Mit seinem
AppStore für das Apple
iPhone, das Apple
iPhone 3G,
iPhone 3G S und den Apple
iPod Touch hat
Apple ein wahres Ökosystem für
Software-Entwickler geschaffen. Mehr als 100 000 Applikationen
warten aktuell darauf, von den Nutzern auf ihre Geräte heruntergeladen zu
werden. Mittlerweile gibt es neben professionellen Programmierern größerer
Softwareschmieden auch eine Flut von Entwicklern, die als Klein-Unternehmer
versuchen, am Erfolg des AppStores teilzuhaben.
Dabei ist der Software-Shop des kalifornischen Geräte-Herstellers bei
weitem nicht das erste Angebot zur Verbreitung von mobilen Applikationen. Lange
vor Apple gab es mit Java-Anwendungen für
Symbian oder
Windows Mobile genügend
Möglichkeiten für Entwickler, entsprechende Software zu erstellen. Ebenso hat
Google mit
Android eine weitere
Entwicklungsumgebung geschaffen.
Dennoch schafft es vor allem Apple, besonders viele Software-Hersteller für
die AppStore-Entwicklungsumgebung zu gewinnen. Doch wie läuft die Herstellung
solch einer App eigentlich ab? Wie kommt diese in den AppStore? Und welches
Know-How und welche Werkzeuge benötigt man dafür? Diesen Fragen wollen wir im
Folgenden anhand unserer eigenen
iPhone-App, der mobilen
Version des 0180-Telefonbuchs, nachgehen.
Entwickelt und programmiert hat unsere App Thomas Lederer von ise-solutions,
der auch Entwickler von weiteren erfolgreichen Apps im AppStore ist.
App-Entwickler im Interview


Thomas Lederer
Entwickler von ise-solutions
Bild: ise-solutions
Herr Lederer, Sie sind Entwickler von erfolgreichen Apps wie dem "Kosten
Check D1" und unserem "0180-Telefonbuch". Wie entsteht eine solche
iPhone-App?
Wie bei jeder Software-Entwicklung benötigt man zunächst eine gute Idee für
eine App. Nach der Ideenfindung muss man sich dann in einem ersten Schritt
Gedanken zu den beabsichtigten Funktionen und der groben Gestaltung der
Benutzeroberfläche machen: Wie soll die App aufgebaut sein und welche Features
soll sie bieten. Danach kommt die eigentliche Programmierung.
Mit welchen Tools programmiert man iPhone-Apps? Und woher bekommt man
diese?
Zunächst einmal muss man sich für das iPhone Developer Programm bei Apple
registrieren. Dort erhält man dann die Möglichkeit, das so genannte SDK
(Software Developement Kit) herunterzuladen. Dieses bietet die XCode-Tools,
die für die App-Entwicklung nötig sind. Ebenso im Paket enthalten ist ein
iPhone-Simulator, auf dem man die iPhone-App testen kann. Der grundsätzliche
Download des SDK und die Entwicklung in XCode sind kostenlos. Für die
anschließende Veröffentlichung benötigt man dann eine Entwicklerlizenz, die
in Deutschland für 79 Euro jährlich erhältlich ist.
Benutzt Apple für seine Apps eine besondere Programmiersprache?
Ja. Apple hat für die App-Entwicklung das Cocoa Touch-Framework entwickelt,
eine Anpassung des bei Apple sonst üblichen Cocoa-Frameworks. In dessen
Bibliotheken, Programmierschnittstellen (APIs) und Runtimes kommt
Objective C zum Einsatz. Objective C ist eine objektorientierte
Programmiersprache, die Apple für sich aus der Programmiersprache C sowie
Smalltalk-Elementen entwickelt hat. Wenn man sich mit der Entwicklung von
Mac-Programmen auskennt, muss man nicht groß umdenken, es ist die gleiche
Entwicklungsumgebung.
Was passiert, wenn man die App fertig entwickelt hat, man also alle
Fehler bereinigt hat und im iPhone-Simulator alle Tests stattgefunden
haben?
Der iPhone-Simulator reicht in vielen Fällen nicht aus, um wirklich alle
Szenarien und Funktionen zu testen. Bevor man die App bei Apple einreicht,
ist es daher sinnvoll, diese zunächst einmal direkt auf iPhone oder iPod
Touch zu testen. Dafür benötigt man zunächst den unique device identifier
(UDID) des Gerätes, auf welchem man die App installieren will. Diesen kann
man mit angeschlossenem iPhone in iTunes sehen. Diese UDID wird dann
verwendet, um über seinen iPhone Entwicklungs-Account ein sog.
provisioning-profile zu erzeugen. Anschließend kann direkt aus der
Entwicklungsumgebung oder auch über iTunes die Applikation über USB auf
seinem Testgerät installieren und testen.
Jetzt ist die App hinreichend getestet. Wie kommt diese in den AppStore?
Damit die App in den AppStore gelangt, muss man sie bei Apple einreichen.
Dies erfolgt einfach über den Upload auf ein von Apple bereitgestelltes
Web-Portal "iTunes-Connect". Ein Reviewteam braucht dann aktuell etwa zwei
Wochen um die Applikation zu überprüfen. Ist diese aus Apple Sicht in
Ordnung, wird sie im AppStore verfügbar. Falls nicht, bekommt der Entwickler
einen Hinweis mit Ablehnung oder mit Aufforderung eine Korrekturversion zu
liefern.
Wurde Ihnen schon einmal eine App abgelehnt?
Ja, konkret ist dies beim 0180-Telefonbuch passiert. Das Review-Team hatte
festgestellt, dass der Button zur direkten Ersatznummern-Wahl in der App auch
bei iPod-Touch-Nutzern angezeigt wird. Da diese naturgemäß nicht wählen können,
erfolgte eine Ablehnung von Apple. Das Begründungsschreiben war allerdings sehr
nachvollziehbar und hilfreich, so dass wir den Fehler schnell beheben konnten.
Apple scheint sich in der Tat jede App sowie auch Updates genau anzusehen, wie
man hört sind aktuell 40 Vollzeit-Mitarbeiter für den Review zuständig.
Aufgrund der Vielzahl eingereichter Apps weltweit sind allerdings die
Wartezeiten sehr lang geworden.
Vielen Dank für das Interview, Herr Lederer.

Welche Arbeiten abseits der technischen Entwicklung nötig sind und welche
Funktionen die neue Version der 0180-Telefonbuch-App haben wird,
lesen Sie auf der nächsten Seite.
nächste Seite:
Neue Version der 0180-Telefonbuch-App in Kürze
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