Internet-Zugänge werden immer schneller. Noch schneller als
VDSL- und
DSL-Technologie sind aktuell
Kabel-Internet-Zugänge mit möglichen Datenraten von mehr als 100 MBit/s im Downstream. Möglich macht dies im Kabelnetz der Datenübertragungsstandard DOCSIS 3.0 (Data Over Cable Service Interface Specification). Mit der europäischen Variante EuroDOCSIS 3.0 sind sogar theoretisch Übertragungen mit bis zu 400 MBit/s denkbar. Wir zeigen Ihnen die Technik hinter dem Standard.
Schrittweise Anpassung des Standards an sich ändernde Gegebenheiten

Kabelverstärker
DOCSIS bezeichnet den Standard für die so genannte bidirektionale Daten-Übertragung im Kabelnetz - er kommt also nur in den mit einem Rückkanal versehenen Kabelnetzen zur Anwendung. Der DOCSIS-Standard wurde nach seiner Einführung 1997 ständig an neue Gegebenheiten angepasst. So wurden nach und nach Features wie die dynamische Dienstqualität (Quality of Service) für Telefonie über die Internet-Leitung (Voice over Cable), die Verbesserung der Upstream-Leistung oder - 2006 mit der Einführung der neuesten Version DOCSIS 3.0 - die Kanal-Bündelung eingeführt. DOCSIS ist bis zur Version 3.0 abwärtskompatibel und ermöglicht den parallelen Betrieb der anderen vorangegangenen Versionen des Standards.
Der an die TV-Normen der Kabelnetze in Europa angepasste EuroDOCSIS-Standard bietet eine um 2 MHz auf 8 MHz ausgebaute Frequenz-Bandbreite pro Kanal für den Downstream sowie eine Frequenz-Bandbreite von 5 bis 65 MHz pro Kanal für den Upstream, erklärt Kabel Deutschland. Bei einer Modulation mit QAM-256 und bei einer Symbolrate von 6,952 MSym/s (MSym/s steht für Megasymbole pro Sekunde) ergibt sich dann für einen Kanal ein Datendurchsatz von brutto 55,616 MBit/s bzw. - unter Abzug der Vorwärts-Fehlerkorrektur - ein Datendurchsatz von netto 51,254 MBit/s. Demgegenüber steht auf der Upstream-Seite ein Durchsatz von brutto 30,72 MBit/s bei einer Modulation mit QAM-64 sowie einer Symbolrate von 5,12 MSym/s.
Größere Reichweite als klassisches DSL sowie VDSL
Ein Pluspunkt im Vergleich zur DSL- oder VDSL-Technologie, den die Kabelnetz-Betreiber immer wieder hervorheben, ist die höhere Reichweite ihrer Infrastruktur. Die Distanz zwischen dem sogenannten Cable Modem Termination System (CMTS) und dem Kabel-Modem kann sich nach Informationen von Kabel Deutschland auf bis zu 160 Kilometer belaufen. Möglich wird diese Reichweite über das Zusammenspiel von Glasfaser- und Koaxialkabeln: Die Glasfaser übermittelt dabei Signale an zentrale Netzstellen oder auch tiefer in die Netzinfrastruktur, das Koaxialkabel indes verteilt die Signale weiter. Hierbei kann das Signal aktiv verstärkt werden.
Auch bei Kabel keine garantierten Bandbreiten

Vergleich Reichweite Kabel-Internet - DSL
Das besondere Merkmal von DOCSIS 3.0 im Vergleich zu den Vorgänger-Varianten ist die Möglichkeit, mehrere Kanäle beim Downstream als auch beim Upstream zu bündeln. "Einzelne physikalische Kanäle können so in einer Gruppe zusammengefasst und der Datenverkehr auf die verschiedenen Kanäle aufgeteilt werden", erklärt Kabel Deutschland weiter. Vier gebündelte Downstream-Kanäle mit einer Kanalbandbreite von 8 MHz und QAM-256 ermöglichten dann eine Datenübertragung mit bis zu 200 MBit/s. Bei acht gebündelten Downstream-Kanälen wären es dann sogar bis zu 400 MBit/s. Solche EuroDOCSIS-3.0-fähigen Kabel-Modems, welche die Bündelung von acht Downstream-Kanälen und vier Upstream-Kanälen unterstützen, sind schon im Handel erhältlich. Ein entsprechendes Modem empfängt aufeinanderfolgend über vier Kanäle aufgeteilte Datenpakete, setzt diese dann in der richtigen Reihenfolge zusammen und übermittelt die Informationen an den Ethernet-Port.

Cable Modem Termination System (CMTS)
Weil das Kabelnetz ein so genanntes "Shared Medium" ist, ist es auch den Kabel-Internet-Anbietern nicht möglich, die tatsächlich verfügbaren Bandbreiten zu garantieren - es verhält sich also wie bei DSL-Anbietern. Zum einen teilen sich möglicherweise mehrere Nutzer die Bandbreite an einem Kabel-Modem pro Haushalt. Zum anderen teilen sich die Anwender auch die verfügbare Bandbreite auf den Backbones. Sind Backbone oder die Backbone-Übergänge - auch Peering-Points genannt - unterschiedlicher beteiligter Anbieter überlastet, wird die für den Anwender verfügbare Datenrate reduziert.
Die Anbindung des Servers, über den der Anwender gerade Downloads durchführt, kann die Datenübertragung ebenfalls bremsen.
Damit sich durch eine höhere Auslastung der Kanäle durch mehrere parallel im Netz surfende Anwender nicht die Datenübertragungsraten spürbar abfallen, regelt das CMTS eine möglichst ausgewogene Lastverteilung. Wenn sich die Kapazität eines Kanals oder einer Kanalgruppe einem
definierten Schwellenwert nähert, wechselt das Kabel-Modem auf einen anderen, weniger ausgelasteten Kanal.
Für größere Datenraten könnte auch eine Ausweitung des Frequenzbereichs im TV-Kabelnetz von 862 MHz auf 1 GHz sorgen. Bei der internationalen DOCSIS-3.0-Variante ist diese Ausweiterung bereits vollzogen, bei EuroDOCSIS 3.0 indes unterblieb sie bisher. Auf Grund der gegebenen Bandbreite ergibt sich für das TV-Kabel eine Datenrate von maximal 6 GBit/s. Bei VDSL2 indes sind es dagegen 30 MHz Bandbreite und nur 0,1 GBit/s.
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