TV-Sender wollen Online-Inhalte für europaweites Publikum öffnen
20.03.2010 12:52
EBU stellt die Anträge an Europäische Kommission und Parlament
Die europäischen nationalen und öffentlich-rechtlichen
Fernsehsender starten eine neue Initiative um ihre TV-Sendungen ohne
komplizierte Urheberrechtsbestimmungen im
Internet anbieten zu dürfen.
Entsprechende Planungen kündigte Peter Weber, Vorsitzender des Rechtsausschusses von der
European Broadcasting Union (EBU),
in der New York Times an.
Ziel sei eine grenzüberschreitende Verbreitung von
Video-Inhalten sowie Livestreams in allen EU-Mitgliedsstaaten. Bislang können
aufgrund von IP-Blockern die Inhalte der Sender häufig jeweils nur im eigenen
Land angeschaut werden. Ursache sind komplizierte Abkommen mit Rechteinhabern. Die
bisherigen Regelungen sehen vor, dass etwa von Regisseuren, Schauspielern oder
Musikern jeweils spezielle Verbreitungsgenehmigungen zur Online-Nutzung für das
eigene Land eingeholt werden müssen.
Für eine Ausstrahlung im Ausland wären horrende Extra-Gebühren fällig.
An dessen Stelle soll eine pauschale
"Digital-Vergütung" für alle Verbreitungswege wie Kabel, Satellit und Online
treten, die für alle EU-Mitgliedsstaaten gilt.
Unterstützung durch EU-Kommissarin
Die EBU plant, die Anträge bereits in dieser Woche der Europäischen Kommission und
dem Europäischen Parlament vorzulegen. Geben die Gremien grünes
Licht, könnten etwa Dokumentationen oder Eigenproduktionen der Sender bald in allen
27 EU-Mitgliedsstaaten
im Internet ausgestrahlt werden. Lediglich bei Live-Sportevents und Spielfilmen habe
die EBU bisher keine Lösungsansätze gefunden; hier dürfte auch in Zukunft der Bildschirm
außerhalb des eigenen Landes schwarz bleiben. Unterstützung
bekommt die EBU von EU-Kommissarin Viviane Reding: "Es ist meine Schlüsselpriorität
in den folgenden Jahren einen vereinfachten und konsumentenfreundlichen Gesetzesrahmen
für die grenzüberschreitende Verfügbarkeit digitaler Inhalte in der gesamten EU
zu schaffen" sagte Reding.
Bereits seit Ende 2009 muss eine Richtlinie des Europäischen
Parlaments (Richtlinie 2007/65) von den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden,
wonach TV-Sender, die ihre Programme etwa im Internet live oder on Demand
ausstrahlen, die Inhalte in der gesamten EU anbieten sollen. Die Richtlinie ist unter
dem Motto "Fernsehen ohne Grenzen" ein Eckpfeiler der EU-Politik im
audiovisuellen Bereich. Sie beruht unter anderem auf dem Grundprinzip einer
freien Verbreitung der europäischen Fernsehprogramme innerhalb des
EU-Binnenmarktes. Dis komplizierten Urheberrechtslinien haben eine
Umsetzung bisher jedoch nicht möglich gemacht.
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