Endstation

Editorial: Upgrade-Sorgen

Nachfolgemodell wichtiger als Pflege bestehender Modelle
AAA

Handy-BetriebssystemeSmartphone-Betriebssysteme:
Die Upgrade-Politik fällt sehr unterschiedlich aus
Mehr als ein Drittel der Nutzer führen bei ihren Windows-PCs die Sicherheitsupdates nicht oder zumindest nicht regelmäßig durch, meldeten jüngst die Gazetten. Hauptgründe, keine Updates einzuspielen, waren keine oder unklare Vorteile für die Nutzer, Angst vor neuen Fehlern, und Beschwerden, dass der Aktualisierungs-Prozess zu lange dauert. Am häufigsten wurde die Befürchtung geäußert, dass durch die Updates selber die Sicherheit kompromittiert werden könnte. Und das, obwohl durch das Einspielen der richtigen Software-Patches die Sicherheit erhöht, nicht erniedrigt wird. Aber offensichtlich sind sich viele Nutzer angesichts der Flut an bösartiger Software ("Malware") unklar, welcher Software sie noch trauen können.

Noch schlechter ist im allgemeinen die Upgrade-Quote, also der Teil der User, die eine neue Version einer Software mit neuen Features installieren. Kosten die Upgrades gar noch Geld, und funktioniert die alte Version weiterhin zufriedenstellend, dann kann die Upgrade-Rate auch ganz schnell auf (fast) null sinken. Microsoft weiß, davon ein Lied zu singen: Zuweilen gaben Geschäftskunden selbst auf neuen PCs den alten Windows-Versionen den Vorzug. Um mit Windows 8 nicht wieder in dieser Falle zu landen, werden derzeit für PCs mit alten Microsoft-Systemen Upgrades auf Windows 8 stark rabattiert für 15 bis 40 Dollar angeboten. Je frischer das "alte" Windows, desto günstiger kommen Upgrade-Interessierte an das "neue".

Smartphone-Updates: Kostenlos, aber nicht unbedingt beliebt

Ähnlich schlecht ist die Upgrade-Quote bei Smartphones. Zwar folgen inzwischen die meisten Hersteller Apples Vorbild und verteilen Upgrades kostenlos zur Selbstinstallation durch den User. Doch das war keineswegs selbstverständlich. Nokia verfolgte lange Zeit die Strategie, Firmware-Updates nur durch geschultes Personal durchführen zu lassen. Kostenlos war das nur dann, wenn im Rahmen der Garantieabwicklung mit dem Update Fehler beseitigt wurden, die den Nutzer beeinträchtigen.

Nokia war aus gutem Grund so restriktiv: Bei Firmware-Updates gibt es fast zwangsläufig Phasen, wo das alte System nicht mehr und das neue System noch nicht funktioniert. Fehlte zudem eine Tastenkombination, mit der das Gerät direkt beim Einschalten in einen Notfall-Update-Modus versetzt werden kann, dann machte ein fehlgeschlagenes Update aus einem wertvollen Handy oder Smartphone direkt ein nutzloses Stück Elektroschrott.

Doch wo viel Schatten ist, gibt es auch Licht. Allen voran hat es Apple geschafft, die Nutzer durch kostenlos und frühzeitig nach Erscheinen einer neuen iOS-Version verteilte Upgrades an die Vorteile von regelmäßigen Systemaktualisierungen zu gewöhnen. Zwar unterstützen ältere iPhones auch mit Upgrades nicht alle Funktionen neuer iPhones. Doch lassen sich Apples Entscheidungen, welche neuen Features es per Upgrade gibt, und welche nur zusammen mit neuer Hardware, in der Regel halbwegs nachvollziehen.

Die Hersteller als Upgrade-Muffel

Ganz anders die Situation bei Android: Hier treffen einige, auch früher schon Update-faule Hersteller, eine viel größere Gerätevielfalt, Hersteller-spezifische Erweiterungen wie Samsungs Touchwiz-Oberfläche und Googles schnelle Produktzyklen zum Nachteil des Verbrauchers aufeinander. Upgrades gibt es, wenn überhaupt, dann Monate nach Veröffentlichung einer neuen Android-Version. Und nicht immer sind Android-Upgrades zum Vorteil des Nutzers: Oft genug machen sie das Handy langsamer.

Am Ende haben die User keine Lust auf halbherzig auf die alten Geräte portierte neue Android-Versionen. Und die Handy-Hersteller haben keine Lust, für nur halbherzig upgradende User die Upgrades bereitzustellen. Oft genug weigern sich die Hersteller, Upgrades bereitzustellen, und nennen dann meist Ressourcenmangel auf der Handy-Plattform als Grund, jüngst etwa bei Sony.

Oft genug dürften aber auch kurzfristige ökonomische Interessen hinter der Entscheidung stehen: Warum für geschätzte 10 Prozent der Nutzer eines zwei Jahre alten Geräts überhaupt noch Upgrades bereitestellen, wenn zu diesem Zeitpunkt geschätzte 40 Prozent sowieso den Nachfolger (oder den Nachfolger des Nachfolgers) kaufen? Bei den zahlreichen Androiden, die nur die Hälfte eines neuen iPhone kosten, mag diese Vorgehensweise aus Verbrauchersicht noch akzeptabel sein. Bei den Top-Androiden, die preislich auf Augenhöhe mit dem iPhone liegen, ist sie es nicht mehr. Durch fehlende Upgrades stößt ein Hersteller besonders denjenigen Nutzern, die technisch besonders versiert sind, und die besonders oft von Freunden für Kaufentscheidungen befragt werden, vor den Kopf.

Noch fraglicher als das Upgrade-Chaos im Android-Lager ist das Verhalten Microsofts bei Smartphones: Geräte mit Windows Phone 7 werden definitiv kein Update auf Windows Phone 8 bekommen, sondern nur auf Windows Phone 7.8. Beide Systeme laufen mit unterschiedlichen Betriebssystemkernen. Angesichts des eh schon sehr übersichtlichen Marktanteils von Windows Phone 7 ist dieses Verhalten komplett unverständlich.

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