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Editorial: GSM-Lizenzen verlängern oder neu versteigern?

Wenn vier sich streiten, freut sich der Finanzminister
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Mobilfunk-Antenne auf dem DachDie Mobilfunk-Nutzung wird weiterhin zu nehmen: Was tun mit den GSM-Lizenzen? Die Bundesnetzagentur, Hüterin der Mobilfunkfrequenzen in Deutschland, bereitet mit einer aktuellen Anhörung eine mögliche Neuversteigerung, oder alternativ eine kostenlose Verlängerung, der bestehenden, aber Ende 2016 auslaufenden, GSM-Lizenzen vor. Diese wurden 1989 zunächst an die Deutschen Telekom und Mannesmann Mobilfunk, inzwischen Vodafone, vergeben. Später kamen E-Plus und o2 hinzu.

Anfangs hatten Telekom und Vodafone nur Frequenzen im Bereich um 900 MHz ("D-Netz"), während E-Plus und o2 nur im Bereich um 1800 MHz aktiv waren ("E-Netz"). Zwischenzeitlich erhielten alle Netzbetreiber jeweils Frequenzen im jeweils anderen Frequenzbereich, jedoch haben die beiden alten Netzbetreiber weiterhin mehr Bandbreite im 900-MHz-Bereich, während die später hinzugekommenen überwiegend Bandbreite im 1800-MHz halten.

Je niedriger, desto besser

Nun haben niedrige Frequenzen einen erheblichen Vorteil: Sie werden stärker gebeugt, so dass sie eher einen "Schatten" erreichen, zum Beispiel (vom Mobilfunkmast aus gesehen) die Fläche hinter einem Hochhaus. Zugleich werden niedrige Frequenzen weniger stark von Wänden absorbiert, was die Versorgung in Innenräumen verbessert. Folglich fordert allen voran E-Plus und etwas weniger lautstark auch o2, spätestens nach dem Auslaufen der aktuellen Lizenzen ab 2017 mehr Bandbreite im 900-MHz-Bereich zu erhalten. Im Gegenzug wären sie auch bereit, im Rahmen einer Neuverteilung der GSM-Frequenzen 1800er-Bänder an die Konkurrenz abzutreten.

Bei der letzten Frequenzauktion der Bundesnetzagentur zahlten die Netzbetreiber für einen Frequenzblock der digitalen Dividende um 800 MHz etwa den 30-fachen Preis wie für einen gleich großen Block um 1800 MHz. Der große Unterschied zeigt deutlich das starke Interesse der Netzbetreiber an niedrigen Frequenzen, selbst dann, wenn man einrechnet, dass die Knappheit an Blöcken im 800-MHz-Bereich den Preis besonders nach oben trieb und noch nicht absehbar war, dass auch im 700-MHz-Bereich recht bald eine zweite Runde der digitalen Dividende ansteht. Ebenso haben seit der Auktion 2010 die Frequenzen um 1800 MHz an Bedeutung gewonnen, da auch international das Interesse an UMTS-1800 und LTE-1800 steigt, und so eine große Unterstützung dieser in Endgeräten absehbar ist.

Was tun mit GSM?

Für die Netzagentur stellt sich nun die schwierige Frage, was sie mit den 2016 auslaufenden GSM-Lizenzen machen soll. Nur eines ist sicher: Sie wird künftig die Nutzung auch mit anderen Mobilfunk-Technologien als GSM ermöglichen, insbesondere UMTS und LTE. Einzelnen Netzbetreibern hat die Bundesnetzagentur auf Antrag bereits entsprechende Erweiterungen der Nutzungserlaubnis erteilt, unter der Bedingung, dass benachbarte GSM- oder andere Dienste nicht gestört werden.

Für die eigentliche Verlängerung der künftig technologieneutralen 900er und 1800er Lizenzen hat die Bundesnetzagentur nun drei Möglichkeiten:

  • Verlängerung der bestehenden Lizenzen mit der bestehenden Frequenzverteilung.
  • Verlängerung der bestehenden Lizenzen, aber verbunden mit einer Neuverteilung der Frequenzen. Die "D"-Netze müssten 900er- in 1800er-Blöcke tauschen, die "E"-Netze umgekehrt.
  • Komplette Neuversteigerung
Die erste Variante ist der Favorit der "alten" Netzbetreiber, der zweite der der "neuen". Doch wenn diese beiden Parteien sich nicht einigen können, könnte es sein, dass am Ende der Finanzminister der sich freuende Dritte ist, weil die Lizenzen komplett neu versteigert werden, eventuell gleich zusammen mit der digitalen Dividende aus dem Bereich um 700 MHz. Das ist am Ende die gerechteste Lösung, für die bestehenden Netzbetreiber aber auch die teuerste.

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