In einem
einführenden Artikel haben wir Ihnen die Grundlagen zu Spam erklärt - jetzt wollen wir
uns die Technik der Spammer und die technischen Möglichkeiten für den Kampf gegen Spam genauer ansehen.
Im Unterschied zu den vorbeugenden Maßnahmen des Spam-Selbstschutzes setzen
die folgenden automatischen Abwehrtechniken an, wenn das Postfach des Nutzers bereits mit Spam-Mails
bombardiert wird. Abwehrmaßnahmen können an zwei verschiedenen Stellen
vorgenommen werden.
Spam-Schutz durch die Provider
Zum einen kann der Provider auf dem Mailserver Schutzmaßnahmen ergreifen, bevor
die E-Mails von Kunden heruntergeladen werden. Einige Provider verwenden dazu
direkt ein E-Mail-Protokoll, bei dem der Mailserver die Versendung nur nach
einer Passwort-Übergabe erlaubt (so genanntes SMTP-Auth). Viele Betreiber sind
auch dazu übergegangen, keine E-Mails mehr von offenen Relays anzunehmen. Ebenso
pflegen viele Anbieter so genannte Blacklists, die bestimmte Versender-Adressen
ausschließen.
Spam-Filter im E-Mail-Programm
Neben diesen anbieterseitigen Schutzmaßnahmen kann jeder Nutzer während oder
nach dem Herunterladen von E-Mails auf dem eigenen Rechner bestimmte Maßnahmen
ergreifen. So verfügen E-Mail-Clients wie Thunderbird über integrierte Spam-Filter. Nutzer von Outlook können nachrüsten, etwa mit dem kostenlosen Spamfilter-Programm Spamihilator. Die Trefferrate dieser Art von Spam-Filter, den sogenannten Bayes-Filtern, wird um so besser, je mehr E-Mails bereits korrekt als Spam erkannt wurden. Hierzu ist es meist erforderlich, dass der Nutzer am Anfang der "Lernphase" manuell nachkorrigiert und fälschlich als Spam markierte E-Mails aus dem Spam-Ordner fischt, sowie nicht erkannten Spam nachträglich markiert. Nach kurzer Zeit arbeiten diese Spam-Filter jedoch recht zuverlässig und ersparen dem Nutzer eine Menge Arbeit.
Die Methoden der Spammer
Besonders einfach an Adressen gelangen Spammer über den weit verbreiteten
Adresshandel. Eine CD-ROM mit über hundert Millionen E-Mail-Adressen kann man in
Deutschland schon für unter hundert Euro kaufen. Das ist aber nicht der einzige
Weg, mit dem Spammer an Adressen gelangen. Vielfach bedienen sie sich einiger
der nachfolgend beschriebenen Methoden.
Adressen aufspüren: Die Brute-Force-Methoden
Bekannt ist das automatisierte Suchen nach E-Mail-Adressen mit spezieller Software, das so genannte Scanning oder auch Harvesting. Beide Vorgehensweisen lassen sich unter der Bezeichnung "Brute Force" zusammenfassen, da sie mit brutaler (Rechen- und Bandbreiten-)Kraft vorgehen. Solche Methoden treten verstärkt auf, seit breitbandige Internetverbindungen zu geringen Kosten verfügbar sind.
Harvesting- und Scanning-Tools suchen Newsgroups, Websites oder ganze
Mailserver nach E-Mail-Adressen ab. Per Software lassen sich so etwa Quellcodes
von Websites nach Adressen durchforsten. Durch den Klammeraffen (@) innerhalb und das
"mailto:" vor jeder E-Mail-Adresse lassen sich diese leicht aufspüren.
Mit spezieller Software können auch komplette SMTP-Server gescannt werden. SMTP
steht für Simple Mail Transfer Protocol und ist die Sprache, in der Mailserver
miteinander kommunizieren. Gemäß SMTP-Standard meldet ein empfangender Server
dem Sender, wenn er eine Mail nicht senden kann, weil die Adresse nicht
existiert. Dabei werden über den Mailserver, der die Spam-Mails verschickt,
einfach mehr oder minder systematisch gängige Kombinationen von üblichen
Adressnamen (etwa info@xxx.de, webmaster@xxx.com) durchprobiert, um an gültige
Adressen zu gelangen. Spammer können nun je nach Antwort des Servers
schlussfolgern, ob eine angegebene E-Mail-Adresse gültig ist oder nicht. Diese
Methode ist auch unter dem Namen "Wörterbuch-Attacke" bekannt. Nutzer, die sich
wundern, dass sie Spam erhalten, obwohl sie ihre E-Mail-Adresse noch nie
veröffentlicht haben, könnten Opfer einer solchen Brute-Force-Methode geworden
sein.
Spam-Versand mittels Relaying
Spammer nutzen fremde Mailserver, um ihre Anonymität zu gewährleisten, das so genannte Relaying.
Sogenannte offene Relays sind Mailserver, über die jeder (ohne Zugangskontrolle) E-Mail versenden
kann, also auch Spammer. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Offenheit
absichtlich oder wegen nachlässiger Systemadministration gegeben ist. Die
Adressen von offenen Relays finden die Spammer mit spezieller Software oder
direkt über im Internet kursierende Listen heraus.
Spam-Versand über Bot-Netzwerke
Sicherheitsexperten sehen eine unheilige Allianz zwischen kriminellen
Virenschreibern und Spam-Industrie. Die oft organisiert vorgehenden
Cyberkriminellen kapern die Computer von ahnungslosen Nutzern und bauen so
genannte "Bot-Netzwerke" auf, die Tausende oder gar
Zehntausende von Privat-Rechnern umfassen. Rechnerleistung inklusive Bandbreite
der Bot-Netze werden dann für den massenhaften Versand von Spam-Mails an die
Spam-Industrie vermietet. Spam-Mails wiederum sind zu einem erheblichen Anteil
für die Verbreitung von Viren verantwortlich - womit sich der Teufelskreis vom
Spam und Viren schließt.
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