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Google+: Zuviele Freunde provozieren belangloses "Geschwafel"

05.01.2012
13:23

Mehrere Identitäten über "Circles" erfordern höhere "kognitive Beanspruchung"

Circles auf Google+ sollen Qualität der Kommunikation verbessern
Circles auf Google+ sollen Qualität der Kommunikation verbessern
Das Circles-Konzept beschert Google+-Nutzern eine qualitativ hochwertigere Kommunikation als über andere soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter. Diese Ansicht äußerte Google+-Entwickler Bradley Horowitz in einem Interview. Ein Mensch habe eben nicht nur eine Identität.

Der Unterschied von Google+ zu anderen Netzwerken besteht darin, dass der Nutzer seine Freunde in bestimmte Gruppen einteilen kann, beispielsweise in ehemalige Schulfreunde, Arbeitskollegen, Familienangehörige oder Urlaubsbekanntschaften. Diese "Circles" erlauben es dem Anwender, spezielle Nachrichten oder Informationen nur einem bestimmten Nutzerkreis zugänglich zu machen. Für Bradley Horowitz stellte dies nicht nur ein Novum bei sozialen Netzwerken dar, sondern auch einen wichtigen Entwicklungsschritt für das Unternehmen Google.

Gemeinsame Freundesliste endet oft in belanglosem Geschwafel

In einem Interview mit dem Magazin Technology Review äußerte Bradley Horowitz, dass eine gemeinsame Freundesliste wie bei Facebook, auf der man Bekannte aus allen Lebensbereichen und Lebensabschnitten sammelt, "die Qualität als auch die Quantität von Kommunikation" behindere. Die Leute würden sich "over-friended" fühlen. Die Anwender hätten "Unmengen an Online-Freunden, weil sie eine soziale Verpflichtung empfinden, jede Anfrage zu bestätigen." Schließlich würden sie von echten Freunden über Konferenzbekanntschaften bis zu alten Kindergartenfreunden alle Kontaktanfragen annehmen.

Dabei komme eine sehr heterogene Gruppe heraus, die man nie als Ganzes sinnvoll ansprechen könne. Dies habe zur Folge, dass alle Gespräche auf den "kleinsten gemeinsamen Nenner heruntergeschraubt" würden. Wenn der Profilinhaber irgendwann nur noch belanglose Sachen von sich gibt, weil einzelne Freunde nicht zu tief Einblick ins Privatleben bekommen sollen, werde das Ganze "zum Geschwafel" und letztendlich zur "Zeitverschwendung".

Mehrere Identitäten sollen Facettenreichtum des menschlichen Lebens abbilden

Die durch Circles mögliche Differenzierung der Lebensbereiche erlaube es dem Nutzer, wie im wirklichen Leben auch auf dem sozialen Netzwerk verschiedene Identitäten zu pflegen. Das soll die Qualität der versendeten Mitteilungen nach Ansicht von Horowitz deutlich heben. So kann der Anwender einer Gruppe wie zum Beispiel Kneipenfreunden etwas mitteilen, was Arbeitskollegen nicht unbedingt erfahren sollten. Die "kognitive Beanspruchung" sei damit allerdings höher. Denn der Anwender müsse sich jedes Mal überlegen, mit wem er was teilen wolle.

Horowitz behauptet, dass dieses System auch eine deutliche Steigerung der Privatsphäre darstelle. Das Entwicklerteam habe aus der Entwicklung des mittlerweile eingestellten Dienstes Google Buzz mitgenommen, "dass den Nutzern ihre Privatsphäre sehr wichtig ist – im Gegensatz zur immer wieder geäußerten Behauptung, die Privatsphäre sei tot und alles nun eine öffentliche Angelegenheit."

"Circles": Nicht nur ein großer Schritt für die Menschheit, sondern auch für Google

Bradley Horowitz behauptet im Interview, dass das Circles-Konzept nicht nur ein wichtiger Schritt für die Kommunikation in sozialen Netzwerken, sondern auch für das Unternehmen Google sei. Die Anfangsphase von Google mit der Suchmaschine und dem Pagerank sei stark von der Mathematik geprägt gewesen. Anschließend folgte eine Phase, in der das Unternehmen sehr stark auf Webanwendungen wie Google Mail oder Docs ausgerichtet gewesen sei. In einer dritten Phase stünde nun der Mensch mit seinen Interessen und Vorlieben im Mittelpunkt.

Dieses "Wissen" über den Google-Nutzer soll die Entwicklung aller bisherigen Google-Produkte und -Services in Zukunft prägen. Horowitz machte allerdings keine Angaben darüber, wie die auf Google+ gesammelten Nutzerdaten dem Unternehmen in Zukunft wirtschaftlich nützen könnten und ob an eine solche Nutzung überhaupt gedacht ist.

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Quelle: teltarif.de: AGOF internet facts 2011-12, Erwachsene ab 14 Jahre