Strategie

Motorola und Sony Ericsson: Zwei Krisen-Fälle mit Comeback

So geht es in den kommenden Monaten bei den Herstellern weiter
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2006 sah der Handymarkt noch völlig anders aus als heute. Es gab kein iPhone, Smartphones waren kaum verbreitet. Das Marktforschungsunternehmen Gartner ermittelte über 33 Prozent weltweiten Marktanteil für Nokia, Motorola lag auf dem zweiten Platz (22 Prozent), Sony Ericsson hatte sich mit knapp sieben Prozent auf den vierten Platz vorgearbeitet. Zum Vergleich: im vergangenen Jahr 2009 lag Nokia bei noch immer starken 36 Prozent, Motorola und Sony Ericsson waren allerdings auf 4,8 beziehungsweise 4,5 Prozent dramatisch abgestürzt. Das Aus schien kaum noch abwendbar.

Dann gelang den beiden Unternehmen ein Comeback. Dabei setzen Motorola und Sony Ericsson nun vermehrt auf Smartphones und gehören zu den Unterstützern des Android-Betriebssystems. Warum Motorola und Sony Ericsson in die Krise gerutsch waren und wie es in den kommenden Monaten bei den Handy-Herstellern weitergeht, haben wir uns angeschaut.

Motorola ist Krisen gewohnt

Motorola RAZR V3Motorola RAZR V3 Schon einmal stand es um Motorola schlecht. Vor etwa sieben Jahren kursierten Gerüchte über ein Ende der Handy-Produktion beim US-amerikanischen Hersteller. Der Grund: Die Marktanteile waren zurückgegangen, das hauseigene Handy-Betriebssystem galt als zu kompliziert und wenig zukunftsfähig. Dann landete das Unternehmen einen Coup: Mit dem Motorola RAZR kam 2004 ein Handy auf den Markt, das in Sachen Design neue Maßstäbe setzte und sich in verschiedenen Editionen zu einem wahren Verkaufsschlager entwickelte. Motorola entschloss sich sogar, das Design auf schmale Klapp-Handys (KRZR), Musik-Handys (ROKR) und Slider-Geräte (RIZR) auszudehnen. Am Ende war nahezu das gesamte Portfolio von Motorola "RAZR-verseucht".

Viele Kunden verbanden Motorola automatisch mit dem RAZR-Design und ließen andere Geräte des Herstellers, etwa die Smartphones, links liegen. Dazu kam, dass Motorola keine klare Linie bei den Betriebssystemen verfolgte. Neben dem eigenen kamen Windows Mobile, Symbian, Symbian UIQ und Linux zum Einsatz. Motorola hatte zwar viel zu bieten, war aber auf keinem Gebiet Spezialist.

Honoriert wurde das von den Kunden ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr – und der weltweite Marktanteil brach ein. Motorola wurde vom zweitgrößten Handy-Hersteller zu einem kleinen Fisch. Erst Ende 2009 kam die Rettung. Motorola präsentierte das Milestone, ein Top-Smartphone mit ausziehbarer QWERTZ-Tastatur und dem Google-Betriebssystem Android. Bereits im Dezember 2009 knackten die Verkaufszahlen die psychologisch wichtige Eine-Million-Grenze.

Handy-Experten waren sich in der Folge einig: Motorola ist zurück. Wichtig ist künftig nur, sich nicht auf dem Erfolg des Milestone auszuruhen, sondern weitere Geräte mit Android herauszubringen. Und: Lediglich auf ein System sollte Motorola nicht setzen. Etwas ins Hintertreffen geraten sind die "gewöhnlichen" Handys, nach wie vor elementar für einen guten weltweiten Marktanteil. Daneben könnte Motorola nach vielen erfolgreichen Jahren auch die Zusammenarbeit mit Microsoft wieder beleben und Windows Phone 7 einsetzen.

Sony Ericsson: Auf den Lorbeeren ausgeruht

Sony Ericsson G700Sony Ericsson G700 Wie heißt es so schön: Die Älteren unter uns werden sich noch erinnern… Ende 2001 gründeten Ericsson und Sony ein Joint-Venture, nachdem die Handysparten der beiden Unternehmen allein nicht mehr überlebensfähig waren. In der Folge kam der steile Aufstieg: Zuerst brachte noch Ericsson alleine das T68 heraus, das durch ein Update (T68i) das erste MMS-fähige Handy wurde. Anschließend setzte Sony Ericsson auf Multimedia und war besonders bei Musik- und Kamerafans mit den Sony-Leihmarken Walkman und Cyber-shot sehr beliebt. Die Geräte erfüllten auch professionelle Ansprüche, Sony Ericsson war auf dem besten Weg in die Top 3 der Handy-Hersteller.

2008 und 2009 kam allerdings der Absturz. Sony Ericsson war sich des Erfolges von Walkman und Cyber-shot viel zu sicher und verschob die Einführung lange erwarteter Smartphones teilweise um ein halbes Jahr. Da die Smartphone-Modelle dann aber immer noch mit Fehlern auf den Markt kamen und mit dem langsamen Symbian-UIQ-System zu kämpfen hatten, wurden sie (namentlich P990i, W960i, G700 und G900) nicht zu den erhoffen Erfolgen. Auch das erste Windows-Smartphone des schwedisch-japanischen Joint-Ventures, das Xperia X1, blieb lediglich ein Hoffnungsträger, konnte die hoch gesteckten Erwartungen aber nie erfüllen.

Nun schlägt Sony Ericsson einen neuen Weg ein und setzt ebenfalls auf das Android-System. Viele Modelle stehen in der Pipeline und sollten in den nächsten Monaten auf den Markt kommen. Wie es mit dem Windows-Phone-Engagement aussieht, ist noch ungewiss.

Auf der zweiten Seite blicken wir nicht mehr zurück, sondern zeigen Ihnen, welche neuen Handy-Modelle bei Motorola und Sony Ericsson in Vorbereitung sind.

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