Patras-Hack

Hackerangriff auf Polizei-Server: Anlass war ein Familienstreit

Rache für die Computerüberwachung der Tochter
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Zoll-EmblemAnlass für den spektakulären Angriff auf einen Server der Bundespolizei war ein Familienstreit. Der spektakuläre Hackerangriff auf einen Server der Bundespolizei im vergangenen Sommer geht offenbar auf einen Familienstreit zurück. Wie der Spiegel berichtet, ermitteln Kölner Fahnder derzeit gegen einen hohen Beamten der Bundespolizei aus Frankfurt am Main. Der Spiegel spricht von einem "komplizierten Vater-Tochter-Verhältnis". Der Mann hatte seiner Tochter einen Trojaner auf den Rechner gespielt, um ihr Treiben im Internet zu überwachen. Die Tochter hatte allerdings einen Freund aus der Hacker-Szene, dem die väterliche Spionage auffiel. Um es dem neugierigen Vater heimzuzahlen, drang der Hacker in dessen Computer ein. Dort sah er, dass der Polizist dienstliche Mails an seinen Privatrechner umgeleitet hatte. Das ebnete dem Hacker den Weg ins Innere der Bundespolizei.

Zu der Cyber-Attacke hatte sich die Gruppe No-Name Crew bekannt, die auf einer Seite im Internet Daten veröffentlichte, die von dem Polizei-Server stammten. Unter der Überschrift "Bundespolizei - Leaked - Das ist die Rache" hatten sie unter anderem Karten mit den Standorten verdächtiger Fahrzeuge, Dokumente und Verschlüsselungsalgorithmen im Source Code der Bundespolizei und auch Benutzerdaten samt Passwörter der Einsatzkräfte veröffentlicht. Allerdings war diese Seite kurze Zeit nach dem Bekanntwerden nicht mehr zu erreichen.

Als Motivation führten die Hacker an, sich gegen einen Überwachungsstaat wehren zu wollen. So gäben "Signale seitens des politischen Establishments geben zu verstehen, dass die Unantastbarkeit gewisser Grundrechte nur eine Farce ist". Die Hacker kritisierten in ihrem Bekennerschreiben vor allem Pläne zur Vorratsdatenspeicherung.

Als Folge des Angriffs mussten mehrere Polizei-Server abgeschaltet werden, die zur Beobachtung von Kriminellen und Terrorverdächtigen dienten. Einige Tage nach dem Angriff hieß es, dass Schlamperei den Angriff auf den zentralen Server für das Observationsprogramm "Patras" ermöglicht habe. Mit dem Spähprogramm "Patras" arbeiteten alle Landeskriminalämter, das BKA und der Zoll. Der zentrale Server sei nur mit einer Billig-Software geschützt gewesen. Außerdem seien bei dem gehackten Server "grundlegende Sicherheitsempfehlungen missachtet" worden seien, etwa beim Umgang mit Passwörtern

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