Interaktives Fernsehen

HD+ geht mit Smart-TV-Angebot an den Start

Umstrittene Plattform von SES will bis Jahresende 50 Apps anbieten
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HDplus geht mit SmartTV-Angebot an den StartHD+ geht mit Smart-TV-Angebot an den Start Die bisher wegen der Verschlüsselung werbefinanzierter Free-TV-Sender und technischer Restriktionen nicht unumstrittene Satellitenplattform HD+ will sukzessive ein internetbasiertes Smart-TV-Angebot aufbauen und tritt damit in Konkurrenz zu den Herstellern von TV-Geräten und Set-Top-Boxen wie Philips oder LG, die jeweils eigene Hybrid-TV-Plattformen betreiben.

Geplante Apps: Von Kicker bis TV Movie

"HD+ Smart-TV" nennt sich der neue Service der Tochter des Satellitenbetreibers SES, der internetbasierte Apps in den Fernseher integriert. Bislang sind auf der Plattform bereits diverse Anwendungen vom Sportmagazin Kicker über die Videoplattform Youtube bis zur TV-Zeitschrift TV Movie abrufbar. Der Mehrwert für die Zuschauer liege laut HD+ darin, dass sich die Kunden Sport, Entertainment, Information und soziale Netzwerke auf ihr TV-Gerät holen können - und das bei einfacher und übersichtlicher Bedienung. Voraussetzung ist ein Breitbandanschluss. Bis Ende 2012 seien laut Betreiber über 50 Apps aus verschiedenen Themenbereichen geplant, per Online-Update können sie ständig aktualisiert werden.

Genutzt werden kann das neue interaktive Angebot, das zur IFA gestartet ist, mit speziellen HD+-Smart-TV-Receivern, die es ab sofort im Handel gibt und die am entsprechenden Logo leicht zu erkennen seien. Möglicherweise haben HD+-Abonnenten künftig sogar Zugriff auf zwei Smart-TV-Portale. Etwa, wenn der Hersteller des LCD-TVs, an das der HD+-Receiver angeschlossen wird, ein eigenes Angebot betreibt.

Für Hardware-Hersteller und HD+-Partner hat die SES-Tochter zudem einen Demokanal für das neue Smart-TV-Angebot gestartet, der über Satellit im Free-TV zu sehen ist. Der Demonstrationskanal sei laut HD+ eine effiziente Möglichkeit, potenzielle Kunden von HD+ zu überzeugen. Der HD+-Smart-TV-Demokanal bietet Information zum neuen Angebot sowie Erklärung und Werbung rund um das HD+-TV-Angebot.

Umstritten wegen Restriktionen und Verschlüsselung von Free-TV

Die HD+-Plattform startete am 1. September 2009. Inzwischen besteht das Angebot aus 14 Privatsendern in hochauflösender Qualität (HDTV). Umstritten ist das Angebot einerseits, weil der Kunde für die bessere Bildqualität der eigentlich werbefinanzierten Free-TV-Sender zur Kasse gebeten wird. Die HD+-Karte kostet 55 Euro. Nach einer 12-monatigen Einführungsphase kostet das Angebot 50 Euro im Jahr. Beim Neukauf vieler Sat-Receiver oder LCD-TV-Geräte liegt die HD+-Karte ohne Extrakosten bei. Trotzdem muss der TV-Zuschauer nach einem Jahr für HD+ zahlen, entscheidet er sich für eine Verlängerung.

Außerdem können die auf der Plattform vertretenen TV-Sender mit Hilfe der HD+-Technik Aufnahmen auf Speichermedien reglementieren oder ganz unterbinden. Sie können für jede einzelne Sendung die Aufnahme gänzlich verbieten, die Wiedergabe von TV-Aufnahmen zeitlich begrenzen (zwischen sechs Stunden und 61 Tagen) sowie zeitversetztes Fernsehen gänzlich unterbinden oder begrenzen (etwa nur bis 90 Minuten nach Sendungsende). Trotz dieser Restriktionen haben sich bereits über 634 000 Kunden für eine Verlängerung der Gratisphase entschieden (Angaben vom Juli 2012).

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