Integriert

Neue Testplattform für 5G-Dienste

Für 5G-Übertragungen wird derzeit noch ein dedizierter Server mit nur wenigen Spezial­komponenten benötigt. Weitere Verkleinerungsschritte werden folgen.
Vom Mobile World Congress in Barcelona berichtet
AAA
Teilen (6)

Ist Intel für die 5G-Zukunft gut gerüstet?Ist Intel für die 5G-Zukunft gut gerüstet? Die Standardisierung des LTE-Nachfolgers, 5G, ist erst für die kommenden Jahre geplant. Dennoch läuft die Entwicklung von 5G-Geräten, insbesondere von Basis­stationen und Smartphone-Entwicklungs­plattformen, bereits auf Hochtouren.

Wettstreit um Einfluss auf 5G-Standard

Ziel der Entwickler ist derzeit, sich für die 5G-Technologie besonders wichtige Patente zu sichern, und anschließend die 5G-Standardisierung dahingehend zu beeinflussen, dass der Standard diese Patente auch verwendet. Das ist kein einfaches Spiel, denn noch ist unklar, wie der 5G-Standard im Detail überhaupt aussehen wird. Und da jeder der Beteiligten gleicher­maßen das Interesse hat, die eigenen Technologien optimal im Standard unter­zubringen, und zugleich die Nutzung fremder Technologie zu minimieren, steht noch einiges an Hauen und Stechen bevor.

Am 5G-Patent-Rennen beteiligen sich auch unerwartete Mitspieler, zum Beispiel der führende Hersteller von Desktop- und Server-Prozessoren, Intel: Deren heute auf dem Mobile World Congress in Barcelona vorgestellte 5G-Testplattform basiert auf einem dediziert entwickelten RF-Chip, der das Signal bei bis zu 28 GHz sendet und empfängt, sowie generischer Hardware (so genannte FPGAs und Core-i7-Prozessoren), die die aufwendigen Baseband-Berechnungen zur Modulation und Demodulation des Signals übernimmt. Später wird zumindest in Endgeräten die Baseband-Funktion von dedizierter Hardware übernommen. Der Stromverbrauch sinkt dadurch von deutlich über 100 Watt auf unter 1 Watt.

Vor- und Nachteile von allgemeinen Chips in Basisstationen

Intel 5GAicha Evans: "5G ist unsere Zukunft" In Basisstationen wird die Baseband-Funktion hingegen oft weiterhin von allgemeinen Chips erbracht. Das bringt zwar den Nachteil eines deutlich höheren Platzbedarfs und Strom­verbrauchs, hat jedoch den Vorteil, dass sich Änderungen und Weiterentwicklungen der Netzwerkstandards per Software-Update in die Basisstation einspielen lassen. Die Netztechniker sprechen von Software Defined Radio. Für 4G-Basisstationen ist diese Technologie derzeit Standard. Wird die Baseband-Funktion hingegen in Hardware gegossen, muss für wesentliche Upgrades des Netzstandards die Hardware getauscht werden. Das zieht erhebliche Hardware- und Service-Kosten nach sich.

Die von den 5G-Protagonisten genannten Eckdaten, insbesondere Massive MIMO mit 64 oder mehr Kanälen, Bandbreiten von Dutzenden an Gigabit pro Sekunde pro Zelle, und Zellradien von 100 Metern und darunter, lassen allerdings daran zweifeln, dass sich künftige 5G-Netze mit Software Defined Radio effizient betreiben lassen. Für die aktuellen 5G-Tests ist Software Defined Radio sicher unumgänglich. Nur damit ist man flexibel genug, um auf die bis zur endgültigen Standardisierung in schneller Folge zu erwartenden Standard-Updates reagieren zu können. Ab der Standardisierung beginnt dann das Rennen, wer am schnellsten stromsparende und standard-konforme 5G-Chips entwickelt. Für Smartphones und andere mobile Endgeräte sind diese unumgänglich, für Basisstationen zumindest eine Option.

Intel ist gemäß der heutigen Ankündigung beim Software Defined Radio angekommen. Da waren Ericsson, Nokia, ZTE und Co. aber schon letztes Jahr. Wird Intel weiter aufholen? Die Bedeutung des Rennens hat Intel bereits erkannt: "5G ist unsere Zukunft" erklärte Aicha Evans, Vizepräsidentin von Intel und Managerin der Gruppe Kommunikation und Endgeräte.

In einer weiteren Meldung sind wir auf die aktuellen 5G-Pläne von Ericsson eingegangen.

Teilen (6)

Mehr zum Thema 5G