Spionage

Huawei wehrt sich gegen Anschuldigungen aus USA und EU

Medienoffensive: Management gibt zahlreiche Interviews
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Huawei-Vorstandsmitglied Chen LifangHuawei-Vorstandsmitglied
Chen Lifang
Das chinesische Unternehmen Huawei wehrt sich gegen zahlreiche Anschuldigungen aus den USA und Europa. Während der US-Kongress weiterhin auf Sicherheitsbedenken und Spionagevorwürfen gegen den Netzwerkausrüster und Handy-Hersteller beharrt, richten sich die Vorwürfe der EU vor allem auf unlauteren Wettbewerb durch Huawei und mutmaßliche staatliche Subventionen aus China. Mehrere Spitzenmanager des Konzerns versuchten heute in Interviews mit der Nachrichtenagentur dpa und weiteren deutschen Medien am Hauptsitz im südchinesischen Shenzhen, die Bedenken gegenüber ihrem Unternehmen zu zerstreuen.

Verdächtigungen aus US-Kongress nicht vom Tisch

Ein Ausschuss des US-Kongresses hatte Anfang Oktober gewarnt, Huawei und ZTE seien eine potenzielle Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA. Ihnen könne "nicht vertraut werden, frei vom Einfluss der Regierung" zu sein. Befürchtet werden Cyber-Attacken aus China. Cisco hatte daraufhin seine Zusammenarbeit mit Huawei und ZTE beendet, lässt aber nach wie vor - ebenso wie die konkurrierenden Netzwerkausrüster Alcatel-Lucent und Ericsson - in China Komponenten für seine Produkte fertigen.

Huawei gibt nun an, zu allen Testverfahren in den USA bereit zu sein und sogar Quelltexte seiner Software offenzulegen, um die Vorwürfe des Kongress-Ausschusses zu entkräften. In Großbritannien gebe es schon ein Prüfzentrum, wo amtlich beglaubigte Experten unabhängig die Produkte des zweitgrößten Netzwerksausrüsters der Welt testeten. Für die USA könne es auch andere Lösungen geben.

"Wir haben niemals Cyber-Hacking für die Regierung unternommen und werden es auch niemals tun", betonte Konzernsprecher Scott Sykes. Wenn das so wäre, könnte Huawei sein globales Geschäft abschreiben. "Das wäre unternehmerischer Selbstmord." Er vermutet Protektionismus hinter den US-Warnungen.

"Es muss klar sein, was genau die USA besorgt und wie sie es lösen möchten", sagte auch Vorstandsmitglied Chen Lifang. Huawei sei in 140 Ländern aktiv und arbeite mit 45 der 50 größten Netzwerkbetreiber der Welt zusammen. Rund drei Milliarden Menschen benutzten verschiedenste Produkte von Huawei. "Es gab bis jetzt nicht ein einziges größeres Sicherheitsproblem", sagte die Spitzenmanagerin.

Ganz korrekt ist das nicht, denn es gibt durchaus bekannte Sicherheitsprobleme mit Huawei-Geräten. So schlugen Meldungen über die von Felix Lindner auf der Defcon im Juli vorgestellten Schwachstellen in Huawei-Routern durchaus Wellen. Aber diese stellen wohl eher ungeplante Sicherheitslücken dar und nicht die vom US-Kongress befürchteten Spionage-Funktionen.

Der US-Markt bleibt Huawei erst einmal verschlossen. Dabei kauft das Unternehmen nach eigenen Angaben ein Drittel seiner Komponenten in den USA - 2011 für 6,6 Milliarden US-Dollar. Huawei sei längst kein rein chinesisches Unternehmen mehr, sondern multinational. 40 000 der weltweit 140 000 Mitarbeiter sind keine Chinesen. "Huawei ist nicht China - Huawei ist Huawei", sagte Sprecher Sykes. 70 Prozent der Teile in Huawei-Produkten stammten aus dem Ausland, wo auch 70 Prozent des Umsatzes gemacht werden.

Nun auch Probleme in EU: Vorwürfe wegen unlauteren Wettbewerbs

Nicht nur in den USA steht die Politik Huawei derzeit kritisch gegenüber, auch aus der EU droht dem chinesischen Unternehmen Ungemach: EU-Handelskommissar Karel de Gucht ermittelt Huawei und ZTE wegen des Verdachts von Dumping und Subventionen. Anders als in vergleichbaren Verfahren liegt allerdings keine offizielle Klage eines europäischen Unternehmens vor.

"Wir haben nur Medienberichte darüber gelesen, aber sind über offizielle Kanäle nicht darüber informiert worden", sagte Vorstandsmitglied Lifang. Als internationales Unternehmen beschaffe sich Huawei seine Kredite meist im Ausland und nicht in China. 74 Prozent der Kredite von 4,6 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr seien bei ausländischen Banken aufgenommen worden. "Huawei erhält keine Unterstützung von der Regierung oder Kredite von Banken, die niedrig verzinst sind oder nicht zurückgezahlt werden müssen", sagte Lifang weiter.

Unternehmen in Mitarbeiterbesitz: Kein Börsengang von Huawei geplant

Huawei sei erfolgreich, weil es massiv in Innovation investiere - im vergangenen Jahr 13 Prozent des Umsatzes oder rund vier Milliarden US-Dollar, so die Managerin. Auch trage die Eigentümerstruktur dazu bei. Huawei ist nicht börsennotiert, sondern gehört seinen chinesischen Mitarbeitern, die Anteile erwerben können und dadurch für Kapitalzufluss sorgen. Das Mitarbeitermodell gilt als eines der Erfolgsrezepte des Unternehmens. Huawei hat im vergangenen Jahr 11,7 Milliarden Yuan Dividende (1,45 Milliarden Euro) ausgeschüttet. Je nach Zugehörigkeit und Leistung wird Mitarbeitern angeboten, Anteile zu kaufen. Sie können jederzeit verkauft werden.

Gerüchte über einen geplanten Börsengang dementierte Lifang übrigens: "Wir haben gegenwärtig keine Pläne dafür", so das Vorstandmitglied. "Um ehrlich zu sein, wir haben das noch nicht wirklich diskutiert." Das Unternehmen verspreche sich gegenwärtig keine Vorteile von einem Börsengang, da der Markteintritt in den USA weiter verhindert werde und auch kein Bedarf für zusätzliches Kapital bestehe.

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