Internet-Ausschuss soll Bundestag bei Gesetzgebung helfen
26.11.2012 16:57
Empfehlung kommt aus den Reihen der Enquete-Kommission
Von dpa /
 Deutscher Bundestag soll ständigen Internet-Ausschuss zur Seite gestellt bekommen
Ein ständiger Internet-Ausschuss soll den Bundestag
künftig dabei unterstützen, die Gesetzgebung an die Bedingungen der
digitalen Gesellschaft anzupassen. Diese Handlungsempfehlung
beschloss heute die Enquete-Kommission des Bundestags in Berlin.
Ein solcher Ausschuss sei "zumindest für den Übergang in Zeiten der
digitalen Revolution sehr angebracht", sagte der Leiter der
zuständigen Enquete-Projektgruppe, Konstantin von Notz (Grüne). Für
die FDP erklärte der Abgeordnete Jimmy Schulz: "Wir brauchen einen
Ausschuss, der die Empfehlungen dann auch in Tagespolitik umsetzt."
Jetzt gehe es darum, auch das Plenum des Bundestags davon zu
überzeugen.
Mit der Verabschiedung eines Zwischenberichts zum Thema
"Demokratie und Staat" habe die im Mai 2010 vom Bundestag eingesetzte
Kommission die Zielgerade erreicht, sagte der Vorsitzende Axel
Fischer (CDU). Nach Anzahl und Umfang ihrer Berichte sei die
Enquete-Kommission "eine der schnellsten und effektivsten, die der
Bundestag je hervorgebracht hat". Das Gremium beriet heute auch
über die Themen Wirtschaft, Arbeit und "Green IT", also eine
umweltbewusste Nutzung der Informationstechnik.
Der Bericht plädiert dafür, dass sich alle Internet-Nutzer anonym
äußern dürfen - auch in sozialen Netzwerken wie Facebook: "Eine
anonyme oder pseudonyme Nutzung des Internets ermöglicht es den
Bürgerinnen und Bürgern, im Einzelfall und nach ihrem eigenen
Dafürhalten eine Meinung frei artikulieren zu können, ohne eine
unmittelbare Ächtung oder aber andere Nachteile hierfür befürchten zu
müssen." Allerdings könnten "politische Debatten von einer
namentlichen Zuordnung und persönlichen Verantwortung der Beiträge
profitieren", heißt es in dem Bericht.
Enquete-Kommission empfiehlt Einbeziehung von Bürgerinnen und Bürgern
Zu den Empfehlungen der Enquete-Kommission Internet und Digitale
Gesellschaft gehört es außerdem, dass jeder Bundestagsausschuss zu
Beginn einer Wahlperiode "Regelungen zur Einbeziehung von
interessierten Bürgerinnen und Bürgern treffen kann". Dies können
Fragen oder eigene Stellungnahmen zu Gesetzentwürfen sein.
An der Mehrheit der Koalitionsparteien CDU/CSU und FDP scheiterte
eine Initiative der Oppositionsvertreter in der Enquete, die
verfassungsrechtliche Verankerung eines Grundrechts auf
Informationszugang zu prüfen. Der SPD-Abgeordnete Gerold Reichenbach
sagte: "Der Skandal liegt oft nicht in der Information, sondern im
Versuch, diese geheim zu halten." Der von den Grünen als
Sachverständiger berufene Netzaktivist Markus Beckedahl fügte hinzu:
"Wir Bürger brauchen Informationsfreiheit, um unsere Kontrollfunktion
auszuüben."
Die Enquete-Kommission wurde im Mai 2010 vom Bundestag eingesetzt.
Das Gremium besteht aus jeweils 17 Abgeordneten und
Sachverständigen. Als 18. Sachverständiger werden auch interessierte
Bürger mit ihren Beiträgen gehört, die sie auf einer Online-Plattform
einbringen können. Der Bundestag will im nächsten Jahr über die
Ergebnisse der Kommission beraten.
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