Google TV

Google TV soll mit Samsung und LG erfolgreich werden

Wettrennen mit Apple und Microsoft um Marktdurchbruch im Frühjahr läuft
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Nachdem Sony mit ersten Google-TV-Geräten kaum Verkaufserfolge erzielen konnte, steht der Suchmaschinenriese nun in finalen Verhandlungen mit den beiden TV-Marktführern Samsung und LG. Erste Android-Fernseher sollen im Frühjahr auf den Markt kommen und dabei auch gleichzeitig den Markt für Fernsehwerbung revolutionieren.

Weder bei Verbrauchern noch bei Fernsehsendern hat Googles Fernsehangebot bisher große Begeisterung wecken können. Die Verhandlungen mit Samsung und LG unterstreichen allerdings die Ambitionen, mit denen Google das Projekt vorantreiben will - denn die Konkurrenz schläft nicht.

Wie bei Smartphones: Android wird kostenlos geliefert

Google TV soll auf Fernsehern von Samsung und LG erfolgreich werdenGoogle TV soll auf Fernsehern von Samsung und LG erfolgreich werden Um die Hardware-Hersteller von seinem TV-Angebot zu überzeugen, bedient sich Google des gleichen Modells wie bei Smartphones: Die Hersteller bekommen das hauseigene, aber quelloffenen Betriebssystem Android kostenlos für die Geräte geliefert. Mit dieser Strategie hatte Google bereits im Handy-Markt Erfolg: Momentan ist jedes zweite verkaufte Smartphone ein Android-Gerät.

Für einen erfolgreichen Einsatz von Android auf Fernsehern ist allerdings einiges an Anpassung notwendig: Telefoniefunktionen spielen am Fernseher eher eine untergeordnete Rolle, dafür müssen Zugangswege zu Video-on-demand-, Pay-TV- und Streaming-Angeboten geschaffen werden. Und verwöhnte Smartphone-Nutzer erwarten natürlich, dass sie auch auf dem Google-Fernseher problemlos eigene Fotos und Videos abspielen sowie auf Mail und Internet zugreifen können. Und das stetig wachsende Interesse an Cloud-Diensten macht es notwendig, Dienste wie Dropbox, Skydrive oder das Telekom Mediencenter entweder gleich in der TV-Software zu implementieren oder als App bereitzustellen. Fernsehen und Web sollen damit zu einer Einheit verschmelzen.

Abschied: Logitech sah keinen Erfolg für Google TV

Die ersten beiden Firmen, die sich 2010 um eine Verwirklichung von Google TV kümmern wollten, waren Sony und Logitech. Sony wollte die Software direkt in Fernseher und Blu-ray-Spieler integrieren, Logitech plante spezielle Settop-Boxen nach dem Vorbild von AppleTV.

Aufgrund des mangelnden Interesses nach dem Verkaufsstart in den USA musste Sony die Preise für seine Google-TV-Geräte senken, um diese überhaupt an den Mann zu bringen. Und Logitech hat im November angekündigt, die Zusammenarbeit bei Google TV zu beenden, da das ganze Projekt für den Peripherie-Hardwarehersteller ein Verlustgeschäft war.

Wer wird erster: Google, Apple oder Microsoft?

Mit der Entwicklung einer speziellen TV-Software begibt Google sich unweigerlich in einen Wettkampf mit Apple und Microsoft. Denn beide Konkurrenten haben angekündigt, ebenfalls auf dem TV-Markt aktiv werden zu wollen. Apple tut dies bereits mit seiner Settop-Box AppleTV, doch Steve Jobs hat kurz vor seinem Tod noch an einem ganz besonders einfach und intuitiv zu bedienenden Fernsehgerät gearbeitet. Diesem Traum soll er nach Angaben seines Biographen deutlich nahe gekommen sein - der Apple-Fernseher könnte über die vom iPhone bereits bekannte Sprachseuerung Siri gesteuert werden und soll über die iCloud mit anderen Geräten Daten austauschen.

Und Microsoft möchte mit seinem bereits bekannten Windows Media Center auf Settop-Boxen ins Wohnzimmer vordringen. In die Empfangsboxen soll eine Festplatte für Fernsehaufzeichnungen integriert sein. Kernstück soll ein Web-TV-Portal für Live-TV und Video-on-Demand-Angebote inklusive elektronischem Programmführer (EPG) und Timer für Video-Aufzeichnungen sowie der Zugang zu mehreren Fotoportalen werden.

Spannend bleibt die Frage: Wer schafft es im Frühjahr 2012 als erster, mit einem serienreifen Konzept an den Start zu gehen und die Käufer zu überzeugen? Denn genau davon wird auch der Erfolg von Google TV abhängen, ob der Suchmaschinengigant es beispielsweise schafft, seinem härtesten Rivalen Apple zuvorzukommen.

Die großen US-Fernsehanstalten sperrten sich allerdings anfänglich gegen Google TV: Sie befürchteten auf der einen Seite, dass der Internet-Riese einen Teil ihrer Einnahmen abschöpfen könnte. Zudem störten sie sich daran, dass im Netz alle möglichen Filme und TV-Sendungen als illegale Kopien zu finden sind, was durch eine vermehrte Internet-Anbindung der Fernsehgeräte noch verstärkt werden könnte. Die amerikanischen TV-Sender ABC, CBS und NBC haben die Befürchtung geäußert, dass ihre Sendungen unter dem übrigen (Web-)Content untergehen könnten. Dass diese neue inhaltliche Konkurrenz auf dem TV-Gerät aber auch ein Ansporn für ein anspruchsvolleres Fernsehprogramm abseits von einseitiger Berieselung sein könnte, stand bisher nicht zur Debatte.

Neue TV-Plattformen könnten Werbemarkt radikal verändern

Mehr als 40 Prozent der weltweiten Investitionen in Werbung fließen momentan in die klassische Fernsehwerbung. Damit wird dieses wichtige Marktsegment auch im Fokus der Anbieter von TV-Software stehen. Denn bisher schüttet die TV-Werbeindustrie ihre Spots eher nach dem Gießkannenprinzip aus, ohne ganz genau zu wissen, wer tatsächlich gerade vor dem Fernseher sitzt. Dies könnte sich mit der Einführung von Internet-Fernsehangeboten wie Google TV radikal ändern, da die Werbetreibenden den Fernsehzuschauer viel gezielter ansprechen könnten. Schon heute sammeln mobile Betriebssysteme wie Android eine Menge persönlicher Daten wie Suchmaschinenergebnisse oder Standortdaten, die eine personalisierte Werbung erlauben würden.

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