Stromnetz

Powerline-Access: Wenige Angebote in Deutschland

Powerline-Zugänge sollten eine Alternative zu DSL- und Kabel-Breitband-Zugängen werden. Hier lesen Sie, in welchen Regionen es Anbieter gibt und warum sich Powerline als DSL-Ersatz nicht flächendeckend durchsetzen konnte.
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Powerline-Access: Angebote in DeutschlandPowerline-Access: Angebote in Deutschland Die Geschichte von Powerline liest sich wie ein Trauerspiel: Vier der größten Energieversorger Deutschlands (E.ON, RWE, EnBW und MVV) waren in der Hoffnung angetreten, mit der Powerline-Technologie ihre Stromnetze mit dem Mehrwert Telekommunikation aufzupeppen. Turbo-Internet mit Datenraten von anfangs 2 MBit/s und Telefonie aus der Steckdose wurden angekündigt - und nicht geliefert.

"Letzte Meile" und "funkende Kabel"

Die Idee, die hinter Powerline steckt, hat auf den ersten Blick durchaus ihren Reiz. Warum nicht das flächendeckend verbreitete Stromnetz mit einem zweiten Nutzen versehen und es zum Kommunikationsnetz machen? Zu Zeiten des Telekom-Monopols war dieser Gedanke zwar noch müßig, weil schlichtweg nicht erlaubt. Mit der Deregulierung des Telekommunikationsmarkts im Jahr 1998 änderte sich die Situation schlagartig. Energieversorgungsunternehmen und Technologiefirmen stürzten sich mit Enthusiasmus in die Aufgabe, funktionstüchtige Powerline-Systeme zu entwickeln. Vollmundig wurde angekündigt, das Telekom-Monopol auf der "letzten Meile" werde nun einen ernsthaften Konkurrenten bekommen.

Dummerweise tauchten alsbald massive Probleme auf. Während die Elektrizität für die Energieversorgung auf der standardisierten Frequenz von 50 Hz durch die Kupferadern rauscht, verwendet die Datenübertragung mit Powerline wesentlich höhere Trägerfrequenzen im Bereich von 150 kHz bis 30 MHz. Das bringt aber einen äußerst unangenehmen Nebeneffekt mit sich: Die Stromleitungen werden zu Antennen, deren Störfelder Funkdiensten - wie Polizei-, Militär- und Amateurfunk - in die Quere kommen können.

Stromleitungen als Antennen: Unmut der Amateurfunker

Im Lager der Amateurfunker hat Powerline deshalb erbitterte Feinde gefunden, die die "umweltverschmutzende" Technologie am liebsten verboten sähen. Die Störfeld-Problematik führte dazu, dass der Bundesrat erst im Frühjahr 2001 die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die kommerzielle Nutzung der Powerline-Technologie festschrieb. Wichtigste Voraussetzung: Funkdienste dürfen nicht gestört werden. Die damalige Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP), seit 2005 Bundesnetzagentur (BNetzA) genannt, gab in der ab Juli 2001 gültigen Nutzungsbestimmung 30 (NB 30) Grenzwerte für erlaubte Störfeldstärken vor und machte damit den Weg für Powerline frei.

Ein langes Leben sollte der NB 30 aber nicht beschieden sein. Die EU-Kommission urteilte, die Grenzwerte seien im europaweiten Vergleich viel zu streng, hebelte die NB 30 aus und forderte Nachbesserung. Heute wird Powerline unter anderem durch das Gesetz über die elektromagnetische Verträglichkeit von Betriebsmitteln (EMVG) und die Sicherheitsfunk-Schutzverordnung (SchuTSEV) reglementiert.

E.ON verabschiedet sich als Erster

Der Stromriese E.ON, der im Jahr 2000 noch mit Planzahlen von 50 000 Anschlüssen pro Monat gespielt hatte, war aus der Riege der Energieversorger mit Powerline-Ambitionen der Erste, der sich aus dem Geschäft verabschiedete. In einem Pilotprojekt hatte die E.ON-Tochter Avacon AG in Helmstedt die von der - inzwischen von der Bildfläche verschwundenen - Oneline AG entwickelte Powerline-Technologie erprobt. Im Dezember 2001 wurde das Projekt aufgegeben. Begründung: Die in der Nutzungsbestimmung 30 (NB 30) vorgegebenen Grenzwerte seien so niedrig, dass eine marktreife Powerline-Lösung noch zwei weitere Jahre Entwicklungszeit erfordert hätte.

Bruchlandung für RWEs hochfliegende Pläne

Pünktlich zum Erlass der NB 30 im Juli 2001 hatte RWE, der Energiekonzern mit Sitz in Essen, in Essen und Mülheim/Ruhr hoffnungsfroh das Powerline-Zeitalter eingeläutet. Die regionale Ausweitung des Powerline-Angebotes in an die Energieversorgung von RWE angeschlossene Gebiete sollte folgen, bis zum Jahresende sollten 20 000 Kunden gewonnen sein. Der Energiekonzern erlitt mit seinen hochfliegenden Plänen allerdings eine Bruchlandung. RWE hielt noch bis September 2002 durch und zog sich dann mit der sachlich falschen Aussage, seit den Terroranschlägen vom 11. September seien die Nutzungsbestimmungen verschärft worden und mehr Frequenzbänder müssten für sicherheitsrelevante Dienste freigehalten werden, aus dem Abenteuer Powerline zurück. Dass bis zur Einstellung des Dienstes nur etwa 2000 Kunden gewonnen werden konnten, hätte da wohl eher als wahres Motiv für den Ausstieg überzeugt.

EnBW legt expansive Aktivitäten auf Eis

Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) testete als Powerline-Pionier der ersten Stunde schon seit 1998 in mehreren Pilotprojekten die Praxistauglichkeit der Technologie. Zu einigem Aufsehen kam es im März 2001, als Siemens, der bisherige Technologielieferant, sich völlig überraschend aus der Powerline-Technologieentwicklung zurückzog. EnBW blieb der Powerline-Idee treu und wechselte auf den Schweizer Hersteller Ascom. Nachdem im Juli 2001 in Ellwangen das kommerzielle Powerline-Angebot bei den Stromkunden der EnBW Ostwürttemberg DonauRies AG gestartet und im Mai 2002 der Ausbau der Powerline-Infrastruktur abgeschlossen war, wurden alle expansiven Aktivitäten auf Eis gelegt - das Unternehmen wollte erst einmal genau die Wirtschaftlichkeit beobachten.

Mannheim ist weltweit die Nummer eins

Die MVV-Telekommunikationstochter MAnet führte am 1. Juli 2001 unter dem Produktnamen Vype das Internet via Powerline in der kurpfälzischen Quadratestadt ein. Mit etwa 125 000 erschlossenen Haushalten wurde eine flächendeckende Versorgung des Stadtgebietes erreicht - und das Angebot existiert auch heute noch.

Doch auch in Mannheim liefen die Geschäfte nicht immer zum Besten. Nachdem bis Anfang 2004 nur 4500 zahlende Kunden gewonnen werden konnten, übergab die MVV das Powerline-Geschäft an die Tochterfirma Power PLUS Communications AG (PPC).

PPC vermarktet Powerline-Komplettlösungen

Die von MVV und dem israelischen Technikausrüster MainNet gegründete PPC vermarktet Powerline-Komplettlösungen - Feldtests, Netzplanung, Lieferung der Main.net-Technologie und Aufbau von Billing-Systemen inklusive - an andere Energieversorger.

Hieraus entstanden Angebote zum Beispiel der Stadtwerke Hameln mit ihrem piper:net - der Name ist dem berühmten Stadtheroen geschuldet -, der Stadtwerke Haßfurt mit schnell-im-netz und der Gemeinde Hatzenbühl in Rheinland-Pfalz mit einem Powerline-Angebot von Vype.

Unsere Ratgeber zu Powerline