Glasfaser-Feldversuch: Vodafone und Huawei lassen Daten rasen
24.01.2013 19:00
Mehr als 2 Terabit pro Sekunde über Tausende Kilometer
Von
 Vodafone und Huawei testen Glasfaser-Netze
Netzwerk-Ausrüster Huawei und Provider
Vodafone haben zusammen einen Feldversuch mit neuen
Technologien für Glasfasernetze
durchgeführt und dabei Daten in sehr hoher Geschwindigkeit über große
Strecken transportiert. Mit 2 Terabit pro Sekunde rasten die Daten
über die Leitungen, und das über eine Strecke von mehr als 3 325 Kilometer.
Die Geschwindigkeit ist damit nach Angaben von Huawei und Vodafone rund
20 mal höher, als in derzeit genutzten 100-Gigabit-Netzen. Erreicht wurden
die hohe Geschwindigkeit und die lange Strecke durch den Einsatz neuer Bauteile
sowie einer Spielart der bereits bekannten Wavelength-Divison-Multiplexing-Technologie (WDM).
Durch den Boom mobiler Geräte wie Smartphones
und Tablets steigt der Datenverkehr immer weiter an,
Netzbetreiber setzen daher verstärkt auf sogenannte 100G-Netzwerke, arbeiten
aber auch an noch schnelleren optischen Übertragungstechniken. Bei dem
jetzigen Feldtest hat Huawei bis zu 100 Gigabit pro Sekunde auf jedem Kanal
übertragen. Durch den Einsatz eines bei Funktechnologien bereits bewährten, in
der Glasfasertechnologie aber noch recht neuen Modulationsverfahrens
(Super-Channel-PDM-16QAM) können bis zu 4 Bit pro Signal
übertragen werden. Dies ermöglicht die Übertragung über Distanzen von bis zu
1 500 Kilometer Leitungsstrecke ohne zu großes
Rauschen. Mit der einfacheren Super-Channel-Nyquist-PDM-QPSK-Modulation sinkt die Leistung auf 2 Bit pro Signal
ab, dafür steigt die maximale Leitungslänge auf mehr als das Doppelte auf 3 325 Kilometer.
Mit Hilfe von CWDM (Coarse Wavelength Division Multiplex) können zudem bis zu
18 dieser 100-GBit/s-Kanäle auf eine Glasfaser geschaltet werden. So lassen sich
die Kapazitäten abermals vervielfachen und am Ende ein Datendurchsatz von
2 Terabit pro Sekunde erreichen. Zwar sind mit DWDM sogar noch höhere Datenraten möglich, allerdings
unter größerem technischen Aufwand - und zu deutlich höheren Kosten.
Verstärkung durch Laser und bestimmte Fasern
Bei beiden Übertragungen kamen G.652-Fasern und ein Erbium-dotierter
Faserverstärker (EDFA = Erbium Doped Fiber Amplifier) ohne elektrischen
Verstärker zum Einsatz. Das Signal wird verstärkt, indem das Licht eines recht
starken so genannten Pump-Lasers in die Faser eingekoppelt wird. Die Erbium-Atome
übertragen die Energie aus dem Pump-Laserstrahl auf die Daten-Laserstrahlen. Der Feldversuch wurde in
einigen Städten in Mittel- und Süddeutschland im Backbone-Netzwerk von Vodafone
durchgeführt.
Bei Huawei selbst war die Freude über den geglückten Feldversuch groß: "Wir sind
an der Spitze beim weltweiten Einsatz von 100G-Netzwerken und haben eine
Führungsrolle übernommen, wenn es darum geht, neue Technologien jenseits von
100G zu entwickeln", so Jack Wang, Präsident von Huaweis Transport Network
Produktlinie. "Durch die Zusammenarbeit mit Vodafone und anderen führenden
internationalen Netzbetreibern und unsere kundenorientierte Forschung und
Entwicklung ist Huawei bestens aufgestellt, um seinen Kunden fortschrittliche
optische Netzwerke zu bieten."
WDM schon fast ein alter Hut
WDM an sich ist keine wirklich neue Technologie, bereits vor zehn Jahren wurden
intensive Tests damit durchgeführt, heute wird sie weitreichend eingesetzt. Die
Telekom erreichte damals bereits extrem schnelle
Übertragungsraten von 2,5 Terabit pro Sekunde, allerdings nicht im
Praxiseinsatz, sondern nur über kürzere Strecken. Generell
eingeführt wurde WDM sogar schon 1998. Dem
Marktforschungsunternehmen Ovum zufolge ist Huawei derzeit Marktführer im
WDM/OTN-, 40G-, 100G- und im weltweiten optischen Netzwerk-Markt (Q3 2012). Im Labor
wurden inzwischen über 50 TBit/s auf einer Faser erreicht. Das besondere am Test
von Huawei und Vodafone ist, dass er unter Praxisbedingungen durchgeführt wurde. Er zeigt,
dass sich das Backbone-Netz von Vodafone bei Bedarf zu
vertretbaren Kosten in den Terabit/s-Bereich hochrüsten lässt.
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