Versorgungspflicht

Deutsche Telekom muss in Neubaugebieten nicht ausbauen

Alternativ-Anbieter können Telefon- & Internet-Versorgung übernehmen
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Die Telekom hat keine generelle Verpflichtung, Neubaugebiete mit Telefonanschlüssen zu versorgen. Im Bild: Arbeiten an einer Glasfaserleitung.Die Telekom hat keine generelle Verpflichtung, Neubaugebiete mit Telefonanschlüssen zu versorgen. Im Bild: Arbeiten an einer Glasfaserleitung. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Versorgung mit Telekommunikation eine staatliche Aufgabe, die Deutsche Reichspost und später die Deutsche Bundespost waren verpflichtet, jeden bestellten Telefonanschluss zu legen und zu schalten und lag er noch so exotisch auf einem einsamen Bergbauernhof. Bekanntlich wurde der Markt inzwischen liberalisiert. Die Deutsche Telekom ist jetzt ein börsennotiertes privates Unternehmen, hat aber noch eine gewisse Verpflichtung aufgrund ihrer Vorgeschichte als staatlicher Monopolversorger.

Diese Historie hat Konsequenzen in den Fällen, wo neue Telefonleitungen gezogen werden müssen - etwa in Neubaugebieten. Steht das Haus erst einmal, möchten die Bewohner verständlicherweise einen Telefonanschluss und schnelles Internet dazu. Bei der Wahl des Anbieters dürfte nicht wenige zunächst bei der Deutschen Telekom nachfragen und sich dann wundern, wenn sie von dort eine Absage erhalten. Es gibt sogar Konstellationen, wo mit dem Kauf eines Hauses oder dem Mieten einer Wohnung in bestimmten Gebieten ein Telefonanschluss einer ganz bestimmten Gesellschaft genommen werden muss. Das liegt daran, dass die Deutsche Telekom auf diesen Grundstücken gar kein Leitungswegerecht hat, um einen eigenen Anschluss zu legen oder sie aus Kostengründen dorthin keine Leitungen legen mag. Diese Fälle kommen in jüngster Vergangenheit häufiger vor, wie Betroffene berichten.

Deutsche Telekom ist nicht verpflichtet, zu jedem Kunden eine Leitung zu legen

Wir haben bei der Bundes­netzagentur nachgefragt. Nach der "Universal­dienst­leistungs­verordnung", wie sie in § 78 Artikel 2 des Tele­kommunikations­gesetzes (TKG)) definiert ist, ist die Deutsche Telekom nur noch dann verpflichtet, eine Telefonleitung in einem Neubaugebiet zu legen, wenn kein anderer Anbieter in diesem Gebiet aktiv ist. Sobald es in dem neu zu erschließenden Gebiet einen anderen Anbieter gibt, ist die Telekom im Gegensatz zur landläufigen Meinung nicht mehr verpflichtet, sich ebenfalls dort zu betätigen. Die Versorgungspflicht gilt nach Auskunft der Bundesnetzagentur im übrigen auch nur innerhalb geschlossener Ortschaften. Außerhalb könnten - sofern die Telekom oder ein Mitbewerber anschließen will - eine Leitungsverlegung nur gegen Kostenerstattung für den erhöhten Aufwand möglich sein, etwa wenn ein einsamer Bauernhof oder eine Berghütte erschlossen werden soll. In den meisten Fällen dürften Interessenten in solchen Fällen - wenn möglich - zu einer preisgünstigeren Mobilfunklösung greifen.

Um Kunden, die außerhalb des Verkabelungsbereichs der Telekom leben, dennoch ein Angebot machen zu können, plane die Deutsche Telekom, so berichten Branchenkenner, in Kürze eine erweitertes "Call & Surf via Funk"-Angebot, worin auch die Sprach-Telefonie über Mobilfunk in UMTS/HSPA oder LTE-Technologie angeboten werden soll. Ausreichende Funkversorgung und Netzkapazität vorausgesetzt, könnte ein solcher Anschluss unter Umständen sogar "schneller" als ein klassischer DSL-Anschluss via Kupfer-Doppelader sein. Preislich dürfte er auf dem Niveau seines bekannten Festnetz-Pendants liegen.

Viele Kunden entscheiden sich bewusst für die Deutsche Telekom, da sie als einziger Anbieter von Sprachtelefonie vom Gesetzgeber zur Möglichkeit von Call by Call verpflichtet ist. Die privaten Anbieter sind dies nicht und bieten dies auch durchweg nicht an. Beispielsweise bei Anrufen zu Mobilfunknetzen sind die Tarife der privaten Festnetzkonkurrenten oft sehr teuer, Minutenpreise um 20 Cent pro Minute zu Mobilfunkanschlüssen sind keine Seltenheit. Auch nach der jüngsten Absenkung der Terminierungsentgelte wird sich daran nicht viel ändern, wie eine Anfrage von teltarif.de vor kurzem gezeigt hat.

Kabelgesellschaften in Neubaugebieten aktiv

Zurück zur Situation in Neubaugebieten. Hier sind häufig Kabelnetzbetreiber aktiv. Diese möchten zum einen ihre Fernsehprogramm-Pakete vermarkten, locken die Kunden aber auch mit Telefonie und schnellen Internetzugängen. Dabei verlangen heute alle Gesellschaften bei Neubauten einen einmaligen Erschließungbeitrag, der bei 399 Euro (Deutsche Telekom, wenn das Kabel bis zum Übergabepunkt ("APL", Abschlusspunkt Linientechnik) in das Haus gelegt werden soll) liegen kann, aber auch schnell auf 500 bis 1 500 Euro steigen kann und vom jeweiligen Aufwand abhängig gemacht wird. Wenig bekannt ist, dass die Montage einer Anschlussdose an der Außenwand des Hauses (wie es früher generell üblich war) durch die Deutsche Telekom kostenfrei erfolgt.

Wichtig ist in jedem Fall, dass der Grundstückseigentümer der Telefongesellschaft seiner Wahl eine Erklärung unterschreibt, dass sie auf seinem Grundstück und in sein Haus Kabel legen darf. Selbst wenn schon alte Kupferleitungen liegen, muss für einen künftigen Glasfaserausbau (FTTH) eine neue Erklärung abgegeben werden. Im Rahmen einer Startpromotion wird die Glasfaser oft kostenlos ins Haus gelegt, der Kunde zahlt bei Interesse nur den Standard-Anschlusspreis (bei der Telekom derzeit 59,50 Euro), der im Rahmen von Aktionen oft auch erlassen wird. Dazu ist es jedoch wichtig, sich direkt beim Ausbau des Netzes für einen solchen Anschluss zu entscheiden.

Vor dem Kauf eines Neubauhauses oder der Miete einer Neubauwohnung sollte man sich daher ganz genau über die möglichen Anbieter für Telefon und Internet und deren Preise und Konditionen informieren. Wer selbst bauen will, sollte sich bei seinem Wunsch-Telekommunikationsanbieter nach der "Bauherren-Hotline" erkundigen, die ihn bei den bauseitigen Vorbereitungen zur optimalen Kabelverlegung beraten kann.

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