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Abschreiben online: Internet begünstigt Plagiate26.05.2009
12:53 Hochschulen besorgt über Betrugskultur unter Studenten
Im Internet sind heute zahllose wissenschaftliche
Arbeiten im Handumdrehen abrufbar. Da ist die Versuchung groß, fremde
Textpassagen einfach per Mausklick in die eigene Abschlussarbeit einzufügen.
Machen Studenten solche Zitate nicht kenntlich, ist das ein Verstoß, der
schwere Folgen haben kann. Im schlimmsten Fall droht Studenten der Ausschluss
von der Hochschule, wenn sie Plagiate abliefern.
"Bei wissenschaftlichen Arbeiten müssen Zitate und Übernahmen von Gedanken oder Argumenten aus anderen Werken immer mit einer Quelle belegt werden", erklärt Prof. Bernd Blöbaum vom Institut für Kommunikationswissenschaft (IfK) in Münster. Da viele Arbeiten im Internet einsehbar sind, wachse der Reiz, sich dieser Werke zu bedienen, wenn sie inhaltlich zur eigenen Arbeit passen. Die Motive für das Plagiieren seien zwar nachvollziehbar, sagt Sebastian Sattler, der an der Universität Bielefeld zu dem Thema geforscht hat. "Studenten erhoffen sich bessere Noten und einen geringeren Zeitaufwand", sagt der Soziologe. Viele gingen davon aus, dass sie nicht bestraft werden. Wer erwischt wird, muss aber schwere Strafen fürchten. In der Studienordnung der Universität Konstanz etwa steht, dass Plagiatoren ihren Prüfungsanspruch verlieren. In schwerwiegenden Fällen sei auch der Anspruch auf eine Wiederholungsprüfung verwirkt. "Das kommt einer Zwangsexmatrikulation gleich", warnt Karina Dudek von der Hochschulrektorenkonferenz in Bonn. Aus Urheberrechtsverletzung kann auch Betrug werden"Im Fall eines Plagiats liegt zunächst eine Urheberrechtsverletzung vor", erklärt Rechtsanwalt Hauke Scheffler aus München.
Entdeckt ein wissenschaftlicher Autor geklaute Passagen aus seinem Text in einer anderen Publikation, könne er auf Unterlassung klagen. "Mögliche Titel werden dem Plagiator schlimmstenfalls von der Universität aberkannt", sagt Dudek. Die Menge der irregulären Textübernahme spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle, erklärt Stefan Weber, Buchautor und Medienwissenschaftler in Dresden. "Als Wissenschaftler oder Absolvent vergisst man Anführungszeichen nicht einfach." Wachsende Bedeutung des Internets in der Lehre wird zum ProblemGrundsätzlich gilt das Internet in der Wissenschaft als immer wichtigeres Hilfsmittel. Aufwendige Literaturrecherchen können mit seiner Hilfe zeitsparend am Computer erledigt werden. Auch Vorlesungsmaterial wird von Professoren immer öfter online bereitgestellt. "Gleichzeitig hat das Internet aber entscheidend dazu beigetragen, dass Plagiate schneller und effizienter angefertigt werden können", kritisiert Weber. Er spricht von einer regelrechten Betrugskultur, die sich unter manchen Studenten ausbreite: "Durch das Kopieren anderer Texte aus dem Internet erstellen Studenten in Abschlussarbeiten häufig nur noch Web-Collagen", glaubt er. Die eigentliche Forschung verkomme so zum bloßen Recyceln früherer Wissenschaftserkenntnisse. Innovationen blieben aber auf der Strecke, wenn nur noch abgeschrieben wird. Nicht jeder Abschreiber handelt mit VorsatzWebers Rechnung zufolge gibt es mehrere tausend Fälle, in denen in Abschlussarbeiten abgekupfert wurde. Allerdings würden solche Vergehen nur selten aufgedeckt. "Die Universitäten sind in diesem Zusammenhang auch darauf bedacht, ihren guten Ruf zu wahren", sagt Weber. Prof. Blöbaum will Abschreiber nicht gleich als vorsätzliche Betrüger abstempeln. Nicht selten seien persönliche Probleme wie eine Krankheit oder Zeitnot Gründe dafür, dass die Angabe von Quellen in Textpassagen einer Arbeit fehlt. Der Kommunikationswissenschaftler versucht in solchen Fällen zunächst, in einem persönlichen Gespräch die Hintergründe zu klären. "Die Grundlage für eine wissenschaftliche Zusammenarbeit ist immer noch Vertrauen", sagt Blöbaum.
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dpa / Steffen Herget
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