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Glasfaser-Feldversuch: Vodafone und Huawei lassen Daten rasen

Mehr als 2 Terabit pro Sekunde über Tausende Kilometer
AAA

Netzwerk-Ausrüster Huawei und Provider Vodafone haben zusammen einen Feldversuch mit neuen Technologien für Glasfaser­netze durchgeführt und dabei Daten in sehr hoher Geschwindigkeit über große Strecken transportiert. Mit 2 Terabit pro Sekunde rasten die Daten über die Leitungen, und das über eine Strecke von mehr als 3 325 Kilometer. Die Geschwindigkeit ist damit nach Angaben von Huawei und Vodafone rund 20 mal höher, als in derzeit genutzten 100-Gigabit-Netzen. Erreicht wurden die hohe Geschwindigkeit und die lange Strecke durch den Einsatz neuer Bauteile sowie einer Spielart der bereits bekannten Wavelength-Divison-Multiplexing-Technologie (WDM).

Vodafone und Huawei testen Glasfaser-NetzeVodafone und Huawei testen Glasfaser-Netze Durch den Boom mobiler Geräte wie Smartphones und Tablets steigt der Datenverkehr immer weiter an, Netzbetreiber setzen daher verstärkt auf sogenannte 100G-Netzwerke, arbeiten aber auch an noch schnelleren optischen Übertragungs­techniken. Bei dem jetzigen Feldtest hat Huawei bis zu 100 Gigabit pro Sekunde auf jedem Kanal übertragen. Durch den Einsatz eines bei Funktechnologien bereits bewährten, in der Glasfasertechnologie aber noch recht neuen Modulationsverfahrens (Super-Channel-PDM-16QAM) können bis zu 4 Bit pro Signal übertragen werden. Dies ermöglicht die Übertragung über Distanzen von bis zu 1 500 Kilometer Leitungs­strecke ohne zu großes Rauschen. Mit der einfacheren Super-Channel-Nyquist-PDM-QPSK-Modulation sinkt die Leistung auf 2 Bit pro Signal ab, dafür steigt die maximale Leitungslänge auf mehr als das Doppelte auf 3 325 Kilometer.

Mit Hilfe von CWDM (Coarse Wavelength Division Multiplex) können zudem bis zu 18 dieser 100-GBit/s-Kanäle auf eine Glasfaser geschaltet werden. So lassen sich die Kapazitäten abermals vervielfachen und am Ende ein Datendurchsatz von 2 Terabit pro Sekunde erreichen. Zwar sind mit DWDM sogar noch höhere Datenraten möglich, allerdings unter größerem technischen Aufwand - und zu deutlich höheren Kosten.

Verstärkung durch Laser und bestimmte Fasern

Bei beiden Übertragungen kamen G.652-Fasern und ein Erbium-dotierter Faserverstärker (EDFA = Erbium Doped Fiber Amplifier) ohne elektrischen Verstärker zum Einsatz. Das Signal wird verstärkt, indem das Licht eines recht starken so genannten Pump-Lasers in die Faser eingekoppelt wird. Die Erbium-Atome übertragen die Energie aus dem Pump-Laserstrahl auf die Daten-Laserstrahlen. Der Feldversuch wurde in einigen Städten in Mittel- und Süddeutschland im Backbone-Netzwerk von Vodafone durchgeführt.

Bei Huawei selbst war die Freude über den geglückten Feldversuch groß: "Wir sind an der Spitze beim weltweiten Einsatz von 100G-Netzwerken und haben eine Führungsrolle übernommen, wenn es darum geht, neue Technologien jenseits von 100G zu entwickeln", so Jack Wang, Präsident von Huaweis Transport Network Produktlinie. "Durch die Zusammenarbeit mit Vodafone und anderen führenden internationalen Netzbetreibern und unsere kundenorientierte Forschung und Entwicklung ist Huawei bestens aufgestellt, um seinen Kunden fortschrittliche optische Netzwerke zu bieten."

WDM schon fast ein alter Hut

WDM an sich ist keine wirklich neue Technologie, bereits vor zehn Jahren wurden intensive Tests damit durchgeführt, heute wird sie weitreichend eingesetzt. Die Telekom erreichte damals bereits extrem schnelle Übertragungs­raten von 2,5 Terabit pro Sekunde, allerdings nicht im Praxiseinsatz, sondern nur über kürzere Strecken. Generell eingeführt wurde WDM sogar schon 1998. Dem Marktforschungs­unternehmen Ovum zufolge ist Huawei derzeit Marktführer im WDM/OTN-, 40G-, 100G- und im weltweiten optischen Netzwerk-Markt (Q3 2012). Im Labor wurden inzwischen über 50 TBit/s auf einer Faser erreicht. Das besondere am Test von Huawei und Vodafone ist, dass er unter Praxisbedingungen durchgeführt wurde. Er zeigt, dass sich das Backbone-Netz von Vodafone bei Bedarf zu vertretbaren Kosten in den Terabit/s-Bereich hochrüsten lässt.

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