Haustürgeschäfte

Handyverträge & Co: Keine Hast zwischen Tür und Angel

Ein DSL- oder Handy-Vertrag ist schnell an der Haustür unterzeichnet. Was dabei zu beachten ist, und ob ein Widerrufsrecht besteht, lesen Sie hier.
Vom teltarif.de-Team zusammengestellt
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Geschichten von aufgeschwatzten Verträgen gibt es immer wieder: Mancher Vertreter bewegt Neukunden zum Abschluss eines Kontraktes für einen Highspeed-Internetzugang, obwohl im Haushalt gar kein Computer vorhanden ist. Andere wiederum werden Neukunde bei einem Mobilfunkanbieter, obwohl sie schon einen Handy-Vertrag ihr Eigen nennen. Dabei entpuppt sich der vermeintlich günstige Zweit-Vertrag dann manchmal auch noch als besonders kostspielig.

Wenn der Vertreter klingelt

Es kann schon einmal vorkommen, dass Vertriebs­mitarbeiter für Handy- oder DSL-Verträge straßenzug- oder wohnviertel­weise Leute in ihren Wohnungen aufsuchen. Sie versuchen, ihre Produkte zu verkaufen - besonders in Zeiten des großen Konkurrenz­drucks zwischen Anbietern und sinkender Preise für Mobilfunk- und Internetdienste.

Wenn der Vertreter an der Haustür steht, fühlt sich der Aufgesuchte oft unter Druck gesetzt. Manch ein Außendienst­mitarbeiter argumentiert auch geschickt mit attraktiven Schnäppchen und Vergünsti­gungen, die angeblich nur in einem begrenzten Aktions­zeitraum angeboten werden.

Gelassen bleiben - gerade wenn Verkäufer Druck macht

In der Praxis besteht jedoch kein Grund zur Eile. Bei den Haustür­geschäften werden in der Regel keine außer­gewöhnlich günstigen oder anderweitig attraktiven Produkte aus den Bereichen Mobilfunk und Internetanschluss unterbreitet - alle Offerten lassen sich in der Regel auch regulär im stationären Handel oder im Onlineshop des Anbieters bestellen. Die Gefahr, ein Schnäppchen zu verpassen, ist somit gering.

In der Ruhe liegt die Kraft

Hilfe bei HaustürgeschäftenFachanwalt Hagen Hild "Von einem Vertragsabschluss zwischen Tür und Angel ist generell abzuraten", weiß Hagen Hild, Fachanwalt für IT-Recht aus Augsburg - unabhängig davon, ob das Verkaufsgespräch innerhalb der Räumlichkeiten des "Opfers" oder in der Fußgänger­zone stattfindet. Ein in der Eile abgeschlossenes Paket kann sich nämlich als teures Vergnügen herausstellen, wenn Sie einen zusätzlichen Mobilfunk-Vertrag gar nicht benötigen.

Was gilt bei Haustürgeschäften?

Hild gibt zudem zunächst den naheliegenden Tipp, voreilige Entscheidungen und Unter­schriften unter Verträgen zu vermeiden, die Sie unzureichend studiert haben. Bestehen Sie darauf, bei Ansprache zum Beispiel in der Fußgänger­zone den Vertrag zur Prüfung mit nach Hause nehmen zu können. Bei jeglicher Art von Kontrakt lohnt dabei bekanntermaßen ein ausgiebiger Blick ins Kleingedruckte.

Wurden Sie an der Haustür oder im öffentlichen Raum überrumpelt, steht Ihnen ein Widerrufsrecht innerhalb von 14 Tagen zu. Fehlt eine Belehrung über das Widerrufs­recht im Vertrags­formular oder ist diese unvollständig oder falsch, kann der Kontrakt sogar jeder­zeit widerrufen werden. Eine Begründung für Ihren Rücktritt müssen Sie nicht liefern, der Widerruf muss jedoch in Textform (E-Mail, Telefax oder per Brief) erfolgen.

Widerrufs­recht gilt nicht immer

Wollen oder müssen Sie den Widerruf später beweisen, empfiehlt es sich, diesen per Telefax oder schriftlich per Einschreiben - Einwurfeinschreiben genügt - zu erklären. Auch ein Widerruf per E-Mail genügt als Beweis, hier muss allerdings das angeschriebene Unternehmen auf die E-Mail antworten, um dokumentieren zu können, dass – und wann - die E-Mail mit dem Widerruf angekommen ist.

Doch das Widerrufs­recht gilt nicht immer: Wer einen Kauf­gegenstand mit einem Preis von unter 40 Euro direkt bezahlt und mitgenommen hat, hat kein Widerrufs­recht. Zudem gilt der Ausschluss, wenn Sie den Vertreter ausdrücklich zu sich nach Hause bestellt haben.

Telefonisch abgeschlossene Verträge

Überaus lästig können Werbeanrufe per Telefon sein. Geschulte Callcenter-Agents locken mit einem angeblichen Gewinn oder überreden zur Teilnahme an einer Meinungsumfrage. Dies ist jedoch natürlich nur ein Vorwand, um neue Telefontarife und andere Verträge an den potenziellen Neukunden zu bringen.

Rechtlich ist dabei Telefon­werbung ohne vorheriges Einverständnis nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) wettbewerbs­widrig und verboten. Bei fast allen Verbraucher­verträgen, die Sie telefonisch, online oder per E-Mail abgeschlossen haben, besteht ein Vertrags-Widerrufsrecht innerhalb von mindestens 14 Tagen nach Übersendung einer vollständigen und korrekten Widerrufs­belehrung in Textform (E-Mail, Telefax oder schriftlich).

Eine Neuregelung des "Gesetzes zur Bekämpfung unerlaubter Telefon­werbung und zur Verbesserung des Verbraucherschutzes bei besonderen Vertriebsformen" ist übrigens vor geraumer Zeit in Kraft getreten, die die Verbraucherinteressen stärkt und das UWG ergänzt. Demnach dürfen zum Beispiel Anrufer bei Werbeanrufen ihre Rufnummer nicht mehr unterdrücken.

Checkliste: Das sollten Sie vor Vertragsabschluss beachten

  • Wie lang ist die Mindestvertragslaufzeit des Vertrages?
  • Welche Kündigungsfrist besteht?
  • Wie hoch sind einmalige Gebühren, zum Beispiel für die Einrichtung?
  • Gibt es einen Mindestumsatz?
  • Auf welche Minuten- oder Verbrauchspreise lassen Sie sich ein?
  • Beachten Sie die Laufzeit von gegebenenfalls bestehenden Verträgen, um nicht doppelt zu zahlen.
  • Welche Konditionen gelten bei einem Umzug?

Allgemein

Unsere Ratgebertexte und rechtlichen Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung - diese können und dürfen wir nicht erteilen. Erste Anlaufstelle bei Problemen mit einem Haustür- oder Telefongeschäft ist die Verbraucherzentrale, außerdem kann die Wettbewerbszentrale gegen unseriöse Geschäfte­macher vorgehen - und im Zweifel hilft in jedem Fall ein passender Anwalt weiter.

Urteile zur Telefon- und Internetnutzung