Nahfunk

Von Bezahlen per Handy bis Chip-Implantat: Das können NFC-Tags

Mit NFC können Daten über kurze Distanzen ausgetauscht werden. Vor allem Mobile-Payment-Anbieter erhoffen sich auf Basis von NFC einen Durchbruch des Bezahlens per Handy. Doch die technischen Möglich­keiten des RFID-Nach­folgers gehen darüber weit hinaus.
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In Deutschland ist es noch nicht sehr verbreitet, anderswo jedoch schon gang und gäbe: Das Bezahlen per Handy mittels NFC-Technologie. Der draht­lose Funk­standard ermög­licht den Daten­aus­tausch zwischen zwei Geräten - etwa einem Smart­phone und der Super­markt­kasse. Wer zum Bei­spiel in Schweden in der Schlange wartet, wird ein Groß­teil der Kunden anstelle des Porte­monnaies das Handy zücken sehen. Muss aller­dings an der Kasse zuerst eine Nummer ange­rufen oder eine SMS versen­det und dann eventu­ell noch eine PIN einge­tippt werden, ist das Be­zahlen per EC-Karte oder schlichtem Bargeld doch die ein­fachere Variante. NFC-Chips können den Bezahl­vorgang stark ver­einfachen - das NFC-taug­liche Handy muss ledig­lich kurz über ein Termi­nal gehalten werden, um die Transaktion abzuwickeln. Wie funktioniert das?

NFC (Near-Field-Communication) erfolgt berüh­rungs­los über kurze Distan­zen von bis zu circa 10 Zenti­metern und bietet äußerst viel­fältige Einsatz­möglich­keiten. Auch hier sind die pro­gressiven Schweden uns einen Schritt voraus. Der Stock­holmer Bio­hacker-Verband BioNyfiken arbeitet gar an NFC-Chip-Implan­taten, die sich Nutzer direkt unter die Haut setzen lassen können. Nichts als Zukunfts­musik? Wir werfen einen Blick auf die Möglich­keiten und Funktions­weise von NFC.

Die Technik hinter NFC

NFC Chip ImplantatGeht unter die Haut: NFC-Chip-Implantat Was macht die Nahfunk-Techno­logie so besonders? Im Unter­schied zu WLAN oder Bluetooth müssen NFC-Ver­bindungen nicht erst manu­ell einge­richtet werden. Die Chips ver­knüpfen sich auto­matisch, ohne dass der Nutzer irgend­etwas in sein Smart­phone ein­tippt. So erfolgt die Kopplung zweier Geräte äußerst schnell und unkom­pliziert, allein durch räum­liche Nähe. NFC-Chips können sowohl im aktiven als auch im passiven Modus arbeiten, also senden und empfangen. Der passive Modus funktio­niert selbst dann, wenn das Smart­phone oder Tablet aus­geschal­tet ist. Die nötige Energie liefert in diesem Fall die Radio­frequenz des Partner-Gerätes. Somit ist es auch möglich die Chips ohne eigene Strom­quelle zu ver­bauen, zum Bei­spiel in Arm­bändern, Schlüssel­anhängern, Auf­kle­bern oder sogar im eige­nen Körper.

Soll der NFC-Chip jedoch aktiv Daten versenden oder Infor­mationen von einem anderen Gerät aus­lesen, so benötigt er eine eigene Strom­quelle, zum Bei­spiel den Handy-Akku. Die Chips funken auf einer Frequenz von 13,56 MHz über ein Magnet­feld und über­tragen derzeit bis zu 424 kBit/s. Weil dies ver­gleichs­weise langsam ist und die Technik nur sehr kurze Distanzen von bis zu etwa 10 Zenti­metern erlaubt, sind die Einsatz­möglich­keiten ent­sprechend begrenzt. Anderer­seits hat die Beschrän­kung auf geringe Distanzen den Vorteil, dass ein relativ schwaches Funk­signal genügt, wodurch auch der nötige Aufwand an Energie relativ gering ist. Die größeren Her­steller jeden­falls haben das Potential von NFC erkannt. In den mobilen Betriebs­systemen wurde NFC-Support sukzessive nachgerüstet - mit iOS, Android und Windows Phone sind die großen Plattformen schon jetzt fit für NFC.

Von Ticketkauf bis Cyborg: Einsatzmöglichkeiten von NFC

NFC Bezahlen mit dem HandyNFC: Bezahlen und mehr mit dem Handy Noch hat sich die NFC-Technik nicht flächen­deckend durch­gesetzt, doch sie ist auf dem Vor­marsch. Und die Anwen­dungs­bereiche sind viel­fältig, wie die folgenden Bei­spiele zeigen.

  • Datenaustausch:
    Mit NFC lassen sich Kon­tak­te un­kom­pli­ziert und schnell von Handy zu Handy über­tra­gen. Auch der Da­ten­aus­tausch zwi­schen Smart­phone und Tab­let wird ver­ein­facht. Bei An­dro­id-Ge­rä­ten heißt die Funk­tion Android Beam und er­freut sich be­reits seit län­ge­rem gro­ßer Be­liebt­heit. Hält man zwei NFC-taug­li­che Android-Geräte anein­ander, so kön­nen mit einem Klick Links, Kon­takte oder Fotos über­tra­gen werden. Apple ver­baut NFC-Chips erst seit dem 2014 er­schie­nenen iPhone 6. Der Her­stel­ler ver­wen­det die Tech­nik vor al­lem für sein Zah­lungs­sys­tem Apple Pay, das ist hier­zu­lande aller­dings noch nicht verfüg­bar ist.
  • Infopoints für Touristen:
    Immer mehr Städte und Gemeinden stellen an belebten Orten Info­points auf, an denen sich Touristen mit­hilfe der NFC-Techno­logie Informationen direkt aufs Handy laden können. Auch inter­aktive Karten und Stadt­pläne sind möglich, auf denen Touristen nicht nur ablesen können, welche Museen und Res­taurants es in der Nähe gibt, sondern auch deren Öffnungs­zeiten oder Tages­menüs.
  • Interaktive Werbung:
    Mit NFC aus­gestat­tete Werbe­plakate könnten Infor­mationen wie Website-Links bereit­halten. Bei Gefallen könnten Nutzer über NFC beispiels­weise direkt einen Kalender­eintrag er­stellen oder sogar gleich an Ort und Stelle eine Konzert­karte buchen.
  • Bargeldloses Zahlen:
    An Fahr­schein­auto­maten wird die NFC-Technik bereits häufig einge­setzt, so zum Bei­spiel im Touch&Travel-System der Deut­schen Bahn. Mittler­weile bieten auch viele Super­märkte in Deutsch­land die Bezah­lung per NFC an. Hierzu muss ledig­lich kurz das Smart­phone oder eine NFC-fähige Kredit­karte an ein ent­sprechen­des Terminal gehalten werden. So kann man die Rechnung praktisch im Vorbei­gehen begleichen, ganz ohne PIN-Ein­gabe oder Unter­schrift. Auch Treue­punkte lassen sich auf diese Weise bequem sammeln. Mehr über das Bezahlen per Handy lesen Sie in unserem Ratgeber Mobile Payment mit NFC.
  • Das Handy als Eintritts­karte:
    Der NFC-Stan­dard könnte Papier-Tickets über­flüssig machen. Einfach die Eintritts­karte aufs Handy speichern und dieses am Eingang der Konzert­halle kurz an ein ent­sprechen­des NFC-Terminal halten - fertig.
  • Haustürschlüssel:
    NFC kann dazu einge­setzt werden, Räume und Ge­bäude zu sichern, ähnlich wie ein Tür­schloss. Nutzer mit passender Kennung erhalten Zutritt, indem sie ihren NFC-Chip an die ent­sprechen­de Tür halten. Auf das mecha­nische Tür-Auf­schlie­ßen mit einem Schlüs­sel kann dann ver­zichtet werden. Die Technik findet zum Beispiel Verwen­dung im NFC-Zugangssystem von iLOQ.
  • PC-Sicherung:
    Nicht nur Räume und Gebäude, auch Com­puter können mit NFC gesi­chert werden. Durch die Nahfeld-Techno­logie ent­fällt das Ein­tippen von Pass­wörtern. Und das Beste: Man kann sie auch nicht mehr ver­gessen.
  • Stempelkarte:
    Unternehmen können NFC-Chips zur unkom­plizierten Zeit­erfassung ein­setzen. Statt der klassi­schen Stempel­karte halten Mit­arbei­ter kurz das Handy an ein NFC-Tag, sobald sie am Arbeits­platz an­kommen und wenn sie wieder gehen.
  • NFC-Chip-Implantate:
    Manche gehen sogar so weit, sich ihren NFC-Chip direkt unter die Haut setzen zu lassen. So braucht man nicht einmal mehr das Smart­phone dabei haben, um Türen zu öffnen oder digitale Visiten­karten auszu­tauschen. Doch auch für medi­zinische Belange ließen sich die Implan­tate nutzen. Notfall­helfer könnten die wichtigsten Daten über ihre Patienten direkt ablesen und so womöglich Leben retten. Aber ist der mit per­sönlichen Infor­mationen gefüt­terte Chip unter der Haut wirklich moralisch vertret­bar? Für viele schon. In einer Umfrage des Viren­schutz­her­stellers Kaspersky ernteten die Chip-Implan­tate jeden­falls über­raschend hohe Zustimmung.

NFC-fähige Handys im Überblick

NFC-Bluetooth-Kombination

NFC wird als ideale Ergänzung für Bluetooth angesehen. Der etablierte Bluetooth-Funk hat eine größere Reichweite und ermöglicht höhere Daten­über­tragungs­raten, doch die Her­stel­lung einer Verbin­dung ist vergleichs­weise umständ­lich. NFC kann eine Blue­tooth-Verbin­dung schnell und unkom­pliziert aktivieren. Die betref­fenden Geräte werden einfach kurz anein­ander gehalten und können sofort wieder getrennt werden. Das umständliche Pairing - die Erstel­lung von Verbin­dungs­schlüs­seln beim erst­maligen Funk­kontakt zweier Bluetooth-Geräte - ent­fällt. Auf diese Weise können bei­spiels­weise Daten auf Handy und Laptop schneller und einfacher synchro­nisiert werden.

NFC und Datenschutz

Touchpint Deutsche BahnDas Touch&Travel-System der Deutschen Bahn nutzt NFC Mit der geringen Reich­weite ist ein gewisses Maß an Sicher­heit bereits in den NFC-Stan­dard einge­baut, denn aus der Ferne eine ungebetene Verbin­dung herzu­stellen, ist mit NFC nicht möglich - oder etwa doch? Das von Studenten der TU Darm­stadt ins Leben geru­fene Projekt NFCGate versucht genau dies. Über die App lassen sich NFC-Pay­ment-Vor­gän­ge gezielt mani­pulieren, sodass ein Hacker mehrere hunderte Kilo­meter entfernt mit einer fremden NFC-Kredit­karte bezahlen kann. Eine reale Gefahr für den Alltag bedeute dies jedoch nicht, so die Ent­wickler gegen­über teltarif.de.

Dennoch bleibt die Technologie umstritten. Besonders beim Einsatz in NFC-fä­hi­gen Geld­karten, wie sie bei­spiels­weise seit 2012 von der Sparkasse ausge­geben werden, sehen Daten­schützer ein Risiko. Die elek­tronischen Geld­börsen speichern Infor­mationen über getätigte Trans­aktionen inklu­sive Datum, Uhr­zeit, Betrag und Rest­gut­haben sowie Händler­karten­nummern und eine eindeutige Kenn­nummer, die zur Identi­fikation der Karte dient. Diese Daten können ohne PIN-Num­mer ausge­lesen werden - also theo­retisch von jedem. Ist das wirklich sicher? Die Spar­kasse jeden­falls weist darauf hin, dass das Auslesen durch Dritte mit einer geeig­neten Alumi­nium-Schutz­hülle verhindert werden könne. Selbst das Klein­geld im Porte­monnaie reiche aus, um die Kommu­nikation mit der NFC-Schnitt­stelle zu behindern.

Unterschiede zu RFID

NFC basiert auf der RFID-Technik, die schon in weitaus größerem Umfang eingesetzt wird und auch ein höheres Maß an Bekanntheit erlangt hat - wohl nicht zuletzt auf­grund von Bedenken um Daten­schutz und Privatsphäre, die sich mit ihr verbinden. Wichtigster Unter­schied neben der geringeren Reich­weite des NFC-Funks ist, dass dieser auch auf zwei aktive Kommuni­kations­teil­nehmer, also Peer-to-Peer-Ver­bindun­gen aus­gelegt ist, während ein RFID-Chip meist nur passiver Gegen­part des aktiven Lese­geräts ist. Der Standard wird daher haupt­säch­lich in Identi­fikations­doku­menten wie Reise­pass oder Personal­ausweis einge­setzt.

Wegen der technischen Verwandt­schaft wird die in Handys einge­setzte NFC-Tech­nik zuweilen den­noch unter dem Etikett RFID behan­delt. Aus­führ­liche Infor­mationen über die Technik hinter "Radio Frequency Identification" finden Sie in unserem Beitrag zur RFID-Technologie.

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