechend nutzen, würde das Glasfaser bis zum nächsten Verstärkerkasten geführt und erst ab dort werde dann das Koaxialkabel genutzt. In neuen Hochhäusern könnten auch die Glasfasern schon bis zum Haus gehen. "In 20 Jahren wird das Kabelnetz ein Glasfasernetz sein, das bis zum Kunden geht. Es ist jedoch evolutionär gewachsen."

Der schnellste vermarktete Tarif bie Kabel Deutschland ist aktuell ein Tarif mit 100 MBit/s im Downstream. 30 Prozent aller Neukunden, die den Tarif bekommen könnten, buchen ihn auch. Nur etwa 15 bis 20 Prozent machen allerdings davon Gebrauch, nach einem Jahr die Datenrate auf 32 MBit/s zu senken und 10 Euro weniger pro Monat zu bezahlen. "Wir hatten hier vor der Einführung dieser Möglichkeit mit einer Downgrade-Rate von 50 Prozent gerechnet", so von Hammerstein.

Auch Auswertungen des Anbieters zeigen: Kunden, die einen derartig schnellen Anschluss haben, nutzen ihn auch mehr und intensiver. Bestrebungen, den Upstream von derzeit maximal 6 MBit/s zu erhöhen, gibt es nicht. Auswertungen würden zeigen, dass die Kunden nicht mehr Upstream nachfragen würden. Überhaupt geht der Kabelnetzbetreiber davon aus, dass die Asymmetrie bei den Datenraten zunimmt, also der Downstream stärker wachsen wird als der Upstream.

Ende 2013 sollen 13,7 Millionen Kabel-Haushalte Internet haben

Bis Ende kommenden Jahres baut Kabel Deutschland an seinem Netz. Bis dahin sollen 13,7 Millionen Haushalte ihren Internetanschluss über Kabel beziehen können. Insgesamt bedient der Anbieter 15,3 Millionen Haushalte. Jene Haushalte, die durch eine Übernahme von Tele Columbus hinzu kämen, sind hier noch nicht einberechnet. Besonders stolz ist man dabei darauf, dass man nicht nur in Großstädten oder städtischen Bereichen tätig sei. Nach Angeben von Kabel Deutschland werden in den versorgten Bundesländern 46 Prozent aller Haushalte im ländlichen Bereich schnelles Internet bekommen können.

Am Wochenende hatte sich Kabel-Deutschland-Chef von Hammerstein in der Wirtschaftswoche zum Breitband-Boom geäußert. Er geht davon aus, das man hier noch am Anfang stehe. Auch bei TV-Inhalten, und hier insbesondere bei HD, verzeichnet der Anbieter einen Boom. Unlängst vermeldete der Anbieter dein einmillionsten zahlenden Kunden für HD-Inhalte.

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