Ausblick

GSM-Aus auch in Deutschland? Das planen die deutschen Anbieter

In der Schweiz soll Ende 2020 das erste GSM-Netz abgeschaltet werden. Was planen Telekom, Vodafone und Telefónica (o2, E-Plus) für ihre GSM- und UMTS-Netze? Wir haben die Netzbetreiber um eine Stellungnahme zur Zukunft ihrer Netze gebeten.
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Ein Mobilfunk-Sendemast: Bis auf Weiteres auch mit GSMEin Mobilfunk-Sendemast: Bis auf Weiteres auch mit GSM In der vergangenen Woche stellte in der Schweiz die Swisscom ihre Netzstrategie für die kommenden Jahre vor. Dabei wurde neben 5G und immer höheren Datenraten fast beiläufig auch bekannt, dass Swisscom bis Ende 2020 ihr GSM-Netz ersatzlos abschalten will. Wie denken die deutschen Netzbetreiber darüber und ist auch in Deutschland eine GSM-Abschaltung geplant? Wir haben bei der Telekom, Vodafone und Telefónica nachgefragt.

Generell gilt: Um ein Mobilfunknetz realisieren zu können, werden Mobilfunkfrequenzen benötigt. Und die sind knapp. Erst im Frühjahr haben die Netzbetreiber erneut mehr als 5 Milliarden Euro für Lizenzen ausgegeben. Darunter sind auch die Lizenzen, für die heutigen GSM-Frequenzbereiche um 900 und 1800 MHz. Die bisherigen GSM-Lizenzen, die diese Frequenzbänder den Netzbetreibern für die Nutzung nach dem GSM-Standard überlassen haben, laufen Ende 2016 aus. Mit der neuen Lizenzvergabe sind die Frequenzen nicht mehr an den GSM-Standard gekoppelt. Theoretisch ist also ab 1. Januar 2017, dem ersten Gültigkeitstag der neuen Lizenzen, die Abschaltung von GSM und die Nutzung von LTE möglich. Aber wohl auch nur theoretisch. Denn noch ist GSM in Deutschland viel zu wichtig für die Grundversorgung.

Telekom: Aktuell keine Plantermine für eine Einstellung

Auf die Frage unserer Redaktion nach dem Termin der GSM-Abschaltung antwortet die Telekom zunächst mit einigen allgemeinen Marketingformulierungen: "Wir gestalten die Entwicklung des Mobilfunks entsprechend der Kapazitätsnachfrage und den Bedürfnissen unserer Kunden", teilt uns ein Sprecher schriftlich mit. "Neben den technologischen Aspekten spielt natürlich auch das Thema Frequenzen hierbei eine entscheidende Rolle. Lizensierte Frequenzen sind dabei eine gefragte Ressource und werden im Rahmen von staatlichen Auktionen an die Mobilfunkbetreiber vergeben. Auf Basis der Nachfrage unserer Kunden sowie der zur Verfügung stehenden Frequenzen werden dann seitens der Mobilfunkbetreiber entsprechende Szenarien für die Nutzung und Laufzeiten verschiedener Technologien erarbeitet." Tatsächlich entscheidend ist aber der letzte Satz der Telekom-Stellungnahme: "Aktuell gibt es keine Plantermine für eine Einstellung von 2G oder 3G im Telekom-Netz."

Vodafone: GSM auch nach 2020

Auch bei Vodafone gibt man sich entspannt. Auf Nachfrage teilte uns ein Sprecher mit, dass eine Abschaltung von GSM und auch von 3G derzeit nicht geplant ist: "Wir gehen davon aus, dass wir GSM auch nach 2020 einsetzen werden", heißt es aus der Düsseldorfer Zentrale.

Telefónica: Zu früh für eine Prognose zur Abschaltung

Auch bei Telefónica sieht das Ende von GSM noch nicht gekommen: "Bei der Frage nach einer Restlaufzeit von GSM ist grundsätzlich zu beachten, dass in vielen Bereichen des Alltags weiterhin GSM-only-Geräte und -Module stark verbreitet sind, insbesondere im Bereich der Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M)", gibt Telefónica in einer Stellungnahme an unsere Redaktion zu bedenken. "Es ist aus unserer Sicht viel zu früh für eine Prognose, ob und wann eine Abschaltung von GSM zu erwarten wäre", heißt es weiter.

Keine Abschaltung, aber womöglich geringere Kapazität

Dass die deutschen Netzbetreiber derzeit keine Abschaltung bekannt geben, bedeutet nach unserer Einschätzung nicht, dass die Netze auch wirklich bis in alle Ewigkeit betrieben werden. Schließlich muss für GSM und UMTS Technik an den Antennen und den Basisstationen vorgehalten werden. Mit LTE oder 5G lassen sich die Frequenzen langfristig deutlich effizienter nutzen. Gleichzeitig gehen die Netzbetreiber mit einer Abschaltung aber auch das Risiko ein, Kunden für immer zu verlieren. So wird oftmals M2M-Kommunikation ausschließlich per GSM realisiert und die Module lassen sich nicht einfach austauschen. Auch wird es viele Kunden geben, die ihr Uralt-Telefon bewusst behalten, weil sie kein Bedarf an einem neueren Telefon haben. Sie wollen einfach nur telefonieren.

Denkbar wäre, dass die GSM-Netze langfristig mit einem abgespeckten Frequenzspekturm weiterbetrieben werden und die übrigen Frequenzen für neuere Übertragungsstandards genutzt werden, um die Kapazitäten zu erhöhen. In ähnlicher Art wird das heute schon im 1800-MHz-Band gemacht, in dem Telekom und Telefónica (mit E-Plus) sowohl LTE als auch GSM realisieren. Möglich ist dies durch eine Versteigerung im Jahr 2010, bei der die beiden Netzbetreiber die zusätzlichen 1800-MHz-Frequenzen ersteigert haben. Würde dies auch bei den heute noch exklusiv mit GSM belegten Frequenzen erfolgen, könnte GSM womöglich in einem extrem abgespeckten Modus weiterlaufen, so dass ein möglichst großer Teil der Frequzenzen modernen Standards wie 4G/LTE oder 5G zugewiesen wird, mit denen man besser dem Datenhunger der Kunden gerecht wird.. Die Kosten für den GSM-Betrieb fallen so aber dennoch an.

Welche Frequenzen die Netzbetreiber ab 2017 im Bereich von 900 und 1800 MHz nutzen dürfen, lesen Sie in einer weiteren Meldung-

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