Angriff

Telekom-Chef Höttges: "Wettbewerber investieren zu wenig"

Eigentlich sollte es um OTT-Anbieter gehen, doch Telekom-Chef Höttges nahm bei einer Konferenz in Bonn die Wettbewerber ins Visier. Sie würden zu wenig in Infrastruktur investieren.
Aus Bonn berichtet
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Thorsten Dirks (rechts) und Tim Höttges schienen einer Meinung zu seinThorsten Dirks (rechts) und Tim Höttges schienen einer Meinung zu sein Zwei Themen in einem Topf machen sich selten gut - so auch bei einer Panel-Diskussion auf der Bundesnetzagentur-Konferenz, die die Rolle der klassischen Telekommunikationsanbieter und die der OTT-Anbieter klären sollte. Während der Podiums-Diskussion haben Tim Höttges als Chef der Deutschen Telekom und Thorsten Dirks, Chef von Telefónica Deutschland, die Lockerung der klassischen Regulierung gefordert um eine Lösung für die Frage der OTT-Anbieter im Markt zu finden. Zwei Themen, die wenig miteinander zu tun haben, wie auch von verschiedenen Seiten des Auditoriums im Anschluss zu hören war. Doch Höttges und Dirks nutzten das Forum, um einerseits gegen die OTT-Anbieter zu argumentieren, gleichzeitig aber auch die Wettbewerber anzugreifen.

Die Wettbewerber anzugreifen war dabei vor allem die Rolle von Höttges, der sich darüber beschwerte, dass die Wettbewerber bis heute zu wenig in die eigene Infrastruktur investieren und stattdessen auf die Wholesale-Angebote der Telekom setzen. Diese macht die Telekom in der Regel jedoch nicht freiwillig, sondern wird von der Regulierung dazu gezwungen.

"Das wird auf Dauer nicht funktionieren", sagte Höttges mit Blick auf den aus seiner Sicht fehlenden Infrastrukturwettbewerb. Wer ihm zuhörte, konnte den Eindruck bekommen, das nur die Deutsche Telekom in den Netzausbau investiert und die Wettbewerber faktisch keine Rolle spielen. Das wollte er seinen Worten zufolge auch mit einer Umfrage im Raum, wer seinen Anschluss nicht im Netz von Telekom, Vodafone oder Telefónica habe, untermauern, verzichtete dann aber doch auf selbige - wohl wissend, dass diverse Mitbewerber auch im Raum saßen.

Höttges will die Regulierung abschaffen

Würde die Regulierung abgeschafft, würde auch der Infrastrukturwettbewerb im Festnetz funktionieren, so Höttges These. Als Beleg verwies er auf die Mobilfunknetze, wo es einen intensiven Infrastrukturwettbewerb gibt und die Netze entsprechend gut ausgebaut seien, aber keine Regulierung wie im Festnetz existiert. "Wir müssen raus aus der Ex-ante-Regulierung", so Höttges. Nur, wenn es zu Missbrauch kommt, müsse die Regulierung eingreifen.

Vielen von dem was Höttges sagte, pflichtete Thorsten Dirks bei - mitunter auch mal durch ein Nicken während Höttges sprach. Dabei ging es auch um Pflichten, die OTT-Anbietern vor allem auf der Messaging-Seite auferlegt werden sollten. Als Beispiele wurden Notrufunterstützung, Nummernportabilität und Interoperabilität genannt. "Es muss auch einfach für einen Kunden sein, ein System zu wechseln", so Dirks. Das betreffe gleichermaßen Betriebssysteme wie auch Dienste. Hier denkt Dirks offenbar an eine einfachere Mitnahme der Daten zu einem neuen Anbieter.

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