Handfest

WhatsApp, SMS, E-Mail: Die Grußkarte aus Papier setzt sich durch

Zu besonderen Anlässen fällt die Wahl auf klassische Klappkarten
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Grußkarte zum MuttertagGrußkarten aus Papier zum Muttertag Zum Muttertag am kommenden Wochenende bleiben die Menschen in Deutschland den Klassikern treu. Laut Handels­verband HDE zählen zu den beliebtesten Muttertags­geschenken nach wie vor Blumen, Pralinen, Parfüm - und Glückwunsch­karten. Die altmodische Karte aus Papier erlebt gerade eine kleine Renaissance.

Laut einer Erhebung, die das Kölner Institut für Handels­forschung (IFH) für die Schreibwaren­messe Paperworld erstellt hat, gaben die Menschen in Deutschland im vergangenen Jahr 149 Millionen Euro für Ansichts- und Glück­wunsch­karten aus. Das waren 6,4 Prozent mehr als 2011. Dabei sah es noch 2010 ziemlich düster für die Grußkarte aus: Der Umsatz im Handel war damals innerhalb weniger Jahre um fast 30 Millionen Euro auf 128 Millionen Euro zusammen­geschrumpft.

Die Kauflust sei in dieser Zeit allgemein schlechter gewesen, heißt es in der IFH-Erhebung. Viele Branchen­kenner gaben jedoch den neuen Medien die Schuld an der Misere. Vor allem billige Handy-Flatrates seien eine ernstzu­nehmende Konkurrenz zur Grußkarte. "So viel kann ich in einer Karte gar nicht schreiben, wie ich am Telefon erzählen kann", sagt der Vorsitzende der Arbeits­gemeinschaft der Hersteller und Verleger von Glückwunsch­karten, Werner Lippels.

Elf Verlage sind Mitglieder in dieser Gemeinschaft. Die Grußkarten­hersteller in Deutschland sind hauptsächlich Mittelständler. Lippels schätzt den Branchenumsatz auf 700 Millionen Euro - bei 650 Millionen verkauften Grußkarten.

Karte aus Papier trotzt WhatsApp und SMS

Warum die Verkaufszahlen in Deutschland mittlerweile wieder zugelegt haben, kann sich Lippels nicht ganz erklären. In den vergangenen zwei Jahren sind Smartphones und kostenlose Nachrichten­applikationen wie WhatsApp immer beliebter geworden. Der echten Grußkarte aus Papier scheinen sie das Wasser aber nicht abzugraben. Auch virtuelle Online-Grußkarten haben die von Hand beschriebene Karte nicht verdrängt.

"Die klassische Klappkarte zum Geschenk wird noch lange bestehen", glaubt Reinhard Becker, Geschäfts­führer der Grafik Werkstatt Bielefeld. Grußkarten sind das Kerngeschäft des Familien­betriebs aus Gütersloh, der auch kleine Geschenk­artikel wie Schokolade, Spiele, und Kalender verkauft. Die Ansichts­karte mit Grüßen aus dem Urlaub wird es in Zukunft aber nicht mehr geben, glaubt Becker. "Da schickt man lieber schnell ein eigenes Foto mit dem Smartphone", sagt er.

Zehn Millionen Euro Umsatz macht das Unternehmen nach eigenen Angaben allein mit Aufklapp- und Postkarten. 17 Millionen Stück verkaufte der mittelständische Betrieb 2012, der in den 1980er Jahren als Drei-Mann-Studenten­projekt an den Start gegangen war. Mit zehn Grafikern und einer Handvoll Freiberuflern entwickelt der Verlag jedes Jahr 300 neue Karten. Von dem Umsatz­rückgang im Jahr 2010 habe die Grafik Werkstatt nichts gemerkt, sagt Reinhard Becker.

Aus Kunden-E-Mails und Facebook-Einträgen weiß das Unternehmen, dass viele der meist weiblichen Käufer die Karten gar nicht verschicken oder verschenken - sondern sammeln. "Viele der Karten werden zur Eigenmotivation genutzt", sagt Becker. Digitale Grüße seien schnell wieder weggeklickt. Eine analoge Karte könne man aber aufhängen. "So eine Karte ist auch ein Statement."

Großen Erfolg hat das Unternehmen mit seiner sogenannten "Classic Line": Postkarten und Aufklappkarten, die Lebens­weisheiten mit Natur­aufnahmen, Tier­bildern oder Herz-Grafiken kombinieren. Mit Sprüchen wie "Wohin die Reise auch geht, hängt nicht davon ab, woher der Wind weht, sondern wie man die Segel setzt" funktionieren die Karten aus dieser Kollektion wie extrem komprimierte Ratgeber­bücher. Gerade in Zeiten der Krise scheint das gut zu funktionieren. In den kommenden Jahren wollen die Gütersloher den französischen Markt, die Benelux-Staaten und Italien erobern.

Auf eine Grußkarte können sie dabei bauen, die ihre virtuelle und elektronische Konkurrenz sehr wahrscheinlich überleben wird: die Beileidkarte. Eine SMS oder E-Mail zu schicken, sei bei diesem Anlass nicht möglich, sagt Lippert. "Da braucht es einfach eine Karte."

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