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17 000: Google kauft von Motorola Patent-Schatztruhe

Patente gelten als der eigentliche Grund des Milliarden-Deals
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Google hat Motorola übernommen - vor allem wegen der PatenteGoogle hat Motorola übernommen - vor allem wegen der Patente Motorolas Mobilfunksparte ist in den vergangenen Monaten immer wieder zur Zielscheibe im heftigen Patent-Gerangel zwischen Google, Microsoft und Apple geworden. Nun macht Google Nägel mit Köpfen und übernimmt die Motorola Mobilfunksparte - samt aller Patente.

Sowohl Apple als auch Microsoft strengten Klagen gegen das Traditionsunternehmen wegen angeblicher Patentverletzungen bei seinen Handys mit Google-Betriebssystem Android an. In einer Woche steht vor der Internationalen Handelskommission der USA (ITC) eine Anhörung zur Beschwerde von Microsoft gegen Motorola auf der Tagesordnung. Der Mobilfunkpionier Motorola besitzt jedoch ebenfalls ein attraktives Portfolio an Patenten.

Patentklagen gehören im Mobilfunkmarkt derzeit zum täglichen Geschäft. Es gibt kaum einen nennenswerten Anbieter, der nicht gegen mindestens einen seiner Konkurrenten vor Gericht zieht. Von Motorola standen zuletzt 18 Patente im vergangenen Oktober bei einer Klage gegen Apple auf dem Plan. Viele der geschützten Verfahren beziehen sich dabei auf grundlegende Techniken zur Übertragung von Daten über verschiedene Mobilfunkstandards, aber auch Verfahren zur E-Mail-Übermittlung, dem Aufbau von ortsbezogenen Diensten oder zur Synchronisation sind betroffen.

Motorola gehörte einst zu den Schwergewichten in der Mobilfunkbranche. Mit dem DynaTAC brachte das amerikanische Unternehmen Anfang der 80er-Jahre das erste kommerziell verfügbare Mobiltelefon der Welt auf den Markt. Zehn Jahre darauf folgte als eines der ersten GSM-Handys das "International 3200", das als "Knochen" in die Geschichte einging. In den vergangenen Jahren geriet das Unternehmen allerdings mit seinen Klapp-Handys immer mehr ins Hintertreffen. Auch der Interims-Erfolg des als besonders stylisch geltenden "Razr" konnte den Abwärtstrend auf dem Handy-Markt nicht mehr aufhalten. Im Sommer vergangenen Jahres leitete das Unternehmen schließlich seine Aufspaltung ein.

Zunächst keine Auswirkungen auf laufende Verfahren erwartet

Mit Motorola wechselt eine Patent-Schatztruhe den Besitzer. "Wir haben 17 000 erteilte Patente und 7000 Patentanträge", betonte Sanjay Jha, CEO von Motorola Mobility, bei der Vorstellung der jüngsten Finanzzahlen seines Unternehmens.

Ursprünglich wollte Jha diese Patente nutzen, um sich von den Android-Handys anderer Hersteller wie Samsung und HTC abzusetzen. Nun sollen die Motorola-Patente die Munitionskammer von Google in der Abwehrschlacht aller Android-Partner füllen. Kurzfristig wird sich aber nur wenig ändern: "Zunächst wird es vermutlich keine Auswirkung auf die Patentklagen von Apple und Microsoft geben, da der Abschluss der Transaktion dauert und Google auch theoretisch noch überboten werden könnte", sagte Patenexperte Florian Müller der Nachrichtenagentur dpa.

Selbst wenn der Patent-Schutzwall für Android funktioniert, könnte er Google aber auch neue Probleme bringen. Um andere wichtige Android-Partner wie HTC oder Samsung bei Laune zu halten, müsste Google auch künftig der Versuchung widerstehen, Teile des geistigen Eigentums von Motorola für sich allein zu behalten. Sonst könnten die bisherigen Android-Hersteller mit fliegenden Fahnen in das Lager von Microsoft überlaufen. Google verbreitete denn auch umgehend Zitate der Chefs von HTC, Samsung und LG, die den Motorola-Deal als Zeichen für Googles Verbundenheit mit Android begrüßen.

Google geht den "Apple-Weg"

Bislang stellen HTC, Samsung oder LG sowohl Android-Smartphones als auch Geräte mit dem Microsoft-System Windows Phone her. Eine Schlüsselrolle fällt in der Microsoft-Strategie aber Nokia zu, dem weltgrößten Handy-Hersteller, der seine Zukunft im Smartphone-Markt an Windows Phone gekoppelt hat.

Der aktuelle Vergleich des Gewichts im Smartphone-Markt könnte klarer nicht sein: Die Analysten von Gartner kamen auf 43,4 Prozent für Android und lediglich 1,6 Prozent für mobile Windows-Betriebssysteme. Googles Motorola-Deal belebte sofort die alte Spekulation, Microsoft könnte Nokia kaufen.

Denn mit der Einbindung des Handy-Herstellers geht Google gewissermaßen den "Apple-Weg", mit dem Steve Jobs sein iPhone zum Hit gemacht hat: Alles aus einer Hand, die volle Kontrolle über Software- und Gerätedesign. Bei ersten "Android-Flaggschiffen" konnte Google noch darauf verweisen, dass viele Köche am Werk waren. Jetzt steht der Verwirklichung der puren Android-Vision nichts mehr im Weg.

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